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	<title>Rockzoom &#187; berlin</title>
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		<title>SCHNEEWITTCHEN und SASCHA MERSCH @ theARTer Galerie Berlin &#124; 27.11.09</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Nov 2009 21:10:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Volkmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Von Perlen und Säuen Lichtenberg ist nicht eben als Berlins Kulturkiez bekannt. Der Stadtteil im Osten der Stadt glänzt eher durch den zweifelhaften Charme trabantenstädtischer Tristesse. Umso schöner für Lichtenberg, dass sich die dort ansässige theARTer Galerie immer mehr als Geheimtipp entpuppt und mittlerweile Publikum aus ganz Berlin und darüber hinaus anzieht. Einer der Gründe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Von Perlen und Säuen</strong></p>
<p>Lichtenberg ist nicht eben als Berlins Kulturkiez bekannt. Der Stadtteil im Osten der Stadt glänzt eher durch den zweifelhaften Charme trabantenstädtischer Tristesse. Umso schöner für Lichtenberg, dass sich die dort ansässige theARTer Galerie immer mehr als Geheimtipp entpuppt und mittlerweile Publikum aus ganz Berlin und darüber hinaus anzieht. Einer der Gründe dafür dürfte sein, dass die Galerie seit jeher mit einem ambitionierten Rahmenprogramm aufwartet. Konzerte, Lesungen, zuletzt auch ein Live-Interview mit Alexander Kaschte (Ihro Hoheit Frontveganer von „Samsas Traum“) &#8211; und dazu Ausstellungen junger Künstler wie Senrek oder Christian Lebrecht.</p>
<p>Auch Sascha Mersch macht sich häufiger auf den Weg in die Peripherie. Der Berliner Musiker ist hier Dauergast: Dieses Jahr war er schon mehrmals als Support- oder Hauptact in der Galerie. So auch vor Schneewittchen – den offensichtlichsten Bogen zu den Hannoveranern schlagen die Albentitel. Schneewittchens neustes Werk trägt den Titel „Perlen vor die Säue“, und Sascha Merschs Album den Namen „Perlensau“. War&#8217;s das an Parallelen? Der Gestus auf der Bühne ist jedenfalls, im Gegensatz zu Schneewittchens Performance, ungeschönt und fast schon schmerzhaft puristisch. Piano, Stimme, vertonte Gedichte: Die drei Säulen, auf die Merschs Musik sich stützt, tragen mühelos ein ganzes Schloss voller verborgener Schätze, dunkler Winkel, Abgründe und Prunk. Jenseits von verklärter Romantik und allegorischem Kitsch tut sich so eine neue Welt auf, die den Zuhörer ganz in ihren Bann zieht – oder ihm einen Schrecken in die Glieder jagt. Sascha Mersch ist das egal, er singt, schlägt das Piano, als gäb&#8217;s kein morgen, und liefert eine Show ab, die nicht nur durch ihre Ehrlichkeit überzeugt, sondern auch durch eigenwilliges und avantgardistisches Songwriting. Eine Klammer um seine eigenen Kompositionen bilden am 27. November zwei Coverversionen: Als Einstieg gibt es „Please Please Please Let Me Get What I Want“ von den unvergleichlichen Smiths, und zuletzt wagt er sich an David Bowies „Five Years“. Was für ein Set!</p>
<p>Um die Musik von Marianne Iser und Thomas Duda, die nun schon seit einigen Jahren unter dem Namen Schneewittchen bekannt sind, zu verstehen, muss man sie wohl live erleben. Denn die Präsenz des Duos auf der Bühne geht weit über das hinaus, was Mariannes Stimmgewalt an Möglichkeiten ohnehin schon bietet. Ob es so etwas Esoterisches ist wie Aura, etwas Märchenmagisches oder schlicht eine großartige Performance: Vom ersten Ton an fesseln Schneewittchen das Publikum, Marianne tanzt, singt, schreit, flüstert, mal schrill, selten nachdenklich, aber immer mitten aus dem Herzen. Ein authentisches Kunstwerk, lebend und pulsierend, im Korsett verschnürt wie ein großes, lautes Geschenk. Bei „Perlen vor die Säue“, dem Titelstück des besagten aktuellen Albums, verlässt sie die Bühne und konfrontiert das Publikum aus nächster Nähe. Sie zerreißt eine Perlenkette und wirft den Schmuck mit aufreizender Nonchalance ins Publikum, ein Akt, der in etwa widerspiegelt, was Schneewittchen vom großen Reibach halten. Bloß weg damit – nicht verrenken, sondern verschwenden, keine „süße, süffige Seichtigkeit“, dann lieber süffisant an die eigenen Träume klammern. Und in der Tat werden alle sich aufdrängenden Vergleiche mit Rosenstolz oder auch Nina Hagen hinfällig, denn Schneewittchen sind einfach nicht im gleichen Maß massentauglich. Der Spaß an der Provokation ist nicht gespielt, sondern scheint aus tiefster Seele zu kommen. Kein Wunder also, dass mit Liedern wie „Kaltes Hannover“ immer wieder bittere Sozialkritik durchschimmert. Die beiden Musiker haben ganz offensichtlich keine Angst, sich die Finger zu verbrennen, bringen Themen wie Sadomasochismus oder Genderbending aufs Tapet, als wär&#8217;s selbstverständlich, und haben in der Vergangenheit eine ganze Reihe Performances mit suizidgefährdeten Frauen auf die Beine gestellt. Bei so viel glaubhafter Offenheit wäre es eine Schande, wenn das Publikum nicht an Schneewittchen festhielte wie der holde Königssohn an seiner angebeteten Märchenprinzessin. Ein märchenhaftes Happy End gab&#8217;s in jedem Fall, haben Schneewittchen doch mit zwei neuen Liedern in der Zugabe die Vorfreude auf alles geweckt, was da noch kommen mag.</p>
<p>Schneewittchen bei MySpace: <a href="http://www.myspace.com/schneewittchenvonhannover">myspace.com/schneewittchenvonhannover</a><br />
Schneewittchen offiziell: <a href="http://www.schneewittchenmusik.de">www.schneewittchenmusik.de</a></p>
<p>Sascha Mersch bei MySpace: <a href="http://www.myspace.com/saschamersch">myspace.com/saschamersch</a><br />
Sascha Mersch offiziell: <a href="http://www.sascha-mersch.de">www.sascha-mersch.de</a></p>
<p>theARTer Galerie im Netz: <a href="http://www.thearter.de">www.thearter.de</a></p>
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		<title>Her Name Is Calla @ Schokoladen Berlin &#124; 27.08.2009</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 21:16:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Volkmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schubladendenken ist blöd und muss in jeder Musikpublikation mantraartig immer und immer verbal vernichtet werden, damit ja niemand vergisst, dass wahre Kunst immer eigen ist. Darum finden wir Genres auch immer schwierig, mindestens, wenn nicht ekelerregend und todbringend. Nur ist es schade, dass ausgerechnet das Genre der Shoegazer so gänzlich aus unserer Wahrnehmung verschwunden scheint. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schubladendenken ist blöd und muss in jeder Musikpublikation mantraartig immer und immer verbal vernichtet werden, damit ja niemand vergisst, dass wahre Kunst immer eigen ist. Darum finden wir Genres auch immer schwierig, mindestens, wenn nicht ekelerregend und todbringend.<br />
Nur ist es schade, dass ausgerechnet das Genre der Shoegazer so gänzlich aus unserer Wahrnehmung verschwunden scheint. Einst in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern von großen Bands wie My Bloody Valentine, Cocteau Twins, Slowdive und Devics geprägt, weltvergessen und introvertiert, scheint das Genre einer logischen Schlussfolgerung erlegen zu sein. Wer die Nähe zum Publikum scheut, gerät in Vergessenheit. Aber plötzlich und unverhofft tauchte es wieder auf, dieses wunderschöne, lakonisch-ironische Wörtchen. Shoegazer. Gelesen auf last.fm in den Tags zu der Englischen Band Her Name is Calla.<br />
Nur wachsen die Briten bereits mit ihren ersten Veröffentlichungen über die Grenzen des Begriffs hinaus, experimentieren, versuchen sich mit der lässigen Attitüde einer Band, die eh nicht so ganz groß rauskommen will, an ihrem ganz eigenen Sound – und sie zeigen, wie harmonisch  rockuntypische Instrumente wie Posaune und Geige sich in das klassische gitarrenzentrierte Songwriting einfügen können. Was sie mit den originären Shoegazern eint: eine gewisse Weltvergessenheit und Introversion.<br />
Die legten sie auch bei ihrem Konzert im relativ gut gefüllten Berliner Schokoladen an den Tag. Nach der sehr ätherischen Eröffnung durch The Horrible Trees hat sich das allerdings erstens relativiert, und zweitens gewannen die Songs live deutlich an Dynamik – auch und gerade in Sachen Lautstärke, was den Soundmenschen ganz offensichtlich forderte. Viele Stücke begannen leise und zögerlich, um dann in einem Lärminferno zu gipfeln, langsam und stetig, in etwa, als würde ein Gewitter aufziehen, alles verwüsten, das Dach abdecken, Bäume entwurzeln, das Fahrrad ein paar Meter weiter parken und dann ganz plötzlich wieder verschwinden.<br />
Das Highlight, und auch einer der stärksten Titel der Studioaufnahmen, war sicher „Nylon“. Unauffällig in der Mitte des Sets platziert, zeigten Her Name Is Calla hier ihr songwriterisches Können in Perfektion und hinterließen ein freudig staunendes Publikum. Und angesichts des  Gitarren, Trommeln und Geige geradezu vernichtenden Finale Grande. Diesmal hat das akustische Gewitter eigentlich nur noch Staub, Asche und wahrscheinlich den einen oder anderen Hörsturz hinterlassen.<br />
Hoffen wir auf Spontanheilung bei den Schokoladengästen. Und natürlich darauf, dass Her Name Is Calla uns bald wieder vernichten, denn es war großartig.</p>
<p>Offizielle Website: <a href="http://www.hernameiscalla.co.uk/">hernameiscalla.co.uk</a><br />
Her Name Is Calla bei MySpace: <a href="http://www.myspace.com/hernameiscalla">myspace.com/hernameiscalla</a></p>
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		<title>Sara Lov @ Café Zapata, Berlin &#124; 27.04.2009</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Apr 2009 22:04:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Volkmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[What are you made of, Sara Lov? Durch die Türen des Café Zapata im Kunsthaus Tacheles dürften schon zahllose Musiker gegangen sein. Mittlerweile droht dem gesamten Kulturzentrum die Zwangsversteigerung. Abende wie das Konzert von Sara Lov und ihrem Support Act Petula, der durch charmante Ansagen und authentisch entspannte Singer-Songwriter-Klänge betörte, lassen das Unverständnis darüber unermesslich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>What are you made of, Sara Lov?</strong></p>
<p><img src="http://www.saralov.com/galleryMisc/1184359647.jpg" alt="Sara Lov" title="Sara Lov" class="alignleft size-full wp-image-2036" width="201" height="300">Durch die Türen des Café Zapata im Kunsthaus Tacheles dürften schon zahllose Musiker gegangen sein. Mittlerweile droht dem gesamten Kulturzentrum die Zwangsversteigerung. Abende wie das Konzert von Sara Lov und ihrem Support Act Petula, der durch charmante Ansagen und authentisch entspannte Singer-Songwriter-Klänge betörte, lassen das Unverständnis darüber unermesslich steigen. Als hätte Mitte das Tacheles nicht nötig – als gäbe es schönere Orte, urban gewachsen aus Mauern und Pflastersteinen und Sand, bemalt und zerfallen und wieder überbemalt, um einen Abend lang etwas Besonderes zu hören.</p>
<p>Vor sieben Jahren waren auch Dévics schon mal da, erinnert sich Sara Lov, damals Sängerin der Band und heute solo mit ihrem ersten Album auf Tour. Überhaupt war der Abend voller Erinnerungen: Zunächst war da diese wunderschöne Hommage an Billie Holiday, „Good Morning Heartache“, a cappella gesungen mit zerbrechlich starker Stimme, Sara Lov ganz allein auf der Bühne. Die zweite Coverversion, „My Body Is A Cage“, im Original von Arcade Fire, fügte sich so nahtlos und unbemerkt in Sara Lovs restliches Set als wäre es für sie geschrieben, auf den Leib geschneidert, perfekt angepasst.</p>
<p>Dann die Überraschung, dass auch Dustin O’Halloran anwesend ist. Der Pianist war früher ebenfalls bei Dévics, ist mittlerweile als Solokünstler vor allem für seine Filmmusik, zum Beispiel <img src="http://ecx.images-amazon.com/images/I/31jnaKTOpdL._SL500_AA240_.jpg" alt="Sara Lov" title="Sara Lov" class="alignleft size-full wp-image-2036" width="200" height="200">für „Marie Antoinette“, bekannt und wohnt mittlerweile in Berlin. Außerdem ist er Sara Lovs bester Freund und Partner in Crime: Mit  ihm schrieb sie ihr erstes Solo-Stück „New York“, das nach zehn Jahren in der Schublade nun endlich einen Weg auf ihr Album fand. Wie die meisten Stücke auf „Seasoned Eyes Were Beaming“ ist auch dieses angenehm zurückhaltend,fast schon meditativ – und doch schleicht es sich ins Herz und in die Ohren, um dort zu bleiben, ganz subtil und doch unglaublich präsent. Fast in alter Originalbesetzung gab es auch noch ein paar Dévics-Klassiker zum Abschluss, unter anderem das bezaubernd melancholische „Salty Seas“. Das Publikum – nicht so zahlreich, wie Petula und Sara Lov es verdient hätten, aber halbwegs voll wurde es dann doch – hat’s sichtlich genossen, schweigend und glücklich, wie verzaubert und irgendwie verloren.</p>
<p>Bleibt die Hoffnung, dass Sara Lov in sieben Jahren wieder im Tacheles vorbeikommen und in Erinnerungen und Anekdoten versinken kann. Oder in siebzig Jahren. Und zwischendurch ganz oft.</p>
<p><a href="http://www.saralov.com/">Offizielle Homepage von Sara Lov</a><br />
<a href="http://www.myspace.com/saralov">Sara Lov bei MySpace</a><br />
<a href="http://www.myspace.com/supersonicsleep">Petula bei MySpace</a></p>
<p>Fotoquelle: <a href="http://www.saralov.com">saralov.com</a></p>
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		<title>Pure Reason Revolution @ Magnet Club, Berlin &#124; 22.03.2009</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Mar 2009 12:45:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jana Volkmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Pure Reason Revolution: Mhm, ja, natürlich. Rein revolutionär wollen sie doch irgendwie alle sein, sei es voller Vernunft und guter Gründe oder nicht. Schaffen tun das ganz offensichtlich die wenigsten Bands; die wenigsten schaffen es, ein eigenes Genre zu definieren oder sogar ein neues musikalisches Zeitalter einzuläuten. Ist dieser Bandname angesichts dessen nicht ein bisschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Pure Reason Revolution</em>: Mhm, ja, natürlich. Rein revolutionär wollen sie doch irgendwie alle sein, sei es voller Vernunft und guter Gründe oder nicht. Schaffen tun das ganz offensichtlich die wenigsten Bands; die wenigsten schaffen es, ein eigenes Genre zu definieren oder sogar ein neues musikalisches Zeitalter einzuläuten.</p>
<p><a href='http://rockzoom.de/photos/album/72157615980598261'><img src='http://flickr.rockzoom.de/20090322_PRR/prr1.jpg' class='float_left' /></a><a href='http://rockzoom.de/photos/album/72157615980598261'><img src='http://flickr.rockzoom.de/20090322_PRR/prr2.jpg' class='float_left' /></a><a href='http://rockzoom.de/photos/album/72157615980598261'><img src='http://flickr.rockzoom.de/20090322_PRR/prr3.jpg' class='float_left' /></a><a href='http://rockzoom.de/photos/album/72157615980598261'><img src='http://flickr.rockzoom.de/20090322_PRR/prr4.jpg' class='float_left' /></a><a href='http://rockzoom.de/photos/album/72157615980598261'><img src='http://flickr.rockzoom.de/20090322_PRR/prr5.jpg' class='float_left' /></a></p>
<div class='falbum-clear-left'></div>
<p>Ist dieser Bandname angesichts dessen nicht ein bisschen hoch gegriffen? Das Publikum im gut gefüllten Berliner Magnet Club dürfte jedenfalls voll und ganz überzeugt sein, Teil einer revolutionär fantastischen Darbietung geworden zu sein. Sphärisch ätherisch haben die vier Londoner gut 75 Minuten lang das Publikum begeistert – vom Teenie bis zum Best Ager, vom Progger bis zum Elektroniker. Schnörkellos war sie, die Performance, keine großen Gesten, keine epileptische Lightshow, kein überflüssiges Wort hat die Zeit zwischen zwei Songs verschmutzt, keine Vorband, und sogar die Klimaanlage hat sich vornehm zurückgehalten. Reduziert auf ein Maximum an musikalischen Experimenten. Und ein Maximum an Instrumenten pro Bandmitglied, so hat Frontsau Chloe Alper neben Gesang und Keyboard auch am Bass eine hinreißende Figur gemacht, und auch Jon Courtney und Jamie Willcox wechselten mehrmals die Instrumente. Nur Paul Glover hat seine Drumsticks den ganzen Gig über nicht aus der Hand gegeben, gut so, runde Sache!</p>
<p><a href='http://rockzoom.de/photos/album/72157615980598261'><img src='http://flickr.rockzoom.de/20090322_PRR/prr6.jpg' class='float_left' /></a><a href='http://rockzoom.de/photos/album/72157615980598261'><img src='http://flickr.rockzoom.de/20090322_PRR/prr7.jpg' class='float_left' /></a><a href='http://rockzoom.de/photos/album/72157615980598261'><img src='http://flickr.rockzoom.de/20090322_PRR/prr8.jpg' class='float_left' /></a><a href='http://rockzoom.de/photos/album/72157615980598261'><img src='http://flickr.rockzoom.de/20090322_PRR/prr9.jpg' class='float_left' /></a><a href='http://rockzoom.de/photos/album/72157615980598261'><img src='http://flickr.rockzoom.de/20090322_PRR/prr10.jpg' class='float_left' /></a></p>
<div class='falbum-clear-left'></div>
<p>In langen, trippigen Instrumentalteilen fast schon an die alten The Gathering erinnernd, klangen PRR an anderer Stelle, als sei Chris Corner von IAMX mal kurz im Proberaum zu Gast gewesen: Forschungsschwerpunkt Electro, ohne stumpfes Synthiegehämmer, sondern mitreißend melodisch. Die ausschweifenden, atmosphärischen Songs tragen ohne Probleme über die verhältnismäßig lange Dauer von zehn Minuten und mehr pro Titel. Schade nur, dass mitunter deswegen nicht besonders viele Songs gespielt wurden, und auch insgesamt hätte der Gig ruhig noch ein Viertelstündchen länger dauern können. Um klarzustellen, dass es nach der zweiten Zugabe endgültig vorbei ist mit der guten Musik, legten die Veranstalter zur allgemeinen Ernüchterung eine Swing-Version von Radiohead’s „Creep“ auf, gefolgt von der eigenwilligen Swing-Interpretation eines bekannten Slipknot-Klassikers. So macht man sich Freunde!</p>
<p>Ganz anders Pure Reason Revolution, die wohl um einige Fans reicher zum nächsten Gig nach Göteborg weiterziehen durften. Was bleibt von dem Abend ist ein wohliges Bassgewummer im Bauch, Chloes Stimme als Echo im Kopf und eben das gute Gefühl, gerade Teil einer Revolution geworden zu sein. Einer lauten, kleinen.</p>
<div class='falbum-clear-left'></div>
<p>>> <a href="http://rockzoom.de/photos/album/72157615980598261">Zu allen Bildern von Pure Reason Revolution</a></p>
<p>PRR auf MySpace: <a href="http://www.myspace.com/purereasonrevolution">myspace.com/purereasonrevolution</a></p>
<p>Text: <a href="http://rockzoom.de/author/jvo/">Jana Volkmann</a><br />
Fotos: <a href="http://rockzoom.de/author/jle/">Jana Legler</a></p>
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		<title>&#8220;1.Mai &#8211; Helden bei der Arbeit&#8221; &#124; Episode 3: &#8220;Ausflug&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Apr 2008 20:48:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katrin Kropf</dc:creator>
				<category><![CDATA[thoughts]]></category>
		<category><![CDATA[1. mai]]></category>
		<category><![CDATA[berlin]]></category>
		<category><![CDATA[film]]></category>
		<category><![CDATA[kino]]></category>

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		<description><![CDATA[Pelle und Jacob aus Minden/Westfalen: Zunächst 2 Krawalltouristen auf dem Weg nach Berlin, im Verlauf des Episodenfilmes &#8220;1.Mai &#8211; Helden bei der Arbeit&#8221; zu 1,5 Halbstarken und 1,0 Vollidioten mutierend. Von allen drei Episoden, die am 1. Mai 2006 von drei voneinander unabhängig agierenden Teams abgedreht wurden, ist diese wohl die intensivste. Die Geschichte kommt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Pelle und Jacob aus Minden/Westfalen: Zunächst 2 Krawalltouristen auf dem Weg nach Berlin, im Verlauf des Episodenfilmes &#8220;1.Mai &#8211; Helden bei der Arbeit&#8221; zu 1,5 Halbstarken und 1,0 Vollidioten mutierend.<span id="more-551"></span> Von allen drei Episoden, die am 1. Mai 2006 von drei voneinander unabhängig agierenden Teams abgedreht wurden, ist diese wohl die intensivste.</p>
<p><img src='http://rockzoom.de/wp-content/uploads/2008/04/1mai_pelle_jacob.jpg' alt='1.Mai - Pelle und Jacob' class="float_left"/>Die Geschichte kommt auf den Gleisen in Hauptstadt zunächst recht langsam ins Rollen, Pelle schenkt Jacob einen Kampfanzug &#8211; aus dem Online-Versand. Aus gutbürgerlichem Hause kommend leiden diese beiden wie so viele Jugendliche schlichtweg an Langerweile. Folglich zieht es die Burschen zur Maidemonstration nur des Remmi-Demmis wegen. Ein bisschen Saufen, ein bisschen Drogen&#8230; und vornweg noch ein Besuch in der Kunstgalerie, bei welchem man ein wenig interessiert dreinschaut. Das Straßenfest an sich entpuppt sich für Pelle und Jacob als langweiliger Festumzug, von wegen schwarzer Block, brennende Streifenwagen und Barrikaden. Man entscheidet sich, den Laden selbst ein wenig aufzumischen&#8230;</p>
<p>&#8230;und steckt prompt drin im Geschehen. Die Gesamtstimmung spannt sich immer weiter an, vor allem Jacob ist gereizt, und außerdem noch seinen Ausweis los. Der Faden reißt: Eine Schlägerei, Schüsse eines vermeintlichen Museumsstückes&#8230; Pelle kneift, Jacob meint es ernst. Die beiden Kumpel auf getrennten Wegen!?</p>
<p>Trotz überraschender Wendungen endet es letztlich dort, wo bereits die Episoden &#8220;Yavuz&#8221; und &#8220;Uwe&#8221; ihren Ausgang fanden: Im Kreuzberger Urban Krankenhaus&#8230;</p>
<p><a href="http://myspacetv.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&#038;videoid=31433924">1.Mai &#8211; Kinotrailer</a><br /><embed src="http://lads.myspace.com/videos/vplayer.swf" flashvars="m=31433924&#038;v=2&#038;type=video" type="application/x-shockwave-flash" width="430" height="346"></embed><br />
<br/></p>
<p>&#8220;1. Mai &#8211; Helden der Arbeit&#8221; ist ein geglücktes Film-Experiment Made in Germany. Zwar entstanden alle drei Episoden, deren Szenen sich stets cliffhanger-mäßig abwechseln, weitestgehend unabhängig voneinander, doch sind die Übergänge und Anteile der Stories wirklich gelungen und nahtlos. Hier und da gibt es ein paar verbindende Elemente wie türkische Musik und Straßenbeats oder eben Randfiguren, die in mehreren Episoden eine Rolle spielen. Auch wurden gemeinsame Regeln aufgestellt:</p>
<blockquote><p>
1. Alle Geschichten spielen in denselben 24 Stunden, vom Morgen des 1.Mai bis zum Morgen des 2. Mai.<br />
2. Jede Geschichte ist 20-30 Minuten lang.<br />
3. Jede Geschichte muss 5-8 Minuten tagsüber in Außensets in Kreuzberg am 1. Mai spielen. Jedes Team muss diese essentiellen Bilder während des tatsächlichen Demonstrationstags am 1. Mai 2006 in Kreuzberg – mitten im Geschehen, ohne Abschottung und ohne Drehgenehmigung– inszenieren. Dazu ist nur ein kleines Team erlaubt, bestehend aus Regisseur, Kameramann, Schauspielern, Tonmann und Aufnahmeleiter.<br />
4. Jede Geschichte weist mindestens fünf mögliche Cliffhanger Szenen auf. Die Geschichten folgen dem realen Zeitablauf des Tages, d.h. sie werden nicht nacheinander sondern parallel montiert.<br />
5. Alle Geschichten enden morgens, am 2. Mai in der Notaufnahme des Urban Krankenhaus in Kreuzberg.</p>
<p>Inhaltlich gab es neben diesen formalen Regeln nur eine einzige Vorgabe: Jede Geschichte muss von einem Protagonisten handeln, der unter großem persönlichem Druck steht. Jede Figur erhofft sich vom 1. Mai eine Art Ventil für diesen Druck, einen Ausweg aus der eigenen Situation. Und jeder einzelne der Protagonisten wird am Ende in seinen Erwartungen enttäuscht und etwas völlig Neues für sich selbst erfahren.</p></blockquote>
<p>Nicht nur die Schauspieler glänzen in ihren Rollen, die Rollen glänzen auch an sich. Hier stehen klar die Charaktere im Vordergrund, keine politischen Handlungen oder historischen Aufarbeitungen. Es ist interessant zu beobachten, was die einzelnen Figuren aus diesem Tag machen, den sie lediglich als Anlass nutzen, sich selbst zu ändern. Ab morgen kann der Interessierte den Film in den deutschen Kinos sehen.</p>
<p><a href="http://www.erstermai-derfilm.de" target="_blank">http://www.erstermai-derfilm.de</a></p>
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		<item>
		<title>&#8220;1.Mai &#8211; Helden bei der Arbeit&#8221; &#124; Episode 2: &#8220;Yavuz&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Apr 2008 18:32:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katrin Kropf</dc:creator>
				<category><![CDATA[thoughts]]></category>
		<category><![CDATA[1. mai]]></category>
		<category><![CDATA[berlin]]></category>
		<category><![CDATA[film]]></category>
		<category><![CDATA[kino]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Für vier Stunden war Kreuzberg die einzige anarchistische Hochburg auf der ganzen scheiß Welt.&#8221; Berlin, 1. Mai 1987: Der Supermarkt Bolle wird geplündert und anschließend angezündet: Die Filiale brennt bis auf die Grundmauern nieder. Politische Motivation für die Autonomen war der Volkszählungsboykott, doch nicht nur die mischten mit. Ein zunächst friedlicher Tag der Arbeiter kippte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Für vier Stunden war Kreuzberg die einzige anarchistische Hochburg auf der ganzen scheiß Welt.&#8221; Berlin, 1. Mai 1987: Der Supermarkt Bolle wird geplündert und anschließend angezündet: Die Filiale brennt bis auf die Grundmauern nieder.<span id="more-548"></span> Politische Motivation für die Autonomen war der Volkszählungsboykott, doch nicht nur die mischten mit. Ein zunächst friedlicher Tag der Arbeiter kippte um etwa 16 Uhr mit einem umgeworfenen Streifenwagen und polizeilichen Gegenmaßnahmen in Form von Tränengas und Schlagstöcken. Gegen Abend wurde auch das Straßenfest von zunächst einzelnen Gewaltaktionen erfasst, wenig später folgten größere Maßnahmen wie Straßenbarrikaden oder Vandalismus an Bahnhöfen. Dabei heißt es in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Mai_in_Kreuzberg" target="_blank">Wikipedia</a>: &#8220;An den Ausschreitungen und vor allem den Plünderungen beteiligen sich Personen aus unterschiedlichsten Bevölkerungskreisen und Altersgruppen&#8221;.</p>
<p>Heutzutage ist von Ausschreitungen solchen Maßes nichts mehr zu spüren.<br />
<img src='http://rockzoom.de/wp-content/uploads/2008/04/1mai_harri_yavuz.jpg' alt='1.Mai - Harry und Yavuz' class="float_left"/><br />
Der Film spielt neun Jahre später.</p>
<p>Harry ist einer dieser Altlinken &#8211; er langweilt sich. Und wird dieses Jahr doch wieder Barrikaden bauen. Der elfjährige Yavuz ist einer von vielen Türken Kreuzbergs &#8211; er langweilt sich. Und will dieses Jahr auch mal &#8220;einen Bullen plattmachen&#8221;.</p>
<p>Heute sind etwa ein Drittel der Bewohner Kreuzbergs Türken, vor allem im sozialen Brennpunkt &#8220;SO 36&#8243; beheimatet. Was dem Leipzig sein Connewitz ist dem Berlin sein Kreuzberg, nur größer mit ein bisschen mehr &#8220;Bambule&#8221;. Man kann es wohl nur richtig fassen, wenn man selbst Ende der 80er in den 160.000-Seelen-Stadtteilen zugegen war. Oder man hört und sieht Leuten wie Harry zu. Mit ihm hat man das Gefühl, da steht die Chronik Kreuzbergs vor einem, die einmal im Jahr hervorgekramt wird, um die Geschichte eines bestimmten Tages fortzuschreiben. Eine sehr gelungene und authentische Figur in meinen Augen. Und Peter Kurth passt hier wie kein anderer: Er spielt den Harry irgendwo zwischen unbekümmerter Einfachheit und tiefer Spiritualität, vielleicht ist es aber einfach nur Kult. Da MUSS doch entweder einer Pate gestanden haben oder Episodenregisseur Sven Taddicken war selbst stets zum 1. Mai in Kreuzberg gewesen!?</p>
<blockquote><p><strong>Sven Taddicken</strong>: Es freut mich sehr, dass Harry berührt. Ich selbst war 1987 gerade mal 13 und in einem anderen Teil der BRD unterwegs. Aber ich und mein Drehbuchautor Michael Proehl haben uns natürlich mit Leuten unterhalten, die damals dabei waren. Wir sprachen über die Kohlregierung, die Volkszählung 87 und natürlich über Bolle. Aber da ging es mir aber in erster Linie um allgemeine Recherche für den Film. Ich wusste noch nicht viel über meine Geschichte um Yavuz und was und wer ihm bei seiner Reise durch Kreuzberg begegnen würde. Dann erzählte mir ein befreundeter Schauspieler von einem Bekannten, der im angetrunkenen Zustand gerne aus dem Nichts heraus Barrikaden auf öffentlichen Strassen aufbaut. So entstand Harry.</p></blockquote>
<p>Ein so ungleiches Gespann wie Yavuz und Harry. Kann das gut gehen? Man läuft sich über den Weg, baut ne Barrikade, trinkt ein Bier, Yavuz will immer noch seinen Bullen umlegen. Harry ist so etwas egal. Er schwelgt in der Vergangenheit mit respekterfülltem Blick auf eine Flasche Charlottenburger Pilsener aus der Engelhardt-Brauerei, ein Andenken aus der Plünderung vom Getränke Hoffmann 1988.<br />
Was friedlich begann, eskaliert wenig später ohne bestimmten Grund: eine Stahlschleuder, ein Scheibenhammer, Scherben und Blut. Dabei wollte Yavuz doch nur beweisen, dass er ein richtiger Kerl ist. Gespielt wird der junge Mann übrigens von Cemal Subasi, den man salopp gesagt &#8220;von der Straße&#8221; geholt hat. Ein echter Kreuzberger, und er macht seine Sache sehr gut. Ich frage mich, wie denn so ein Streetcasting abläuft und wie der Umgang mit einem elfjährigen Laien beim Film vonstatten geht&#8230;</p>
<blockquote><p><strong>Sven Taddicken</strong>: Cemal Subasi habe ich zusammen mit meiner Casterin Eva Vollmar in einem Kreuzberger Jugendzentrum entdeckt. Er war dort der kleine Star in einer Breakdance-Gruppe. Und genau das war eine gute Vorraussetzung für unseren Film. Er war es gewohnt, vor einem Publikum aufzutreten. Die Arbeit mit ihm war dann erstaunlich professionell. Ich habe es schon häufig erlebt, dass man jugendlichen Darstellern einen großen Gefallen tut, wenn man sie nicht wie unerfahrene Laien, sondern wie ihre Kollegen, bzw. professionelle Schauspieler behandelt. Cemal ist ein großes Talent. Er spielt nicht nur sich selbst, sondern versuchte auch sich in den Yavuz hineinzuversetzen.</p></blockquote>
<p>Ihr hattet auch keine Drehgenehmigung für die drei Episoden!? Wieso, und was genau bedeutet das fürs Filmemachen?</p>
<blockquote><p><strong>Sven Taddicken</strong>: Unser Film sollte schnell und spontan entstehen. Niemand wusste, wie sich der 1.Mai entwickelt und was wir genau in den Kasten bekommen. Für das Filmemachen kann so eine Einschränkung wie ein Geschenk sein. Man ist den Zuständen völlig ausgeliefert und muss sich voll und ganz auf seine Darsteller verlassen. What you see is what you get. Sonst nix. Das ist zu Anfang etwas Beängstigendes. Aber im Endeffekt lernt man dabei, sich auf das wirklich Wesentliche zu konzentrieren: interessante Menschen und gute Geschichten.</p></blockquote>
<p>Wer interessante Menschen in guten Geschichten erleben möchte, der sollte ab dem 30. April ein Kino in der Umgebung aufsuchen, dann wird nämlich “1.Mai &#8211; Helden der Arbeit” deutschlandweit zu sehen sein.</p>
<p>http://www.erstermai-derfilm.de</p>
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		<title>&#8220;1.Mai &#8211; Helden bei der Arbeit&#8221; &#124; Episode 1: &#8220;Uwe&#8221;</title>
		<link>http://rockzoom.de/2008/04/26/1mai-helden-bei-der-arbeit-episode-1-uwe/</link>
		<comments>http://rockzoom.de/2008/04/26/1mai-helden-bei-der-arbeit-episode-1-uwe/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 26 Apr 2008 21:50:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katrin Kropf</dc:creator>
				<category><![CDATA[thoughts]]></category>
		<category><![CDATA[1. mai]]></category>
		<category><![CDATA[berlin]]></category>
		<category><![CDATA[film]]></category>
		<category><![CDATA[kino]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Uwe, was bistn du für&#8217;n Mann?!&#8221; Sekundenbruchteile zuvor stieg seine Ehefrau aus dem Wagen des Metzgersohns. Und das ausgerechnet am 1. Mai&#8230; Uwe muss weg, wie jedes Jahr ruft der Polizeieinsatz in Berlin-Kreuzberg zur Deeskalation. Wir begleiten den jungen Polizisten und schauen ihm über die grüne Schulter und sehen zunächst nicht viel: Die wilden Zeiten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Uwe, was bistn du für&#8217;n Mann?!&#8221; Sekundenbruchteile zuvor stieg seine Ehefrau aus dem Wagen des Metzgersohns. Und das ausgerechnet am 1. Mai&#8230; Uwe muss weg, wie jedes Jahr ruft der Polizeieinsatz in Berlin-Kreuzberg zur Deeskalation.<span id="more-544"></span> Wir begleiten den jungen Polizisten und schauen ihm über die grüne Schulter und sehen zunächst nicht viel: Die wilden Zeiten glühender Straßenkämpfe mit Barrikaden, fliegenden Fäusten, Scherben und Steinen scheinen weitestgehend vorbei zu sein, denn der Demonstrationstag beginnt in Kreuzberg äußerst gelassen. Trotz der Tatsache, dass man der Staatsgewalt dabei zusieht wie sie sich langweilt, wird einem selbst nicht langweilig, denn man darf Mäuschen spielen und der Polizei dabei zusehen, wie sie an einem solchen Tag im Inneren aussieht: ein wenig witzelnd, ein wenig überheblich, gelassen, menschlich allemal&#8230; Doch wie sieht es mit so expliziten Darstellung von internen Sichten der Staatsgewalt aus? Braucht man da keine Genehmigung, die Polizei derart darstellen zu dürfen?<br />
Der Regisseur gibt Antwort:</p>
<blockquote><p><img src='http://rockzoom.de/wp-content/uploads/2008/04/1mai_uwe.jpg' alt='1. Mai - Uwe' class="float_left"/><strong>Jakob Ziemnicki</strong>: Wir haben keine explizite Genehmigung eingeholt. Das wäre auch nicht im Sinne einer freien Kunst, denn am Ende ist es in erster Linie ein fiktionaler Film. Wir haben uns aber schon bemüht, die Abläufe, Texte, Redensarten der Polizei zu recherchieren. Die Polizisten waren auch mehr als kooperativ. Und dass dort Kollegen in den Puff gehen, das muss wohl offenbar tatsächlich mal passiert sein, jedenfalls ergaben das die Recherchen von meinem Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg. Ich finde auch nicht, dass wir ein schlechtes Bild der Polizei zeichnen, eher ein in Kino und TV ungesehenes. Wenn man über den 1. Mai läuft und in die Hinterhöfe schaut, wo die Polizisten stationiert sind, dann verhalten sie sich, wie bei uns im Film. Sie warten und langweilen sich, spielen Karten, essen Döner oder Pizza, sonnen sich&#8230; Wir haben sogar genau auf dem selben Hof gedreht, auf dem die Polizei nun schon seit drei Jahren stationiert wird.</p></blockquote>
<p>Achja, der Puff, da war doch was. Uwe will eigentlich gar nicht dort hin, die Kollegen halten das jedoch für eine gute Idee, denn wenn jemand der Stärkere in einer Beziehung ist, dann ist das ganz klar der Mann!?! Eine Denkzettel für die Ehefrau, ein Schub für Uwes Ego. Doch das mag alles nicht so glücken: eine gebrochene Nase, eine verlorene Pistole, eine Schlägerei&#8230; Von wegen Deeskalation! Es endet für den Unglücklichen im Urban-Krankenhaus Kreuzberg, wo man letztlich auch die Protagonisten der anderen beiden Episoden wiederfindet. Der größte Unglücksrabe scheint jedoch dieser Ordnungshüter zu sein. Was also macht diesen Loser mit seinen Hemmungen und Beziehungsproblemen so darstellenswert?</p>
<blockquote><p><strong>Jakob Ziemnicki</strong>: Ich empfinde Uwe gar nicht als einen derartigen Loser. Wahrscheinlich gibt es in Deutschland Millionen Uwes, die auch 10% zu nett, 10% zu träge, 10% zu dick sind. Gerade das macht ihn zu einem Sympathieträger. Wir kennen doch alle diese Momente, wo einem das Leben aus der Kontrolle gerät, wo man zu spät Stopp sagt. Genau das ist Uwes Problem. Und aus seiner Unsicherheit folgt er leider dem ein oder anderen falschen Ratschlag mit fatalen Folgen. Aber so ist das Wesen einer Tragikkomödie. Ich bin mir aber total sicher, dass Uwe nach diesem Tag einiges in seinem Leben ändern wird.</p></blockquote>
<p>Zumindest hat er etwas ganz Entscheidendes gelernt: &#8220;Man kauft Frauen keine Schuhe. Dann laufen sie weg.&#8221;</p>
<p><a href="http://www.erstermai-derfilm.de" target="_blank"><img src='http://rockzoom.de/wp-content/uploads/2008/04/1mai.jpg' alt='1. Mai' class="float_left"/></a>Zu guter letzt bleibt ein Ausblick auf die anderen beiden Episoden, deren Szenen sich mit denen der Uwe-Story angenehm bruchlos abwechseln. Zwei weitere Teams waren nämlich am 1. Mai 2006 mit der Kamera unterwegs, um völlig unabhängig voneinander die Erlebnisse sehr verschiedener Individuen an jenem Stichtag einzufangen. Sie vereint lediglich der Hang zur Unüberlegtheit und eine Mütze voll Pech. Doch ganz so unabhängig voneinander kann das Ganze auch nicht sein. Gerade im Nachhinein wurde wohl viel am Film herumgeschraubt. Schließlich wirkt alles erstaunlich harmonisch (wenn man bei einem aktionsgeladenen Film wie &#8220;1.Mai&#8230;&#8221; überhaupt von Harmonie sprechen kann) und selbst beim Dreh muss es Absprachen gegeben haben. So tritt Hannah Herzsprung als Punkerin “Ratte” mal in der Geschichte “Uwe” und mal im “Ausflug” auf, die &#8220;Türken-Gang&#8221; macht sowohl Bekanntschaft mit den beiden Hauptfiguren aus der Episode &#8220;Ausflug&#8221; als auch mit dem jungen Yavuz&#8230;</p>
<blockquote><p><strong>Jakob Ziemnicki</strong>: Da muss man unterscheiden. Die Dreharbeiten am tatsächlichen 1. Mai fanden wirklich total unabhängig und parallel statt. Jeder war für sein Zeug zuständig. Aber das war ja nur ein Teil des Gesamtfilms. Der Hauptdreh war dann ca. ein halbes Jahr später im Herbst 2006. In der Zwischenzeit haben wir natürlich geschaut, was man als verbindende Elemente verwenden kann, z.B. Ratte oder die Nebi Gang. Wir kannten auch schon immer die Drehbücher der Kollegen und waren im Austausch. Die eigentliche Arbeit fand  aber im Schnitt statt, der dann auch gute vier Monate dauerte. Alle zusammen! Dort ist es uns dann tatsächlich gelungen dem Film eine Handschrift zu verpassen. Wir waren selber erstaunt, wie gut die Geschichten in einander greifen, wie ähnlich die Grundkonflikte waren. Aber es war auch harte mühsame Arbeit, die sich jetzt da der Film auf der Berlinale lief und nun in die Kinos kommt total gelohnt hat. Und wer weiß in fünf Jahren, machen wir den Wahnsinn wieder.</p></blockquote>
<p>Vier Regisseure, drei Episoden. Wer meint, zu viele Köche verderben den Brei, der sei ab dem 30. April eines Besseren belehrt. Dann wird &#8220;1.Mai &#8211; Helden der Arbeit&#8221; deutschlandweit in den Kinos anlaufen.</p>
<p><a href="http://www.erstermai-derfilm.de" target="_blank">http://www.erstermai-derfilm.de</a></p>
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