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Ultima Ratio Festival @ Turbinenhalle Oberhausen | 03.11.2007

21. Dezember 2007

Spricht man von Festivals, so denkt man im ersten Moment immer an den Sommer, an sonnige Tage und regnerische Nächte, an vermischte Nebelschwaden aus köstlichem Grillgut und inhaltvollen Rauchwaren, an windschiefe Zeltbauten, naturverbundene Schlafsacklieger und natürlich an wogende Fanmassen vor Open Air-Bühnen. Dass es auch in der kalten Jahreszeit möglich ist, Metalfans aus allen vier Himmelsrichtungen zu einem Festivalevent anzulocken, ohne diese sprichwörtlich im Regen stehen zu lassen, das bewiesen an diesem trüben Novembertag die Macher des ULTIMA RATIO FESTIVAL in der Oberhausener Turbinenhalle.

Suidakra - 03.11.2007 #1 Terminliche Gründe führten unsere Schritte leider erst am frühen Nachmittag ins Ruhrgebiet, so verpassten wir nicht nur einige Bands, sondern auch ein offenbar sehr intensives Schlangestehen – zumindest wurde uns dies von mehreren Seiten glaubhaft zugetragen. Offenbar war der Ansturm auf die verheißungsvolle Mischung aus Pagan, Black, Folk und Death Metal so groß, dass lange Wartezeiten selbst Stunden nach dem offiziellen Einlassbeginn nicht zu vermeiden waren. Wir, die wir erst zu den letzten Klängen von HEIDEVOLK den Ort des Geschehens betraten, mussten zwar keine Wartezeiten am Eingang mehr in Kauf nehmen, in Anbetracht der erstaunlich großen Anzahl feierwütiger Fans vor und in der Turbinenhalle konnte man sich dann doch vorstellen, dass es wohl einige Zeit gedauert haben dürfte, bis diese alle die Karten- und Taschenkontrollen hinter sich gelassen hatten. Und der eine oder andere dürfte ob des Verpassens seiner Helden von WOLFCHANT, MINAS MORGUL oder WAYLANDER so manch derben Fluch zu den Göttern empor gestoßen haben. Mit den letzten zwei Songs von HEIDEVOLK tauchten dann auch wir erstmals intensiver in das Ultima Ratio-Geschehen ein, leider zu kurz, um Fotos zu schießen oder einen Eindruck vom Auftritt der Niederländer zu bekommen – dem Jubel und Applaus des Publikums nach schien ihr Viking Metal jedenfalls bestens angekommen zu sein.

Helrunar - 03.11.2007 #19 Und so starteten wir erst mit unseren Münsteraner Freunden HELRUNAR so richtig in dieses Festival, keine schlechte Wahl, wenn man die musikalischen Qualitäten der sympathischen Schwarzheimer kennt. Bei recht gutem Sound und dicht gedrängten Publikum sorgten die Westfalen mit ihrem naturverbundenen Black Metal für tolle Stimmung, die Köpfe wurden geschüttelt und die Songs mächtig abgefeiert – speziell bei „Älter als das Kreuz“ bebte der Saal und der Chorus erklang aus unzähligen Kehlen. Feiner Auftritt von Helrunar, der von den Fans mit entsprechendem Applaus lautstark gewürdigt wurde. Etwas freimütiger als der festivalweit doch schwärzeste Black Metal, welcher direkt voran gegangen war, machten SUIDAKRA sich ans Werk und hellten die Gemüter wieder etwas auf. Tatsächlich kann man die jugendliche Frische der “jüngeren” Bandmitglieder zu vernehmen meinen, wie auch das jahrelange Zusammenspiel zwischen den Bandgründer Arkadius und Marcel. Der Spirit altcaledonischer Geschichte wehte von der Bühne herab – schottisch-keltisches Kulturerbe wurde zelebriert. Der Schwerpunkt lag gerade heute auf dem aktuellen Konzeptalbum, und vollständig ist dies nur mit dem Auftritt des Dudelsackisten, den man mal wieder dabei hatte. Er war schon des Öfteren mit von der Partie, und ohne ihn ist es auch nur halb so schön. Insgesamt war dies eine gute Einstimmung auf den nun anbrechenden Abend, wenngleich – wie so oft – die eigentlich ausgezeichnete Songqualität Suidakras unter dem schlechten Sound vor Ort leiden musste.

Eluveitie - 03.11.2007 #15 Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr folgte dann eine Begegnung mit den sympathischen Damen und Herren von ELUVEITIE. Konnten die Schweizer mit ihrem Celtic/Pagan/Folk Metal bereits das Dong Open Air mächtig rocken, so legten sich die Eidgenossen auch beim Ultima Ratio ordentlich ins Zeug, fidelten und flöteten, was das Zeug hielt und hauten dem begeisterten Publikum eine deftige Portion köstlichstem Metalfondue um die weit aufgerissenen Ohren! Das machte wirklich Spaß, was die sechs Herren und zwei Damen hier vom Stapel ließen, schade nur, dass die Zeit so kurz und der Sound nicht wirklich toll war. Trotzdem: Eluveitie sind ein Garant für ehrliche, abwechslungsreiche und mitreißende Musik und sorgten mit ihrem Auftritt für richtig gute Laune! Jetzt war aber erst mal ein Erkundungsgang durch das bunte Treiben in der Turbinenhalle angesagt, immerhin gab es ein paar Stände zu begutachten, der eine oder andere alte Bekannte wollte auch begrüßt und natürlich auch ein paar Getränke verköstigt werden. Und so ergab es sich, dass wir dem Auftritt von SKYFORGER nicht direkt, respektive nur sporadisch beiwohnen konnten, immerhin hatten wir aber zumindest akustisch genug Gelegenheit, am musikalischen Treiben der Letten teilzunehmen. Der Sound ließ nach wie vor zu wünschen übrig, den Fans schien der Auftritt dennoch zu gefallen, immerhin wurden auch Skyforger mit viel Applaus verabschiedet.

Moonsorrow - 03.11.2007 #13 Speziell die schlechte Akustik gab allerdings genügend Anlass, dem so sehr herbeigesehnten Auftritt von MOONSORROW mit kleinen Sorgenfalten entgegenzusehen – leben die Songs der Finnen doch nicht zuletzt auch von ihren einmalig intensiven Klangwelten und bildhaften Melodien. Gerade das Material des letzten Albums war mit dem bislang bei dieser Veranstaltung vorherrschenden Sound absolut nicht vorstellbar! Doch entweder hatte der Soundmensch eine Erleuchtung oder Moonsorrow mal wieder einen Pakt mit den nordischen Göttern abgeschlossen, jedenfalls gab es am Gig der finnischen Metalheroen aber auch rein gar nichts auszusetzen – weder akustisch, noch in punkto Songauswahl, die einen feinen Querschnitt durch das bisherige Schaffen der Finnen gab, noch in Sachen Spielfreude und schon mal gar nicht hinsichtlich der Stimmung. Die war nämlich bombastisch, die Fans drängten sich in Scharen vor der Bühne, ließen ihre Matten kreisen und bangten, was das Zeug hielt. Da ließen natürlich auch diverse Crowdsurfer nicht lange auf sich warten und zogen ein ums andere Mal schweißtreibende Runden über den Köpfen des Publikums hinweg. Toller Auftritt und definitiv der Höhepunkt des gesamten Ultima Ratio Festivals!

img_2651kleinklein.jpg Da konnte auch der gute Auftritt von KORPIKLAANI nichts mehr dran rütteln, zumal es, welch Überraschung, hier auch mal wieder das eine oder andere Soundproblem zu erleben gab – nicht immer ist „unplugged“ ein besonderes Erlebnis… Das konnte der guten Laune der Fans allerdings keinen Abbruch tun, mit viel „Humppa“ und noch mehr „Beer“ wurde gefeiert, was das Zeug hielt und bis der letzte Ton aus den Instrumenten des Waldklans verstummt war. Für uns war es mittlerweile auch Zeit geworden, den Heimweg anzutreten, immerhin lagen noch einige Kilometer Autobahn vor uns, deshalb schenkten wir uns auch den Abschluss in Form von KIVIMETSÄN DRUIDI und machten uns von dannen.

Am Ende bleibt ein leicht zwiespältiges Fazit. Die Idee, ein Festival speziell für Bands aus dem Folk, Viking oder Black Metal-Bereich auf die Beine zu stellen, ist sicherlich eine mehr als begrüßenswerte Sache und wurde von den Fans auch mehr als dankbar und vor allen Dingen erfreulich zahlreich angenommen. Im Vorfeld bereits ausverkauft, war die Turbinenhalle wirklich pickepackevoll mit erwartungsfroh gestimmten Metalheads, doch gerade dieser Andrang schien die Organisatoren offenbar vor unerwartete Probleme gestellt zu haben – wie sonst ließe sich erklären, dass Dutzende Fans trotz frühzeitiger Anreise vorm Eingang Schlange standen, obwohl bereits die ersten Bands ihre Gigs absolvierten. Immerhin ist so ein Festival kein Hörspiel, man möchte die Künstler auch gerne sehen, zumal man ja auch ein paar Teuronen dafür blechen „durfte“! Da muss auf jeden Fall mächtig nachgebessert werden, sollte es im kommenden Jahr eine Neuauflage des Ultima Ratio in der Turbinenhalle geben. Ach ja, und in Sachen Getränkepreise und Speisenangebot darf auch ruhig die eine oder andere Verbesserung angestrebt werden: Speziell Metalfans haben die Kohle bestimmt nicht so dicke in der Tasche und dass es günstiger geht, das zeigt beispielsweise das Dong jedes Jahr aufs Neue! Rein musikalisch betrachtet war Oberhausen aber allemal eine Reise wert, dafür sorgten insbesondere die mitreißenden Auftritte von Eluveitie, Korpiklaani und Moonsorrow, welche von den Fans auch entsprechend abgefeiert wurden. Und so liegt die Messlatte für eine Neuauflage verdammt hoch – lassen wir uns einfach mal überraschen, welche Bands sich beim nächsten Ultima Ratio die Ehre geben werden!


Zu allen Bildern vom Ultima Ratio Festival

Fotos: Jana Legler
Texte: René Grotegerd & Andreas Neitzel

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