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Yann Tiersen – Infinity (Review)

18. Mai 2014
Yann Tiersen - Infinity

Yann Tiersen – Infinity

Ach, Yann Tiersen… Was soll man über dich noch groß Worte verlieren? Wer dich nicht kennt, weist ein faustdickes Loch auf seiner Musiklandschaftskarte auf. Der Multiinstrumentalist aus der Bretagne ist den meisten wahrscheinlich eher seiner Kompositionen zu den Filmen „Die fabelhafte Welt der Amélie“ oder „Goodbye Lenin“ wegen ein Begriff. Dass diese Werke aber nur einen kleinen Einblick in sein schier grenzenloses Klangspektrum bieten, wissen die Wenigsten. Macht aber nichts, denn Tiersens neues Album „Infinity“ bietet die Gelegenheit einmal ganz tief in die Welt der eigenen Unendlichkeit einzutauchen. Das Grundgerüst wurde auf Island erstellt und erhielt auf der bretonischen Île d’Ouessant seinen Feinschliff. Tiersen nutzte die Abgeschiedenheit, um mit verschiedenen Klangkörpern zu experimentieren und richtete den Fokus von vornherein ganz bewusst auf den keltischen Unterton seines achten Studioalbums.

So unterstützen ihn auf „Infinity“ beispielsweise Amiina, zusätzlich unterstreichen bretonische, färöische und isländische Gesangspassagen das Bild, welches sich naturgewaltig vor einem aufbaut, sobald die ersten Takte des Titeltracks angeschlagen werden. Laut eigener Aussage beschäftigt sich die neue Platte thematisch hauptsächlich mit Steinen. Was im ersten Moment etwas wahnwitzig klingt, wächst bei näherer Betrachtung zu einem Leitgedanken, der recht passend für diese gebündelte Kollektion der vertonten Unendlichkeit ist. Yann Tiersen fügt zusammen, was scheinbar nicht zusammen passt – und erschafft durch die Verschmelzung von analogen – wie elektronischen Soundfetzen, Klavier, Xylofon oder Streichern ein ganz eigenes Bild der Insel aus Feuer und Wasser. Geheimnisvoll geht es zu („Slippery Stones“) – krautrockig („Ar Maen Bihan“), positiv verspielt („Midsummer Evening“) aber auch. So fällt es schwer dieses wunderschöne zärtliche Portrait zusammenfassend in Worte zu rahmen. Dafür ist „Infinity“ einfach zu gewaltig, fast schon episch. Kein Popalbum, klar. Wer aber grenzenloses fallen lassen mag, der sollte unbedingt einmal den Geschichten der Steine lauschen.

Tourdaten:
04.10. – Huxleys, Berlin
05.10. – Grünspan, Hamburg
06.10. – Gloria, Köln
12.10. – Gasometer, Wien
14.10. – Kaufleuten, Zürich
15.10. – Kaserne/Reithalle, Basel

Yann Tiersen im Internet:
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Youtube

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