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Torres @ Privatclub, Berlin | 03.06.2015

9. Juni 2015

Torres @ Privatclub, Berlin | 03.06.2015Wenn man jemanden als Rohdiamanten vorstellen sollte, dann Torres. Wenngleich sie mit ihrem zweiten Album „Sprinter“, das im Mai erschienen ist, schon ziemlich an der nächsten Stufe kratzt: wegweisende Singer/Songwriterin. Nur kommerziell ist die Bombe noch nicht eingeschlagen, aber was bedeutet das schon, und überhaupt ist sie noch nicht einmal 25 Jahre alt. Man kann sich ausmalen, wohin es sie noch führen wird. Ein guter Schritt war es schon mal, dass sie für die Aufnahmen zu ihrer neuen Platte ihrer amerikanischen Heimat den Rücken kehrte. Dass „Sprinter“ so unglaublich nach den Neunzigern klingt, hat sie vielleicht auch nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass sie es im Studio von Adrian Utley von Portishead eingespielt und zwei Mitglieder der Band um PJ Harvey in den Aufnahmeprozess eingeschlossen hat.

Der Hauptgrund, warum wir Torres, die eigentlich Mackenzie Scott heißt, so lieben ist, dass sie diese schroffe Art der Neunziger – in denen Ikonen wie PJ Harvey ans Tageslicht gelangten und eine ganze Generation prägten – mit eigenen musikalischen und literarischen Einflüssen vermischt. Auf eine derart grandiose Art und Weise, wie wir sie zuletzt bei Sharon Van Etten gesehen haben. Torres ist in ihrer ganzen Art und Weise einerseits zurückhaltender, aber auch rauer. Sie verfügt über das Talent gesanglich und musikalisch auszubrechen. Wo andere Independent-Künstler ergriffen von Angst erstarren würden, weil man sich nicht imstande fühlt die kuschelweiche Sound-Zone zu verlassen, da beginnt sie ohne große Vorankündigung einfach an zu schreien. Damit trifft sie einen tief im Herzen. Sie spult nicht ab, sie kreiert und geht vollkommen darin auf. Sowas ist selten geworden.

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Oder klickt auf den Play-Button, um die Dia-Show zu starten.

Vor ein paar Tagen kam Torres für einen Blitzbesuch nach Europa. Ihre Auftritte waren davon geprägt, ausnahmsweise keine Band im Rücken zu haben. Nach der Hälfte ihres Auftrittes im Privatclub in Berlin gab sie zu, aufgrund dieser Tatsache ziemlich aufgeregt gewesen zu sein vor der Show. Doch die Art wie das Publikum, das voller Ehrfurcht ausnahmslos verstummte und ihr wie besessen auf die Finger starrte, ließ ihr so einige Steine vom Herzen fallen. Sie sagte nicht viel an diesem Abend, musste sie auch nicht, denn sie brillierte auf Musik- und Gefühlsebene. Eine der wenigen Worte, die sie an ihr Publikum richtete, war eine Liebeserklärung an ihre Fans, die sich darauf bezog, dass sie ihre Bandmitglieder zuhause lassen musste: „You made me forget this!“

Torres im Internet:
Homepage: www.torrestorrestorres.com
Facebook: www.facebook.com/TORRESMUSICOFFICIAL

Neue Tourdaten:
09.09.15 Köln – Gebäude 9
15.09.15 München – Strom

Video:

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