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Suzanne Vega @ Heimathafen, Berlin | 05.06.2012

14. Juni 2012

Suzanne Vega zieht in Neukölln ein zahlreiches und loyales Publikum an. Das merkt man bereits, ehe der Gig überhaupt beginnt – vor dem Heimathafen versammeln sich die Massen, es wird um die letzten Tickets gefeilscht und eine angenehme Spannung liegt in der Luft. Dass eine so große Hingabe es dem Support Act wiederum oft schwer macht, bei den Zuhörenden zu punkten, liegt auf der Hand. Aber im Fall von Mike Doughty, der die eigentlich doch recht schöne Aufgabe hatte, im Vorprogramm aufzutreten, waren die Reaktionen des Publikums schon fast absurd. Der Funke sprang von Anfang an nicht über, doch als dann am Ende seines Sets die Fans lautstark nach Suzanne verlangten, war endgültig klar: Das Publikum hier besteht aus eingefleischten Fans. Und die sind musikalisch eben manchmal so flexibel wie ein Mammutbaum im Wind. Dennoch ist ein solcher Abgang von der Bühne keinem Künstler zu wünschen.

Als Suzanne Vega dann tatsächlich die Bühne betritt, sind alle Querelen vergessen. Die Musikerin aus Santa Monica hat ein leichtes Spiel mit dem Publikum – was auch ihrer Aufgeschlossenheit zu verdanken sein mag. Vom ersten Song an spricht sie mit uns, erklärt, wie ihre Texte entstanden sind, füttert die hungrigen Massen mit Informationen aus ihrem Leben und ihrem Schaffen. Dass sie als Opener ein Lied auswählt, das die Fans im Schlaf mitsingen können, dürfte dem Senkrechtstart auch gut getan haben: „Marlene on the Wall“ ist der erste Song des Abends und wohl einer der bekanntesten von Suzanne Vega. Um visuell noch eins draufzusetzen, hat sie sich extra für den Song einen Zylinder aufgesetzt – very Marlene Dietrich, so dass auch weniger eingefleischte Fans in jedem Falle mitbekommen, von welcher Marlene da die Rede ist. Der Hut kommt erst wieder zum Vorschein, als sie zum Schluss des Sets „Tom’s Diner“ singt, noch einen dieser Songs, die man unweigerlich mit Suzanne Vega verknüpft, und wohl einer der nachhaltigsten Ohrwürmer in der Geschichte der Musik.

Zwischendrin gibt es noch eine schöne Neuigkeit: 2013 soll ein neues Album erscheinen. Außerdem hat Suzanne Vega Carson McCullers und Harper Lee ein musikalisches Denkmal gesetzt. Die beiden Autorinnen dürften eins der schillerndsten Literatinnenpaare der ameikanischen Literaturgeschichte sein. Carson McCullers, die „My Heart is a Lonely Hunter“ geschrieben hat und damit einen der wundervollsten Buchtitel aller Zeiten ihr Eigen nennen darf, rauchte, seit sie 13 war, erfahren wir von Suzanne. Sie selbst steht auch mit einer Zigarette auf der Bühne, als sie über McCullers singt – nur, dass Suzanne Vegas Zigarette nicht brennt. Diese kleine ironische Wendung ist angesichts der großartigen Performance aber leicht zu verzeihen. Überhaupt ist das ein tolles, mitreißendes Konzert, das noch lange im Gedächtnis bleibt. Auch, als die raue Realität der Karl-Marx-Straße die Heimkehrenden einholt, klingen die Songs nach, und es erscheint plötzlich nur logisch, dass das Publikum so sehr auf die Sängerin und Songwriterin fixiert ist.

>> Zu allen Bildern von Suzanne Vega im Heimathafen

2 Kommentare

  1. Gudrun

    Danke für den schönen Bericht. Er weckte meine Erinnerungen an ein wunderschönes Konzerterlebnis vor einigen Jahren in Paderborn (open Air) mit Suzanne Vega.

    Ehrlich gesagt bin ich mit support acts auch häufig hin und her gerissen. Ich würde es meist vorziehen, nur eine Band zu sehen und für diese eine relativ verlässliche Anfangszeit zu wissen. Ich finde es dem Publikum gegenüber schon ziemlich unmöglich, wie das in der Regel läuft.

    Trotzdem würde ich nie eine Vorband so behandeln…

    #4750
  2. Jana Legler

    Hey Gudrun, danke für dein Feedback! Die generelle Idee der Vorband ist, einer noch relativ unbekannten Band eine Plattform zu geben, von daher macht das schon Sinn, wenn vor dem Hauptact noch ein Einheizer spielt. Manchmal tauchen zur Einstimmung Vorbands auf, die musikalisch mit dem Hauptact gar nichts zu tun haben, wahrscheinlich stehen wir dieser Idee deshalb kritisch gegenüber. Ideal wäre es, wenn parallel zur Veranstaltung Stage Times veröffentlicht werden würden, so kann man entscheiden, ob man sich eine Vorband anschauen will oder nicht, manchmal weiß man ja nicht mal, ob überhaupt ein Support da ist oder nicht. Um das Ganze mal abzurunden: Eine gute Vorband ist schon was Feines!

    #4751

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