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Tindersticks – Ypres (Review)

2. November 2014
Tindersticks - Ypres

Tindersticks – Ypres

Dass die Tindersticks den Fokus ihres musikalischen Schaffens gerne in die Ferne schweifen lassen, ist mittlerweile keine Überraschung mehr, sondern Abwechslung, die gut tut. Sich jedoch mit einem Thema zu befassen, dessen Echo bis in die heutige Zeit nachhallt, zeugt von Hingabe und Mut zugleich. Bereits 2011 trat das belgische Museum „In Flanders Fields“ mit einer ungewöhnlichen Bitte an die Tindersticks heran. Das Museum in Ypern, welches seinen Namen dem Gedicht des kanadischen Lieutenant Colonel John McCrae entlieh, markiert den Ort, an dem der Schrecken des ersten Weltkriegs am grausamsten wütete. Die kleine Stadt in Flandern wurde nahezu komplett zerstört. Jenes Gedicht vergleicht den dort blühenden roten Klatschmohn mit dem vergossenen Blut Unzähliger, lässt jedoch auch die Hoffnung auf ein Leben nach dem Krieg aufkeimen. In Flanders Fields bat die Tindersticks nun um die musikalische Untermalung seiner Dauerausstellung. Die Band komponierte eine dreiteilige Klanglandschaft, welche die Besucher beim Betreten der Räume akustisch und atmosphärisch begleitet. In enger Zusammenarbeit mit der Opernkomponistin Lucy Wilkins entstand „Ypres“.

Ein Werk, das kaum beklemmender und dennoch zerbrechlich-schöner sein könnte. Gefangen in ständiger Angst, umgeben von Tod und Szenarien, die sich in die Seele brennen. „Ypres“ ist ein albtraumhaftes Album, weil es einen Schauplatz um sich herum aufbaut, den viele längst verdrängt haben. Dabei verliert kein Krieg, der jemals auf dieser Erde ausgetragen wurde, an Aktualität. Und noch weniger an Schrecken. Wieder einmal wird einem vor Augen geführt, wie zerstörerisch die Menschheit war und ist. Auch ohne einen Museumsbesuch wirkt der Soundtrack von Ypern mit seinem Nebel aus beängstigenden Erinnerungen lange nach, und lässt einen nachdenklich zurück. Diese Komposition auch der restlichen Welt zugänglich zu machen, ist ein Schritt, für den die Tindersticks vor allem eins verdienen: tiefsten Respekt. Vergangenes kann man vielleicht nicht ungeschehen machen; aber an einer Zukunft mitwirken, die ohne Seelenfresser auskommt.

 

In Flanders Fields

In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row,
That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below.

We are the dead. Short days ago
We lived, felt dawn, saw sunset glow,
Loved, and were loved, and now we lie
In Flanders fields.

Take up our quarrel with the foe:
To you from failing hands we throw
The torch; be yours to hold it high.
If ye break faith with us who die
We shall not sleep, though poppies grow
In Flanders fields.

 

Tindersticks im Internet:
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Tourdaten:
07.02. 2015 – Konzerthaus, Dortmund

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