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VOLBEAT @ Arena Chemnitz | 13.11.2010

16. Dezember 2010

Volbeat - 13.11.2010 #11 Zuletzt lockte mich der Ruf ungehobelter Rockmusik vergangenen Dezember in die Chemnitzer Arena, wo die Urviecher von Motörhead auf die Massen niederblökten. Jüngst hatte man auch mal wieder am 10.12.2010 Gelegenheit, „Britain’s Ugliest“ mit Doro und den saucoolen Doomerinos Grand Magus zu sehen, aber mittlerweile ist auch das Geschichte.

Zurück in eine Zeit vor dem Schnee, als die Straßen noch frei und die Metal’n’Roll-Seelen gefangen genommen waren von vier Dänen, die es seit nunmehr fünf Jahren bestens verstehen, kühles Bier zum Kochen zu bringen…

The Kandidate - 13.11.2010 #04 Vorher jedoch musste sich der geneigte VOLBEAT-Anhänger noch durch zwei Vorbands kämpfen, die musikalisch eher gar nicht zum frischen Elvis Metal passten. Den Anfang machten um Punkt 21 Uhr die Landsleute von THE KANDIDATE.
Der groovende Deathcore macht live eigentlich keine schlechte Figur, ist aber nichts, was man unbedingt im CD-Regal stehen haben müsste. Alles schon mal dagewesen. Kurzweilig war die bewegungsintensive Darbietung der ehemals unter dem Namen The Downward Candidate firmierenden Kappelle aber allemal. Besonders Ex-Hatesphere-Shouter Jacob Bredahl, der nun scheinbar fester Kandidat im Lineup der Neo-Thrasher ist, sammelte ordentlich Laufkilometer und konnte zumindest den ersten Reihen in der Arena schon ordentlich Dampf machen.

Bevor dann endlich die Volbeatenen loslegen konnten, wurde es nochmal ruppig: ENTOMBED sind ja mittlerweile schon so etwas ein Death Metal-Urgestein, damals noch als NIHILIST unterwegs und mittlerweile im 23. Dienstjahr. Wie, schon wieder death? Ja, der Kenner wird wissen, dass auch Volbeat-Sänger Michael Schøn Poulsen eine Death-Vergangenheit hat; das erklärt wohl die gehaltvolle Todesbleierwärmung im Vorprogramm…Entombed - 13.11.2010 #07 Und wer hätte gedacht, dass die alten Haudegen von Entombed mal einer Band wie Volbeat den Abend eröffnen würden? Das alteingesessene Todesschwadron ließ sich jedenfalls keinerlei Überheblichkeiten anmerken. L.G. Petrov röhrt noch immer als gäbe es kein Morgen, Nico Elgstrand ist mittlerweile vom Bass an die zweite Gitarre an die Seite von Gründungsaxtschwinger Alex Hellid gezogen und ein Herr namens Victor Brandt posierte in der Arena ganz vortrefflich dass sich die vier Saiten bogen. So viel zur aktuellen Live-Aufstellung der Stockholmer, die sich erwartungsgemäß routiniert zeigten und neben dem genretypischen Geknüppel auch den ein oder anderen Ton der leicht angerockteren Alben offenbarten; eigentlich eine ganz gute Überleitung zu Volbeat. DER Bandsong der frühen Tage, „Left Hand Path“, durfte natürlich auch nicht fehlen. Eigentlich ist der Titel technisch gesehen schon kein Pappenstiel; der Soundschmodder allerdings, der hinten in der Halle ankam, ließ den unbedarften Hörer leider nur ein vages spielerisches Können erahnen.

Volbeat - 13.11.2010 #08 Nach einer sehr raschen Umbaupause wurde die Arena in blaues Licht gehüllt, die Handykameras schwirrten umher, die treuen VOLBEAT-Fans in der beinahe ausverkauften Halle harrten entweder gespannt aus oder versuchten mit lautstarkem Gejohl, die Dänen auf die Bühne zu locken. Die ließen sich nicht lange bitten und starteten sogleich mit „The Mirror and the Ripper“, dem Opener vom aktuellsten Album „Beyond Hell / Above Heaven“, in die Vollen. Michaels unverkennbare Stimme und Erscheinung fesselte die Anwesenden von der ersten Sekunde an und auch die anderen „bösen Buben“ machten eine überraschend sympathische Figur (ja, mein erstes Volbeat-Konzert!). Natürlich konzentrierte sich die Songauswahl am ehesten auf die neuen Songs, über die man geteilter Meinung sein kann (nur „aufgewärmt“ oder eben „typisch Volbeat“), konnte aber auch mit einigen Überraschungen aufwarten: So zum Beispiel mit einem herzzerreißenden Gastgegrunze von Entombeds L.G. bei „Evelyn“. Auf dem neuen Album wird dieser Track von niemand Geringerem als Napalm Death-Barney eingerödelt und man muss sagen, dass auch diese härtere Seite dem doch sonst sehr melodischen Metalbilly Volbeats gut zu Gesicht steht. Gar punkig wurde es dann mit dem Misfits-Cover „Angelfuck“. Dass Kopenhagens Finest die gängigen Genregrenzen dann aber doch herzlich egal sind, beweisen das immer wieder wunderbare Dusty Springfield-Cover „I Only Wanna be with You“ und die Widmung des Übersongs „Sad Man’s Tongue“: Hier wird Johnny Cash gehuldigt, klar, die Melodie ist ja schließlich geborgt, und zur Freude der anwesenden Metalfans hat Michael auch an den guten alten Ronnie James Dio gedacht – das Abendhighlight, eigentlich nur noch getoppt durch das finale „The Human Instrument“! Am Ende blickte man in viele glückliche Gesichter, sah sich vielen schwitzenden jungen Burschen, bierbadenden Barmäusen und erschöpften Freistiltänzern gegenüber, alle hoffend, dass sich die vier Könige des Elvis Metal bald wieder ins beschauliche Chemnitz verirren…

Volbeat Setlist Chemnitz Arena, Chemnitz, Germany, Beyond Heaven/Above Hell Tour 2010

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