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Wooden Arms – Tide (Review)

29. September 2014
Wooden Arms - Tide

Wooden Arms – Tide

Wer als musikalische Inspiration Chopin und Mozart in einem Atemzug mit Grizzly Bear und Andrew Bird benennt, der hat augenscheinlich selbst ein sehr breites Spektrum an Klangvielfalt zu bieten. So überrascht es auch nicht, dass der Kopf der Wooden Arms, Alex Carson, mit einer klassischen Klavierleher-Ausbildung und einer vorzeigbaren Stimme aufwarten kann. Gegründet Anfang 2012 in Norwich, erweiterte sich das Künstlerkollektiv rasch um Jessica Diggins (Gesang & Violine), Fynn Titford-Mock (Cello), Jeff Smith (Gitarre, Gesang & Bläser), Alex Mackenzie (Percussion & Samples) und Milly Hirst (Gesang) zu einem Sextett. Die erste selbstbetitelte EP folgte schon wenige Monate später, einige namhafte Festivals in England ebenfalls. Nun erschien das erste Studioalbum „Tide“, das aufgrund seiner Kürze durchaus als weitere EP durchgehen könnte. Vielleicht braucht es manchmal aber auch nicht mehr, um ein Album und die damit verbundene Botschaft auf den Punkt zu bringen.

Das Spiel zwischen klassischen Streichereinsätzen, sparsamen Klavierklängen, Bläsern und folkigen Elementen erschafft eine surreal melancholische Stimmung, die gerne mit einem Soundtrack für das eigene Kopfkino verglichen wird. „December“ beginnt dann auch sanft minimalistisch. Mithilfe von klagenden Streichern und pulsierenden Beats baut sich ein Rahmen für die folgenden fünf Songs auf. Trotz oder gerade aufgrund der sparsamen Instrumentierung kommen die einzelnen musikalischen Werkzeuge auf wunderbare Weise zu Geltung, stehen für sich und fügen sich doch homogen zu einem Kleinod zusammen. „Vicenarian“ folgt beschwingt und deutlich folkiger, der Titeltrack „Tide“ lässt sich von Klavier, Streichern und Harmoniegesang tragen. Alles ist abgestimmt, fließt ineinander, wirkt bis ins kleinste Detail durchkomponiert. Ecken und Kanten sind inexistent. Dennoch steckt das Debüt der Engländer voller Überraschungen, kleinen Kehrtwendungen und bombastisch anmutenden Melodien. Wooden Arms stehen für ein Spazieren abseits ausgetretener Pfade. Die wirklich schönen Dinge im Leben finden sich eben eher im Verborgenen. „Tide“ ist ein Herbstalbum durch und durch. „False Start“ könnte die sechs Titel umfassende Platte daher nicht schöner abrunden und abschließen. Classical Crossover für die Tage mit dem wärmsten Licht des Jahres, dampfenden Wiesen und Farbpracht an jedem einzelnen Baum. Faszinierend perfekt.

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