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Was kann die SHM-CD? Ein Praxistest

21. September 2011

SHM steht für „Super High Material“. Die „Technologie“ zu dieser bescheidenen Bezeichnung haben die Japaner von JVC und Universal Music bereits vor fünf Jahren ausgetüftelt. Oder besser: Beim Versuch, einen besonders transparenten Stoff für LCD-Displays zu erschaffen, stießen sie ganz zufällig auf ein Material, welches – eben aufgrund seiner Transparenz – noch besser vom CD-Laser abgetastet werden soll. Das „Zaubermaterial“ ist außerdem flüssiger als das gängige Polycarbonat und es können beim Pressvorgang noch feinere Grübchen gegossen werden, was zu weniger Jitter beim Abtasten der CD führen soll. Das klingt doch alles ganz toll, was uns die Japaner auf ihrer SHM-CD-Infoseite anpreisen. Und, brauche ich jetzt dafür einen extra CD-Spieler (wie es beispielweise bei den SACDs der Fall ist), um den Unterschied bemerken zu können? Zum Glück nicht. Eine gescheite Musik-Hardware sollte jedoch vorhanden sein, um überhaupt irgendwelche Unterschiede auszumachen.

Ich machte den Praxistest mit einer sehr aktuellen Veröffentlichung: Die reguläre CD und die SHM-CD von Eddie Vedders „Ukulele Songs“ kamen dieses Jahr nahezu zeitgleich auf den Markt, berufen sich auf das selbe Mastering und somit ist eine unmittelbare Vergleichbarkeit der beiden Scheiben schon mal gegeben. Die „konventionelle“ CD habe ich mir übrigens aus unserer Bibliothek ausgeliehen, nicht dass ihr denkt, ich bin so verrückt und kaufe mir mal eben aus Spaß zwei Formate, von denen eines auch erstmal die berühmte Katze im Sack ist… die wir aber jetzt endlich mal raus lassen werden…

Der Hörtest in Minimalbesetzung mit Eddie Vedders „Ukulele Songs“

Kostenpunkt der SHM-CD: 27,99 Euro beim Musikhändler JPC, 2 Wochen Wartezeit nach Bestellung; für knappe 35 Minuten Spielzeit also schon mal kein Schnäppchen. Man muss der Veröffentlichung von Eddie Vedder jedoch zugute halten, dass hier nicht an der Aufmachung gespart wurde: Ebenso wie bei der regulären CD gibt es die SHM-„Ukulele Songs“ als Digibook mit 36-seitigem Booklet, welches alle Lyrics und schöne Fotografien auf sehr wertigem Papier beinhaltet. Die SHM-CD kommt zusätzlich noch mit einem Booklet auf Japanisch (offensichtlich wurden hier sogar die Texte übersetzt und ein paar Linernotes geschrieben) und in einer kleinen antistatischen Kunststoffhülle, ähnlich wie bei den gefütterten LP-Innenhüllen.

Ukulele und Gesang zur Beurteilung der Klangqualität einer SHM-CD? Das mag auf dem ersten Blick etwas befremdlich wirken; es gibt ja nur etwas Stimme und eine im Tonumfang sehr limitierte Ukulele zu hören, möchte man meinen. Aber wie alle hoffentlich spätestens seit dem hervorragenden Soundtrack zum Film „Into the Wild“ wissen, besitzt Pearl Jam-Sänger Eddie Vedder einen umfassend expressiven Gesang und was der Mann so aus einer Ukulele herausholen kann, ist ebenfalls beträchtlich. Zugleich bietet die Minimalbesetzung reichlich Gelegenheit, sich sehr genau auf die einzelnen Klangnuancen zu konzentrieren. Doch diesmal, nur dieses einzige mal, soll der subjektive Blick auf die Musik selbst erst einnmal nachrangig sein; wir horchen ganz genau auf die Beschaffenheit der Töne…

Beide Scheiben wurden selbstverständlich mit der selben Ausstattung getestet:

  • CD-Spieler: Marantz CD-17mkII KI
  • Vollverstärker: Marantz PM-17mkII
  • Regallautsprecher: Magnat Quantum 603 und zuvor B&W DM 601 S3

Das unaufmerksamere Ohr vernimmt bei Eddie Vedders neuem Album vielleicht nur ein paar wehmütige Liebeslieder; hört man aber genau hin, merkt man schnell, dass hier ein Songwriter am Werk ist, der seine Stücke auf den Punkt zu bringen, ausdrucksstark umzusetzen und mit so einigen feinen Details anzureichern weiß, welche die SHM-CD hervorragend in Szene setzen kann: Das Wellenrauschen auf „Light Today“ umspielt den Musikus auf schön plastische Weise, der Harmoniegesang mit Glen Hansard bei „Sleepless Nights“ ist eine wahre Ohrenweide, das Cello (um mal einen Klangvergleich in höherer Basslage zu haben) auf „Longing to Belong“ kommt druckvoll, rund und organischer als von der Standardscheibe, aber gar am deutlichsten wird der kleine aber feine Unterschied der SHM-CD beim Opener „Can’t Keep“, der mit seiner Aufbruchstimmung auch gut noch auf die „Into the Wild“-Platte gepasst hätte. Das anfängliche Ukulele-Strumming in höheren Tonlagen wirkt auf der „normalen“ CD schriller, klirrender und zugleich etwas flacher; steril wäre vielleicht der richtige Ausdruck. Ja, darf ich vielleicht ganz vorsichtig anmerken, dass diese SHM-CD irgendwie an ein „vinylenes Klangerlebnis“ herankommt? Für den direkten Vergleich bräuchte ich jetzt natürlich noch die „Ukulele Songs“-LP, aber bei aller Liebe…
Um die Verwirrung komplett zu machen: Seit Mitte August gibt es von der regulären „Ukulele Songs“-CD auch noch eine so genannte „New Version“. Die Trackliste ist die gleiche, der Preis etwas höher. Weiß hier jemand was genaueres?

Weitere CDs hat übrigens das STEREO-Magazin getestet und wer mal in den bisher verfügbaren SHM-CDs stöbern, möchte gibt am besten „SHM-CD“ in den Suchschlitz bei JPC oder Amazon ein. Amazon hat zwar mit knapp 5.000 Scheiben zwar das deutlich größere Angebot, jedoch auch die happigeren Preise. Bei JPC ist man im Schnitt bei etwa 30 Euro dabei.

Für ein finaleres Urteil über die SHM-CD im Allgemeinen müsste man natürlich noch mehrere CDs selben Masterings auf den selben Anlagen vergleichen. Äußerst gespannt wäre ich beispielsweise auf die früheren Alben von Joni Mitchell. Diese glockenklare Stimme, das weiträumige Piano…

Aber andererseits: Warum dann nicht gleich Vinyl, wenn man auf ein weicheres Klangbild steht? Preislich liegen die locker unter den SHM-Discs, sie sind ein schöneres „haptisches Erlebnis“, wenn man darauf steht und wer sagt mir eigentlich, dass die SHM-CDs nicht bereits nach 20 Jahren auseinanderfallen? Schließlich wird hier so eine große Geheimniskrämerei um dieses Material gemacht, dass das wahrscheinlich keiner weiß außer JVC, wenn überhaupt die. Bei meinen LPs weiß ich wenigstens, dass sie bei guter Pflege ein Menschenleben überdauern und dann sogar noch vererbbar sind. Ja, die werden sogar ins All geschossen, so technologieneutral sind die! Äh, erinnert mich bitte in 50 Jahren nochmal dran, genau diese SHM-Scheibe hier nochmal einzulegen.

So, na, aber jetzt, die große Frage: Wer hat hier noch Erfahrung mit SHM-CDs? Bin gespannt auf eure Meinung!

8 Kommentare

  1. Klingt durchaus interessant, vor allem, weil ich wie gesagt vorher noch nie davon gehört habe, aber so groß scheint das Angebot ja noch nicht zu sein, wenn mit ca. 5.000 SHM-CDs Amazon schon das meiste bietet. Wundert mich allerdings eh, dass hier noch entwickelt bzw. ein neues Format rausgebracht wird, da digitalisierte Musik weiter auf dem Vormarsch ist und „Liebhaber“ ja wirklich eher zur Vinyl greifen.

    #3437
  2. Denke ich auch. Das Angebot der bisherigen SHM-CDs besteht hauptsächlich aus Jazz, Klassik und dem sog. „Classic Rock“ und spricht eher Audiophile unserer Elterngeneration an 😉 Wäre trotzdem schön, wenn das Ganze mal der CD-Standard wird… aber nicht zu diesem Preis…

    #3438
  3. Sharif

    Eine weitere Frage ist, wie lang es diese Art Disc geben wird. Ich denke da z.B. an MiniDisc usw. :) Genau wie Blu-Ray DVDs, die mittlerweile unter 10 Euro verkauft werden. Die sind eben auch kein so weiter Sprung wie der von VHS zu DVD. Ist die SHM-CD nicht ein (weiterer) verzweifelter Versuch der Musikindustrie, wieder ins Geschäft zu kommen?

    #3441
  4. Naja, wenigstens brauch ich mich dann nicht zu ärgern, extra einen teuren Player dafür gekauft haben zu müssen. Im Gegensatz zu SACD (oder eben analog bei den Videoformaten: im Gegensatz zur Blu-Ray oder HD-DVD) funktionieren die SHMs nämlich auch auf einem „normalen“ CD-Spieler.

    #3442
  5. […] Was kann die SHM-CD? Ein Praxistest Ich machte den Praxistest mit einer sehr aktuellen Veröffentlichung: Die reguläre CD und die SHM-CD von Eddie Vedders “Ukulele Songs” kamen dieses Jahr nahezu zeitgleich auf den Markt, berufen sich auf das selbe Mastering und somit ist eine unmittelbare Vergleichbarkeit der beiden Scheiben schon mal gegeben. […]

    #3446
  6. Racker

    Also, allein die Erklärung der Hersteller ist schon hanebüchen: Zwei CD-Labels forschen an einem Material für einen neuen LCD-Bildschirmstandard. Jo, klar! Ich meine, wie oft „forschen“ Autohersteller an einem neuen Material für Fahrradreifen? Dann ist seit den 1980er-Jahren bekannt, dass die Japaner andere Glasmaster nutzen als die Europäer. Schon immer haben deswegen auch die „normalen“ Japan-Ausgaben anders (nicht immer besser) geklungen als die europäischen oder die US-amerikanischen. Dann ist die japanische CD-Industrie seit den 1990er-Jahren akut in Geldnot (genauer gesagt seit dem japanischen Wirtschaftscrash gegen Mitte der Neunziger), und seit Ende der 1990er ist die unselige Mode out, bei der Bands für ihre Japan-Alben zumeist einen Bonustrack bereithielten. In dem Zusammenhang wird das Bild klar: die japanische Tonträgerindustrie benötigt europäische Importe, um wirtschaftlich über Wasser bleiben zu können. Da kein Mensch mehr Japan-Importe brauchte, hat man nun eben die SHM-CD aus der Klamottenkiste gezaubert, und die menschliche Psychakustik besorgt den Rest. In meinen Augen haben nur SACD und BluRay-Audio echte Fortschritte gebracht. SHM-CDs halte ich eher für verzichtbar.

    #92608
  7. Thomas Hoffmann

    Die „SHM Aufnahmen“ sind komplett „remastered“ und haben nichts mit einer normalen CD zu tun.. Nicht das es schlecht ist.. aber es hat mit dem Werkstoff gar nichts zu tun..

    #138559
  8. Bernd

    Hallo liebe Musik Freunde,
    Ich bin eine Kind der CD . Als ich damals meine erste Anlage gekauft habe wurden
    CD Player zum Sandart ( um 1990 )
    CD Klingt sowiso besser wurde uns von der Industrie eingeredet.
    Das habe ich bis vor ca. 4 jahren geglaubt. Auch das cd Player mehr oder minder gleich klingen !
    Ist ja Digital 1/0 !

    Dann habe ich mal ein Plattenspieler ein Lynn LP 12 mit sehr teuren MC Vienna Tonabnehmer und noch teurerem Einstein Vorverstärker, Das ganze mit einem ASR Emitter exclusiv und Thiel cs 3.6 LS gehört .
    Als Vergleich stand ein Teak Esoterik x02 ( immerhin ca. 8000€ cd Payer )

    Der Plattenspieler klang eindeutig besser.
    CD Sound hatte gewisse metallische härten und der Sound spielt sich in einem mehr oder minder grossen „Bilderrahmen“ ab.
    Wenn man dem Plattensound nicht vorher gehört hätte würde man nichts vermissen.
    Doch der Plattensound sprengt diesen „Bilderrahen“ auf ,es hat was räumlich von unendlichkeit…..einfach viel mitreißender.
    Seit dem bin ich auf der Suche den Digitalen Klang auf Pattenqulität zu bringen.
    Und meiner Ansicht die gute Nachricht es geht!
    Die schlechte es ist aufwendiger als ich dachte.
    Das wichtigste ist guter „sauberer“ Strom.
    Induktion sollte so gut als möglich reduziert werden . Also keine Sicherungsautomaten selbst die 63 Ampere der Hauptsiecherung muss raus. Ein FI sollte auch nicht vor der Hifikette liegen!!!
    Dieses ist das Fundamet ! Warum ist das so habe ich mich gefagt. Die Antwort ist simpel,
    Durch verzögerten Stromfluss bekommt der Quartz im Player spannungsschwankungen ab.
    Der Quarz bestimmt jedoch den Takt . Bei Spannungsschwankungen läuft dieser jedoch unsauber. Die Schwankungen kommen vom Verstärker und vom Player selbst…..Muss doch die drehzahl der CD ständig angepasst werden oder der Focus der Linse des Players ! Dann gibt es noch Schwankungen die schon im Stromnetz sind plus lauter Strompeaks von z.B. den immer mehr vorhandenen Schaltnetzteilen ( vor 30 jahren war das noch anders ) .
    Ein CD Player ist genaugenommen meiner Meinung eine Fehlkonstruktion.
    Wenn empfehle ich ein Laufwerk mit externen DA Wandler.
    Jedes Gerät sollte an Leistngsfähige Netzfilter/Spannungsstabilisatoren/Trenntrafo hängen.

    Mittlerweile streame ich die Musik vom NAS selbst dieser hängt vorm Netzfilter/Stabilisator 200 VA.
    Vorm Streamer hab ich ein Giso lan Isolator der noch mal störungen filtert !
    Danach kommt noch mal ein sog. recklocker ( mutek mc3+ ) .
    Der Clocker/Wandler/Streamer hängen an einem 1100 VA Stabilisator!
    Der Verstärker ( Emitter 1hd mit Accu ) an einem 2200 VA Stabilisator.
    Hochwertige Verkabelung bringt noch mal einiges ich setze auf WireWorld Platinum Eclipse Analog und als Digitalkabel Platinum Starlight…Zugegeben sehr teuer aber unglaublich gut.

    Wenn man das alles gemacht hat klingen digitale Medien meiner Meinung oft besser als die gute alte Platte. 24 bit mit 192 khz braucht man auch nicht mehr. eine ganz normale 16bit 44.1 khz ist dann sau geil wenn sie gut und jitterarm aufgenommen wurde.

    Dann hat man natürlich einiges ausgegeben und im Haus umbauen müssen .

    Die Platte hat systembedingt kein Jitter und klingt desshalb auch ohne viel ( Strom )aufwand schon sehr gut !
    Der Platten klang wird durch die optimierung des Stroms auch besser jedoch viel geringfügiger…

    #140497

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