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2:54 – The Other I (Review)

9. Dezember 2014
The Other I

The Other I

Jetzt jährt sich der Release ihres Debütalbums schon zum zweiten Mal. Eine ganze Weile war es still um die Thurlow-Schwestern. Allerdings handelte es sich auch hierbei um die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Denn 2:54 sind zurück. Reifer, noch tief- und feinsinniger. „The Other I“ beschreitet einen Weg, den Einige als unpassend empfinden mögen. Doch ist es gerade das, was Musiker mit Ambitionen ausmacht: der Drang sich zu entwickeln, nicht stillzustehen. Und so ist die zweite Platte deutlich sphärischer als der Vorgänger ausgefallen. Der ungeschliffen raue Rahmen aus Gitarrenklängen tritt einen Schritt zurück und lässt die shoegazigen Synthieteppiche endlos weit ausrollen. Es bleibt düster, es bleibt melancholisch – dafür wird das Repertoire der beiden um Feingeist und gespenstisch-schöne Kompositionen erweitert.

„Orion“ macht mit sirenenhaftem Gesang und seinen gemächlich treibenden Drums den Anfang. Und irgendwie tauchen im Laufe der darauf folgenden 11 Titel von ganz allein und immer wieder Parallelen zu den Cocteau Twins auf. Das ist vor allem dem atmospährischen Flair der Platte und Colettes feenhafter Stimme zu verdanken. Ein bisschen trippig und in verträumten Gefilden schwebend, verlässt „The Other I“ selten den Midtempo-Bereich. Und wenn die Zwillinge dann doch mal ausbrechen, klingt das Resultat wunderbar melodisch („Sleepwalker“), poppig („The Monaco“) oder lässt der Gitarre den Vortritt („Crest“, „Pyro“). Da ist sie dann auch wieder, die Abwechslung. 2:54 sind vielleicht weit von mainstreamartigen Gebaren entfernt, legen mit dem Abrunden und Erweitern ihres Klangbildes allerdings auch die Tiefen ihrer Kreativität frei. Deren Grenzen sind scheinbar noch lange nicht ausgelotet. Und während die letzten Akkorde von „Glory Days“ klagend aus den Boxen tropfen, holen Hannah und Colette Thurlow mit dem abschließenden „Raptor“ noch einmal zum Rundumschlag aus. Fünf Minuten, in denen alles gesagt, musikalisch auf den Punkt gebracht wird. Inklusive Bass-Gewummer und progressivem Saitentanz. Wirklich schön!

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