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Travis live @ Astra, Berlin | 25.11.2013

27. November 2013

Travis @ Astra, Berlin - 25.11.2013Als eine der größten Überraschungen der letzten Zeit geht wohl das Konzert von Travis im Astra in Berlin durch. Und eigentlich, das müssen wir zugeben, ist die Band aus Glasgow bisher an einem emotional vorbeigerauscht. Daran änderten auch ihre größten Hits Ende der Neunziger bzw. zu Beginn der Nullerjahre nichts, und sie hatten monstergroße Hits! Wahrscheinlich befand man sich zu ihrer Hoch-Zeit gerade in einer rebellischen Phase, in der man nicht viel für sanfte Klänge übrig hatte. Und eigentlich zweifelte man bereits daran, ob die Band jemals wieder ein neues Album auf die Welt loslassen würde, immerhin liegt ihre letzte Veröffentlichung bereits fünf Jahre zurück. Kaum ins Grübeln geraten, gaben die vier Freunde die passende Antwort. Im August wurde „Where You Stand“ veröffentlicht, ein bisschen still und leise, aber so ist das eben im Musikzirkus, da werden Heldentaten der Vergangenheit schnell mal vergessen, wenn man zwischen Alben nicht zu allem und jedem seinen Senf dazugibt. Und eines ist auch klar: Ohne Travis würde es Coldplay vielleicht nicht geben. Lange Rede, kurzer Sinn und zurück zu ihrer Show in Berlin: Travis gaben alles! Dabei standen die Vorzeichen denkbar schlecht. Noch am Nachmittag hatte Fran Healy einer Erkältung zu Folge keinen einzigen Ton aus seiner Kehle pressen können. Eine Opernsängerin half ihm, das Wunder zu verbringen, abends in seiner Wahlheimat Berlin auf der Bühne zu stehen.

Als er zunächst alleine Richtung Mikrofon schlenderte und traurig mitteilte, dass seine Stimme im Eimer ist und wie eine „im Nebel furzende Gans“ klingt, befürchteten viele schon das Schlimmste, jubelten allerdings im gleichen Atemzug als er verschmitzt verkündete: „Hey, Travis sagen keine Konzerte ab!“ Seiner Bitte, dass er gesangliche Unterstützung bräuchte, kamen im Verlauf des Konzertes die meisten liebend gerne nach.

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Und recht früh begann man mit sich zu hadern, wieso man Travis eigentlich nicht früher in sein Herz geschlossen hatte. Denn das, was die Band aus Schottland live ablieferte, ging sowas von tief – vielleicht lag es an den vielen guten neuen Songs, die mitnichten als ideenloser Abklatsch alter Hymnen durchgingen! Irgendwie wirkten die neuen Stücke herrlich treibend, zeitlos und dennoch unwahrscheinlich modern. Außerdem war den vier Musikern anzusehen, wie sehr sie es genossen, nicht nur auf der Bühne zu stehen, sondern auch MITeinander zu musizieren. Es ereigneten sich viele kleine besondere Dinge an diesem Abend. Healys Sohn Clay fungierte als Roadie, der seinem Vater nach jedem Song eine andere Gitarre überstreifte – aber trotz seiner zwischendurch servierten Fanta irgendwann erschöpft aufgab und hinter dem Vorhang in einen tiefen Schlaf fiel. Überhaupt: Grund zum Schmunzeln hatte man sehr oft. So wurden fleißig private Anekdoten ans Publikum weitergereicht, weiterhin gab man seinen Fans mit auf den Weg, Dinge in England besser nicht als „Number Two“ zu umschreiben. Fran Healy nannte sich selbst irgendwann nur noch Tiny Boiler und verglich sich dabei mit der Krächzkönigin schlechthin – Bonny Tyler – nicht abwertend, er zollte ihr höchsten Respekt. Nach dem Motto „jetzt oder nie“ folgte sogar eine Spontaninterpretation von „Total Eclipse of the Heart“. Mit aller Kraft holte der Frontmann von Travis schließlich das letzte aus sich heraus. Und man hatte anfangs mitnichten daran geglaubt, dass er länger als eine Stunde durchhalten würde – am Ende dauerte es mindestens 80 Minuten bis die Fans überhaupt zum Zugabeschreien ansetzen durften!

Und die letzten Songs fetzten. Nicht nur, dass die ganze Band plötzlich neben und hinter Fran Healys Akustikgitarre zum gemeinsamen Singen auftauchte, auch ihren größten Hit „Why does it always rain on me?“ hatten sich Travis bis ganz zum Schluss aufgehoben. Ihr Frontmann, der offensichtlich mit beiden Beinen auf dem Boden steht, staunte und hauchte bescheiden ins Mikrofon: „Wisst ihr eigentlich wie bekannt dieser Song ist? Wir haben immer das Gefühl, einen Song zu covern, wenn wir ihn spielen.“

Travis im Internet:
Offizielle Homepage: www.travisonline.com
Facebook: www.facebook.com/travistheband
Twitter: twitter.com/travisband


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