Suche

SHADOW GALLERY: „Prime cuts“

15. September 2007

Traumhaft schöne Klänge aus der Shadow Gallery

Shadow GalleryJeder hat wohl seine ganz speziellen, heiß und innig verehrten Lieblingsbands, die sonst kaum jemand kennt. Bei mir ist es so, dass mein Verhältnis zu solch einer Band wie SHADOW GALLERY auf seltsame Weise noch intensiver wird dadurch, dass die bezaubernde Musik dieser Gruppe um Ausnahmesänger Carl Cadden-James den allermeisten Menschen so ziemlich am Allerwertesten vorbei zu gehen scheint. Es ist wohl dieses Gefühl, einen ganz besonderen Schatz entdeckt zu haben, der anderen bisher verborgen geblieben ist und der einem deshalb um so mehr gehört. Man muss ihn einfach hegen und pflegen, ihn immer wieder anhören, und wenn sich eine günstige Gelegenheit dazu bietet, doch mal vorsichtig und nicht allzu laut die Welt darauf aufmerksam machen, dass es ihn gibt.

Die Musik von SHADOW GALLERY lässt sich am besten als Mischung aus symphonischem Melodic Metal, Progressive Rock und ein wenig intelligenter Pop-Musik beschreiben. Man könnte auch sagen, „Edge of thorns“-Savatage und „Empire“-Queensryche treffen auf „Misplaced childhood“-Marillion und „Images and words“-Dream Theater, sehr fein abgeschmeckt mit etwas Genesis und Elton John. In den Kompositionen liegt der Schwerpunkt auf wunderschönen, äußerst eingängigen Gesangsmelodien und atemberaubenden Gitarre/Keyboard-Duellen. Die Songs decken ein breites Spektrum von energischem Prog Power Metal bis hin zu herzerweichend schönen, wirklich ergreifenden Ballade ab. In die überwiegend sechs bis zehn Minuten langen Lieder kann man sich wunderbar fallen lassen und wirklich mal allen Ärger, Stress und emotionalen Dreck abstreifen und vergessen.

Prime cutsDie Veröffentlichung des letzten SHADOW GALLERY-Meisterwerks „Room V“ liegt schon wieder zwei lange Jahre zurück. Dabei handelte es sich um das fünfte Studioalbum und das erste, das bei InsideOut Music erschien. Die ersten vier Scheiben wurden allesamt von Magna Carta veröffentlicht. Dieses kleine, aber feine Progressive Rock/Metal-Label hat in diesem Sommer mit „Prime cuts“ eine Art Best of-Album mit Songs dieser Phase auf den Markt gebracht. Für all diejenigen, die SHADOW GALLERY bisher noch gar nicht kennen, ist diese geschmackvoll zusammengestellte Kollektion eine hervorragende Gelegenheit, diese geniale Band vielleicht doch noch für sich zu entdecken.

Das selbstbetitelte Debüt aus dem Jahre 1992, das noch nicht diese unglaubliche kompositorische Tiefe und Feinsinnigkeit hat und deutliche neoklassische Einflüsse zeigt, wird mit zwei Titeln, ‚The final hour‘ und ‚Say goodbye to the morning‘ gewürdigt. In voller Pracht erblühten SHADOW GALLERY zum ersten Mal auf „Carved in stone“ (1995). Ich erinnere mich noch, wie ich mir dieses Album damals auf eine Kritik im Rock Hard hin gekauft habe und grenzenlos begeistert war von dieser Götterplatte. „Carved in stone“ ist wohl das stilistisch vielseitigste Album der Band. Auf „Prime cuts“ vertreten sind der Power-Kracher ‚Deeper than life‘, vielleicht der härteste Song der SHADOW GALLERY-Geschichte, und die grandiose, sehr emotionale Ballade ‚Don’t ever cry, just remember‘, die mich noch heute jedes Mal fast zu Tränen rührt. Vom dritten Album „Tyranny“ (1998), das ich, wenn ich wählen müsste, mit ganz knappem Vorsprung zum ausgereiftesten und besten küren würde, sind das hymnische ‚Mystery‘, das ruhige, leicht melancholische ‚Ghost of a chance‘, das optimistische, aufmunternde ‚Hope for us‘ und das dramatische, leicht mystische ‚New world order‘ mit von der Partie. Schließlich kommen von „Legacy“ (2001) der treibende, eindringliche Titelsong sowie eine um etwa zwei Minuten gekürzte Version von ‚Colors‘ und mit dem virtuosen ‚The crusher‘ der zweite Teil des Longtracks ‚Cliffhanger 2‘ zu Zuge. Beide Edits wurden von der Band selbst für „Prime cuts“ erstellt. Ganz zum Schluss gibt es quasi als Bonbon dann noch einen unveröffentlichten Song namens ‚Rule the world‘, der aus der „Carved in stone“-Phase stammt und stilistisch sehr schön den recht großen Schritt zwischen den ersten beiden Alben nachvollziehbar macht.

Wer bereits alle SHADOW GALLERY-Platten besitzt, muss „Prime cuts“ eigentlich wegen des einen alten Songs nicht unbedingt kaufen. Wer allerdings nicht zu dieser erlesenen, kleinen Gruppe Menschen zählt und sich von der eingangs versuchten Beschreibung der Musik angezogen fühlt, sollte diese Chance unbedingt wahrnehmen und sich auf die Reise in das Klanguniversum dieser großen Künstler machen. Ihr werdet begeistert sein!

Keine Kommentare

  1. Hmm, ich finde Tyranny mit ziemlichem Abstand die besten Scheibe von den Schattengaleristen.
    Meine Gehimtipps sind Rough Silk und Black Symphony.

    #372
  2. Hi Jörg, bei Rough Silk kann ich dir nur bedingt zustimmen, aber was Black Symphony angeht, bin ich voll auf deiner Seite!! Die wären eigentlich auch mal ein gutes Thema für einen Beitrag…!!

    #373

Schreib einen Kommentar