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Zwei Jahre Chaostheorie und -praxis

9. Juli 2009

Es kommt nicht selten vor, dass man selbst von einer sehr geschätzten Person mal den Geburtstag verschusselt und zu spät, wenn überhaupt noch, gratuliert. Wenn man aber den eigenen Ehrentag „vergisst“, rührt das entweder von schier endloser Demut, unbewusster Selbstironie oder einfach daher, weil man zu viel mit anderen Dingen beschäftigt ist…

Ja, es ist wahr. Gerade in letzter Zeit haben wir unser Baby etwas vernachlässigt. Doch wir geloben Besserung. Und so ganz untätig waren wir ja nun auch nicht. So arbeiten wir bereits fleißig an einem Relaunch, welcher euch RockZOOM nicht nur in aufgefrischtem optischen Gewand, sondern auch insgesamt leistungsfähiger präsentieren wird. Doch keine Angst: An unserer grundlegenden Herangehensweise – niedergelegt in der Chaostheorie – wird sich dabei nichts ändern.
Was wir sonst noch so getrieben haben? Einmal mehr hat unsere Grafikakrobatin Jana mit Unterstützung ihrer lieben Tippmamselln das Programmheft der Kultinstitution Dong Open Air auf die Beine gestellt. Allein deshalb lohnt es sich schon, am 17./18. Juli die Reise zum legendären Dongberg beim westfälischen Neukirchen-Vluyn anzutreten. Keine Karte für dieses Jahr bekommen? Wir werden in jedem Falle wieder ausführlich vom Festival berichten und den Daheimgebliebenen hoffentlich Geschmack auf das DOA 2010 machen können…

So viel zu unseren künftigen Vorhaben, doch nun soll endlich ein bisschen gefeiert werden! Und kein Geburtstag ohne Geschenke. Und zwar für alle; ganz besonders für euch! Zu danken ist hierfür einmal mehr dem überaus schönem Label Denovali Records, die mal wieder einfach so ganze brandneue Alben auf ihre Labelseite packen und dazu sehr hübsche Vinyls veröffentlichen.

HEIRS: „Alchera“ (2009)
Heirs: Alchera (2009)Den Anfang machen die Australier HEIRS mit ihrem neuen Album „Alchera“. Wer Bands wie Isis, Neurosis oder Cult of Luna mag, sollte hier unbedingt mal ein bis zwei Ohren riskieren. Heirs beweisen hier vor allem ein ausgezeichnetes Gespür für stimmige Lautstärkenvariationen. Eigentlich genau das richtige für eine LP, wo Höhen und Tiefen unbeschnitten daherkommen. Genau so genießt man am besten die dissonant-schleppenden Wütereien des zerstörerischen Einstiegstracks „Plague Asphyx“ und das sich anschließende, im direkten Vergleich dazu schon beinah ironisch-blümerant klingende Post Rock-Epos „Mockery“. Die schon fast zaghaft klingende melancholische Akustikgitarrenunterhaltung in „Cabal“ lässt zunächst an eine Mischung aus Drudkh und Pink Floyd denken, bäumt sich aber auch rasch wieder auf. „Alchera“ bleibt dabei stets spannend.

Andere trippig-verträumte Stücke wie „Mandril“ erinnern positiv an die Holländer von Transmission0… Was ist eigentlich aus denen geworden? „The White Swell“ kommt in ähnlicher Manier daher, bevor es anschwillt zu einem drückend heißen Wüstenmonster. Man stelle sich hier eine Mischung aus Neil Youngs „Dead Man“-Soundtrack, Ennio Morricone und den Südstaaten-Country-Doomern Earth vor und kommt schon recht nah heran. Doch was schreib ich eigentlich noch? Überzeugt euch selbst von dieser Instrumentalgewalt ohne ablenkenden Gesang und Text…

>> kostenloser Album-Download, CD-Bestellung und Vinyl-Preorder unter http://denovali.com/heirs

Heirs bestreiten im Spätsommer übrigens ihre ausgedehnte Tour durch unsere Breitengrade. Hier die Termine in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wie sie aktuell geplant sind:

21.08.09 münster (d) – amp (+ kodiak)
22.08.09 essen (d) – coffee corner (+ kodiak)
23.08.09 giessen (d) – ak44 (+ kodiak)
29.08.09 ger, nl, bel, lux (+ kodiak)
30.08.09 siegen (d) – vortex (+ kodiak)
02.09.09 nl/ northern germany (+ iroha)
03.09.09 hamburg (d) – astra stube (+ iroha)
04.09.09 berlin (d) – schokoladen (+ iroha)
05.09.09 hammerstadt (d) – kommärzbanck (+ iroha)
06.09.09 eastern germany (+ iroha)
11.09.09 leipzig (d) – zoro (+ iroha)
12.09.09 kassel (d) – hammerschmiede (+ iroha)
13.09.09 köln (d) – mtc (+ iroha)
29.09.09 mannheim – juz
30.09.09 eastern austria
10.10.09 suisse/ austria
11.10.09 leverkusen (d) – KAW

KOM: „Ink“ (2009)

KOM: "Ink" (2009)Ein weiteres Schätzchen aus dem Hause Denovali ist zweifelsohne die Band KOM, die sich für ihre aktuelle EP was ganz besonderes hat einfallen lassen: Ein mit goldenem Wachs versiegeltes, auf 160 Stück limitiertes 10″-Vinyl in rot-bräunlicher individueller Maserung. Eine wirklich wilkommene Abwechslung im uniform aufgereihten Plattenschrank… wobei die äußerst schicke EP eher was für die Vitrine ist.

Musikalisch bewegen sich KOM in der Spannweite von Post Rock (im weiteren Sinne) und den warm-psychedelischen Tönen von 60er Jahre Soundtracks. „Soundtracks“ von CAN anyone? Insbesondere der dahingehauchte, schon beinahe gelangweilt dennoch sehr cool abgebrüht klingende Gesang bei KOM gelangt schon recht nahe an den stets improvisierten Träumersingsang des CAN-Sängers Damo Suzuki heran. Weltfremd atonal plänkeln Gitarren dazu. KOM haben’s auch irgendwie mit dem 3/4-Takt, und so lässt sich zum verträumten „007“ ganz hervorragend durch die regenlaue, rotweingetränkte Sommernacht walzern. Das Stück ist übrigens nicht nach einem gewissen Geheimagenten benannt, sondern einfach nur Track 2 der von „006“ bis „012“ durchnummerierten Songs, die stellenweise nicht mal die Zwei-Minuten-Marke überschreiten und eher als Stimmungskonstrukte bezeichnet werden können. Langweilig wird „Ink“ nie und selbst nach vielem Hören lassen sich bei den gerade mal 20 Minuten dieses optischen Juwels noch viele neue Details entdecken, die den Kauf dieser 10″ auch akustisch lohnenswert machen.

Manch einer fragt sich vielleicht, warum es auf „Ink“ mit „006“ los geht. Und in der Tat gibt es auch die „001“ bis „005“, zu hören auf der Debüt-EP „Plazaobelisk“ von 2004. Es ist wirklich zu hoffen, dass es bei den vier Jungs aus NRW bis zur nächsten EP oder gar dem Debütalbum nicht wieder fünf Jahre dauern wird.

>> kostenloser Mp3-Download und Vinyl-Bestellung unter http://denovali.com/kom

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