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The Libertines – Anthems For Doomed Youth (Review)

30. September 2015
The Libertines - Anthems for Doomed Youth

The Libertines – Anthems for Doomed Youth

Ok….es ist soweit. Eine dekadenumfassende Durststrecke neigt sich dem Ende entgegen. The Libertines sind einem Wunder gleichzusetzen. Lediglich zwei Alben um die Jahrtausendwende stürzten sie in einen wahren Exzesstaumel. Sie waren jung, gierig nach Leben und kosteten ihre Krawallromantik in vollen Zügen aus. Gefeiert, geliebt, verehrt wie kaum eine andere britische Band. Es war von vornherein absehbar, dass dieser Mensch gewordene Exzess scheitern musste. Aber darum scherte sich keiner der vier Londoner. Peter Doherty und seine immerwährende größte Hassliebe Carl Barât wohnten in anderen Sphären; ihr Heim war Albion – ein Ort, an dem ihre Gedanken, Träume und ihr inneres Chaos ein Zuhause fanden. Zu gerne suchte man seinerzeit ebenfalls den Weg dorthin. Was dann geschah wissen wir alle. Es knallte; immer heftiger, immer öfter. Doherty entschied sich gegen das Leben und für eine Abhängigkeit, die seinen poetisch-verlorenen Mythos weiter verklärten. Musikalisch ging es dennoch weiter; ob solo oder mit seinen (nicht minder großartigen) Babyshambles. Carl Barât tat es ihm gleich. Ob ebenfalls allein unterwegs oder mit den mittlerweile aufgelösten Dirty Pretty Things – die Liebe zur Musik verband die beiden seit jeher mehr als alle anderen Widrigkeiten. Ein Jahrzehnt und einen weiteren Entzug von Peter Doherty brauchte es, um The Libertines wieder zusammenzuführen. Die gemeinsame Arbeit am Album fand größtenteils in Thailand, während Dohertys Entzug, statt. Der Titel „Anthems For Doomed Youth“ allein lässt die Klasse und den Charme dieser Formation durchblitzen.

Da diese Platte so sehnlichst herbei gewünscht wurde, macht sich natürlich umgehend Skepsis breit. In diesem Fall eher blanke Panik. Was soll man erwarten…von einer Band, die wie keine andere ein Lebensgefühl transportiert hat, das bis heute in den Herzen nachhallt? Alles und nichts. Was dann geschieht, ist Folgendes: Großes! „Anthems For Doomed Youth“ ist weder eine Wiederholung dessen, was vor einer gefühlten Ewigkeit jene Euphorie auslöste, noch eine Enttäuschung in Gestalt von alternden Helden. Es ist einfach viel viel besser, als man es sich erhofft hat! The Libertines formen sich selbst neu und präsentieren sich weiser und cleverer. Sie rocken, sie träumen, sie lieben und hassen, sie räumen mit der Vergangenheit auf. Und einige Hymnen für die Ewigkeit sind dem Albumtitel entsprechend auch dabei. „Barbarians“, „Gunga Din“, „Heart Of The Matter“, die wunderschön fragilen Songs „Dead For Love“ (Carl) oder „You´re My Waterloo“ (Peter) – und, ach verdammt – die ganze Platte – gleicht einem einzigen Endorphinrausch! The Libertines sind die Krawallromantiker geblieben, in die man sich damals verliebt hat. Hier gibt es keinen Raum für negative Kritik. Nur ein Herz, das aufgeht, sobald Peter Doherty und Carl Barât ihre Stimmen erheben, schrammeln, leiden, lieben. Der Freigeist lebt, Albion lebt – und das macht mich sehr (sehr!) glücklich!

The Libertines im Internet:
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Tourdaten:
07.02.2016 – Columbiahalle, Berlin
09.02.2016 – Zenith, München
10.02.2016 – Palladium, Köln
24.03. 2016 – Xtra, Zürich
25.03.2016 – Stadthalle, Wien

 

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