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THE FACELESS: „Planetary Duality“

13. Januar 2009

2009 wird ein dämliches Jahr. So wurde es uns jedenfalls prophezeiht. Und schenkt man dem neuesten Tonträger der Amerikaner THE FACELESS Glauben, so werden es schon bald fiese Außerirdische sein, die unseren Planeten äh… dem Erdboden gleichmachen werden. Und das war’s dann wohl mit 2009. Zumindest ging’s dann nicht besonders lange… dieses Scheißjahr…

Und dabei sah es doch in der letzten Zeit gar nicht so schlecht aus für den technischen Death Metal. Die prägenden Bands dieser Sparte die anno 1993 oder 1994 das Handtuch warfen weil die Menschheit einfach noch nicht kaputt genug war für solch experimentelle Extremtöne, kamen die letzten Jahre über aus ihren Löchern zur großen Reunion hervorgekrochen. Allen voran die hier schon viel zitierten Cynic und Atheist. Ja, auch Pestilence wollen im März (sofern es einen gibt nach der Faceless’schen Erdinvasion) nach 16 Jahren Absenz zurückkehren! Neben diesem Phänomen der Wiederauferstehung gab es natürlich auch einige Kandidaten wie Nile, Cryptopsy oder Meshuggah, die sich über die Jahre wacker gehalten haben.

The Faceless: "Planetary Duality" (2009)Ab der Jahrtausendwende war technischer Death Metal so langsam aber sicher wieder ein gern gesehener Gast, bis dahin unbekannte Bands wie Necrophagist, Psycroptic oder Alarum wurden schon bald beliebt und Kapellen wie The Faceless neu gegründet. Zwar suggeriert es der Bandname wie vielleicht auch der mittlerweile viel zelebrierte populäre Stil, doch Gesichtslosigkeit muss sich die 2005 gegründete Band aus Florida nicht vorwerfen lassen.

Vielmehr untermauert das kalifornische Quintett mit „Planetary Duality“, welches in den Staaten bereits 2008 erschien, den Platz in einer eigenen Nische, über die man irgendwie das Etikett „Brutal Technical Death Metal im Hypocrisy-Ambiente“ kleben könnte, wenn man auf eine solche Beschilderung steht. In Wirklichkeit hatte man 2005 beim Debüt „Akeldama“ sogar einen Song dabei, der sich „Hypocrisy“ nannte… ein weiterer war mit „An Autopsy“ bezeichnet, wieder ein anderer mit „Pestilence“. Na, klingelt’s? Und dennoch sind The Faceless angenehm anders. Dieser Tage nehmen die noch immer sehr jungen Burschen etwas Groove heraus und legen mehr Wert auf Tempo und Abwechslung. Die in metallischen Bereichen bisher erstaunlich wenig gebrauchte Alien-Thematik wird durch eingebaute, stets passend Samples und schaurige Synths unterstützt, die keineswegs künstlich sondern eher wie aus einem alten angespacten Horrorstreifen klingen; das Zwischenstück „Shape Shifters“ mit der gruseligen Cleangitarren-semisinfonisch-Dissonanz kann man an dieser Stelle als gutes Beispiel heranziehen. Die wunderbar ausdifferenzierte, druckvolle Produktion tut da ihr Übriges.

In der Bandbeschreibung des Labels wird gern Verwandtschaft zu Cynic vorgetäuscht. Meines Erachtens besteht die wiederum gerade mal hin und wieder im Einsatz eines Vocoders. Ansonsten fehlt The Faceless natürlich das Sphärisch-subtile, das inhaltlich eher Anspruchsvolle, um den Landsmännern gleichzukommen. Beide sind demnächst zusammen mit Meshuggah auf US-Tour, kein schlechtes Package; zumal The Faceless live ob ihrer Herftigkeit sicher gut einheizen können, eventuell aber auch neue Cynic-Fans, die eher aus dem klassischen Progressive-Bereich kommen, verschrecken könnten. Bei den „Gesichtslosen“ ist nämlich klar der tief röchelnde Growl in der Tonlage von Niles Karl Sanders angesagt. Den hin und wieder auftauchenden Klargesang („Sons of Belial“ oder „Planetary Duality II (A Prophecies Fruition)“) hätte man sich von mir aus schenken können. Der klingt nach nichts Besonderem, jede Modern Metal-Band mit Schema „mal hart, mal zart“ macht das so und das braucht’s hier einfach nicht, macht sogar eher die dichte Weltuntergangsatmosphäre kaputt.

Abgesehen von diesem kleinen Makel ist „Planetary Duality“ absolut gelungen und trotz seiner hin und wieder recht schwer verdaulichen Heftigkeit eine kurzweilige Angelegenheit, was man natürlich mit der Spielzeit von knapp 32 Minuten auch logisch geklärt hätte. Anspieltipp meinerseits ist das sehr virtuos gestaltete „Xenochrist“: mal rasant, mal überraschend melodisch sowie die Nummer „The Ancient Covenant“ mit ihren scheinbar unspielbar schnellen Basslinien. Doch überall gibt es solche Momente, mit denen man überhaupt nicht rechnet: eine schon beinahe barock anmutende Gitarrenmelodie hier („Legion of the Serpent“), ein Oldschool-Gekeif da, verschrobene Pianomelodien und herrlich kranke Riffs anderenorts. „Planetary Duality“ ist ein Album mit Intensität von vorn bis hinten und schier unerschöpflichem Detailreichtum, das definitiv noch lange in meinem Player rotieren wird… jedenfalls bis diese bösen Außenweltler kommen und mir meinen Kaffee hier wegnehmen… Ich erinnere nur an Ziltoid the Omniscient, haha…

>> The Faceless @ MySpace (= offizielle Homepage)

2 Kommentare

  1. H. Jürgen Schmidt

    HI Katrin, nur kurz, du hast echt den Durchblick bzgl. deiner Rezension über The Faceless Planetary Duality, Hut ab und liebe Grüße

    Jürgen

    #1032

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