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Warpaint – Warpaint (Review)

24. Januar 2014
Warpaint - Warpaint

Warpaint – Warpaint

Vier Frauen um die dreißig. Beheimatet in Silverlake, einem von Künstlern durchsetzten Vorort von Los Angeles. Sie treffen sich, sie komponieren, pressen einige ihrer Songs auf die EP „Exquisite Corpse“. 2010 folgt das Debütalbum „The Fool“ – und plötzlich sind Emily Kokal, Theresa Wayman, Jenny Lee Lindberg und Stella Mozgawa aka Warpaint in aller Munde und aller Ohren. Tristesse für jene, in dessen Venen das Blut bei aller Schwermut noch warm pulsiert. Gut drei Jahre musste man auf ein Lebenszeichen der vier Damen warten. Und dann hält man ihn in den Händen: den selbstbetitelten Nachfolger „Warpaint“. Nigel Godrich (Radiohead) und Mark Ellis (Depeche Mode, PJ Harvey, U2) griffen Ihnen unter die Arme und verliehen dem Album einen Rahmen, der einerseits geräuschlos in die Zukunft gleitet, den Warpaint-eigenen Pathos; diese Mischung aus Melancholie und schwebenden Traumsequenzen; aber nicht aus dem Blick verliert.

Ist „Warpaint“ nun ein würdiger Nachfolger? Kann der Vierer erneut eine bizarr-schöne Traumwelt erschaffen, die einen wie Beton-Seide (schwer und sanft zugleich) an einem haftet? Eins sei gesagt: ihr Pulver haben Warpaint noch lange nicht verschossen! Ihr zweiter Longplayer trägt diese gewisse schläfrige Trägheit in sich. Der Moment, wenn Realität und Tagtraum auf wundersame Weise miteinander verschmelzen. „Love Is To Die“ wurde bereits im Vorfeld ausgekoppelt und sorgt allein mit der Erkenntnis, dass man Herzschmerz auch einfach mal wegtanzen kann für einen fein ironischen Glanzpunkt. „Biggy“ verliert sich, getragen von Emilys, Jennys und Theresas Wechselgesang in den eingangs beschriebenen Zwischenwelten. Verschlungen, nebulös, sanft – und dennoch so komplett schnörkellos. Hier gibt es keine kniffeligen Soundstrukturen, keine opulenten Klangteppiche. Nur vier Frauen, die ihr Innerstes so minimalistisch wie möglich nach außen kehren. „Teese“ ist hierfür ein gutes Beispiel, „Son“ oder „CC“ schmiegen sich ebenso flüsterleise an. „Drive“ schließt das Album ab – und klingt dabei ein bisschen wehmütig. Aber nicht traurig sein. Einfach nochmal abspielen. Denn „Warpaint“ packt nicht beim ersten Hören. Auch dieses kleine Meisterwerk braucht Zeit, um sich ganz entfalten zu können. Wenn unser sirenenhaftes  Quartett allerdings sein Netz gesponnen hat, bleibt jeder, der mag darin hängen.

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Tourdaten:
23.02.2014 – Köln, Gloria
25.02.2014 – München, Strom
26.02.2014 – Hamburg, Grünspan

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