Suche

Wintersleep : Hello Hum

30. Oktober 2012

Wintersleep - Hello Hum (2012)

Wintersleep – Hello Hum (2012)

Winterschlafmusik? Pustekuchen! Den Kanadiern aus Halifax ist mit dieser heißen Scheibe eher ein richtig geiler Schneeballschlachtensoundtrack gelungen. Schon bei den ersten vielversprechenden atmosphärischen Tönen – man denkt hier vielleicht an Bon Ivers Überwerk – merkt man, dass sich hier was Großes aufbaut. Das hätte ich nicht ganz erwartet, haben WINTERSLEEP über die letzten Jahre meines Erachtens doch ein bisschen abgebaut. Die ersten beiden Alben von 2003 und 2005 waren noch recht düster-melancholisch, mal leise, mal grungig laut, aber auf jeden Fall glaubhaft und einfühlsam. „Welcome To The Night Sky“ im Jahr 2007 wurde dann schon gefälliger – „Oblivion“, gäähn! – und wiederum drei Jahre später erschien das recht schwache, sehr poppig an Bands wie R.E.M. erinnernde „New Inheritors“, welches die Band zwar international beliebter machte, aber auch irgendwo im Indie-Einheitsbrei verschwinden ließ. „Hello Hum“ spielt da nun in einer ganz anderen Liga.

„In Came The Flood“ beginnt mit einem fies knarzigen Bass und und unerwartet nasalen Vocals von Paul Murphy. Gewöhnungsbedürftig, aber den 70s-Fan dürfte dies gefallen. Schöner Song, der richtig Spaß macht und an locker-flockiger Leichtfüßigkeit nur vom folgenden Sommer(!)-Smasher und zugleich Hippie-Hymne „Nothing Is Anything (Without You)“ übertroffen wird. Hierzu hat die Band dieser Tage auch einen wahnwitzigen Clip veröffentlicht, hier anzusehen:

Überraschend auch wie genial sich die elektronischen Einspielungen um den organischen FLEET FOXES-Sound in „Resuscitate“ schmiegen. Bei Wintersleep schreiben übrigens alle Bandmitglieder mit, was sich gut finde, denn die Bandmitglieder sind echt in verdammt vielen anderen Bands und Projekten aktiv und können sich so schön viele Einflüsse und Ideen von außerhalb mitbringen. An sich klingen die Strukturen auf „Hello Hum“ zwar recht simpel gestrickt, eingängig und eben bandtauglich, aber es passiert hier jedoch auch ganz viel im Hintergrund. Das ist wahrscheinlich auch dem verspielten Mix von Dave Fridmann zu verdanken, der viele Details zum Entdecken in den groovigen Sound der Kanadier eingebracht hat. Was wir hier haben ist irgendwie ein Hippie-Revival mit einer gesunden Prise Moderne. Noch ein Beweis? Der Beginn vom ultragenialen „Permanent Sigh“ hätte auch von JETHRO TULLs „Aqualung“-Scheibe kommen können: stampfend, groovig, sexy. Die Entwicklung des Songs ist übrigens auch wahnwitzig und schon nach anderthalb Minuten gibt es so viele Ideen zu verarbeiten, dass einem zu Beginn schon ein wenig schummerig werden kann. So muss man sich bereits früh im Song zwischen lebhaftem Wohnzimmertanz und psychedelischem Slowdance an der Bar entscheiden, bevor man sich zurücklehnen MUSS, um der epischen Multimultimultiinstrumentalentwicklung des Grand Finales gescheit beiwohnen zu können.

Dann braucht’s natürlich erst einmal eine Pause, die in Form der emotionalen Ballade „Saving Song“ auch wunderbar passend und willkommen daherkommt. Erinnert mich zwar total – gerade stimmlich! – an die wunderbaren HOWTH, aber von solch grandioser Musik gibt’s eh zu wenig, von daher freu ich mich durchaus über diesen schön einfühlsamen Gesang. „Rapture“ und „Unzipper“ haben dann wieder diese schön druckvollen Powerchords und den „fliegenden“ 60er Jahre-Gesang, die mir schon zu Beginn des Albums so gut gefallen haben. Richtige Ohrwürmer sind das, genauso wie „Zones“ gegen Ende und noch eine Ballade ganz zum Schluss: „Smoke“ tröpfelt nicht vor Schmacht und Schmalz, ganz einfach weil Paul Murphy seinen Schmerz resigniert-bescheiden mit erhobenem Kopf und ohne Weinerlichkeit zu leiden weiß. Klingt komisch, aber so hören sich gute Balladen an.

So, eigentlich ist nun alles Wissenswerte gesagt. Und da es hier nicht einen schwachen Song auf diesem fantastischen Album gibt, es Runde um Runde süchtig macht und zum Wieder- und Wiederspielen einlädt, vergäbe ich hier die Höchstnote, wenn wir eine hätten… 😉 Noch ein Schmankerl? „Resuscitate“ hier, bitteschön!

Resuscitate by Wintersleep

WINTERSLEEP im Internet:
Facebook | Homepage | Twitter

Schreib einen Kommentar