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Tindersticks – The Waiting Room (Review)

9. Februar 2016
Tindersticks-The-Waiting-Room

Tindersticks-The-Waiting-Room

Die Briten um Stuart A. Staples gönnen sich bekanntermaßen selten eine Pause. Zuviel strömt auf die Tindersticks herein, als dass diese Eindrücke lange unter Verschluss gehalten werden können. Neben ihren ganz wunderbaren Studioalben, verschlägt es sie immer wieder in alle erdenklichen Kunstrichtungen. Soundtracks, Livemitschnitte, Filmmusik, oder auch die beklemmende Klanginstallation „Ypres“ für das belgische Museum In Flanders Fields. Es gibt kaum etwas, das den wachen Augen und Ohren von Staples entgeht. Vielmehr pulsiert ein stetiges Verlangen in seiner rastlosen Künstlerseele. Mit „The Waiting Room“ wartet nun ein weiteres Stück traumwandlerischer Musik auf jene, die sich im formlosen Gefüge der Briten verlieren möchten. Sie einer Stilrichtung zuzuordnen war seit jeher kaum möglich. Mit viel Feingefühl erschufen die Tindersticks einen ganz eigenen Sound. Unverkennbar und dennoch wandelbar.

Geprägt von einer immerwährenden Melancholie, sanft und einnehmend, legen die ersten Takte von „Follow Me“ den Wegweiser für ein Album, das Sehnsucht und Schicksal vereint. Dieser vertonte Tagtraum verlässt jedoch gerne den selbst auferlegten Feinsinn. Klingt mal funky („Were We Once Lovers?“), wandelt auf souligen Pfaden („Help Yourself“), ist widerspenstig („We Are Dreamers!“), kehrt aber immer zu dem zurück, was die Tindersticks ausmacht: spröde Schönheit und dieses wärmende Feuer der Seele, das sich ohne viel Zutun auf den Hörer überträgt. „The Waiting Room“ erscheint zusammen mit einer Bonus DVD, welche jeden einzelnen Song filmisch untermalt. Dass hierbei besondere Sorgfalt im Spiel war, versteht sich von selbst. So erzählen die Kurzfilme keine Geschichte, sondern bieten den eigenen Gedanken einen angemessenen Rahmen, um auf Reisen zu gehen. Und ist es nicht das, was Musik zu jedem Zeitpunkt mit uns macht? Uns auf eine kurze Reise mitnehmen? Die Tindersticks verstehen es auch in 2016 die Balance zwischen neuen Einflüssen und Altbekanntem zu einem leuchtend schönen Erlebnis wachsen zu lassen.

Tindersticks im Internet:
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Bandcamp

Tourdaten:
13. + 14.02. – Volksbühne, Berlin
11.03. – Kammerspiele, München
12.03. – Im Wizemann, Stuttgart
13.03. – Gloria, Köln
14.03. – Kampnagel, Hamburg

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