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Super700: Under The No Sky

4. April 2012

An manchen Tagen fällt es schwer, ein Album in vollem Umfang durchzuhören. Tatsächlich gibt es nur noch wenige Menschen, die bereit sind, fünfundvierzig Minuten ihres Lebens zu opfern, die einem gesamten Werk Beachtung schenken, die Ohren spitzen, jeden noch so verwinkelten Klang hingebungsvoll aufsaugen. So schön es auch ist, sich kinderleicht durchs Netz skippen zu können, so trauriger ist, dass mit jedem gewichtslosen Klick ein bisschen mehr traditionelle Musik-Kultur verloren geht (und auch ein bisschen der Respekt vor Musikern, die Track für Track nach klangspezifischen Gesichtspunkten aneinanderreihen, nach vorn rücken, nach hinten schieben oder gar verwerfen, der guten Balance wegen).

Super700 stellen sich diesem Trend in den Weg, denn wer das gesamte Spektrum dieser Band erfassen möchte, kommt nicht daran vorbei, ihr neues Album auf herkömmliche Weise zu erkunden. Und das fühlt sich so gut an! Ich kann mittlerweile nicht mehr zählen, wie oft ich in den letzten Tagen auf „Play“ gedrückt habe. Als ich dies zum ersten Mal tat, wusste ich bereits nach 30 Sekunden, dass es um mich geschehen war.

Super700 – Decent Snow by Motor Entertainment

Ich habe nicht mal Lust eine Schublade aufzumachen, entscheidet selbst! Super700 schaffen etwas, was so viele deutsche Bands nicht gebacken kriegen: Sie haben ihre eigene kleine Nische gefunden. Sie stehen für clevere Arrangements, sie klingen speziell, ohne dass es Mühe macht, Zugang zu finden. Gewiss braucht „Under The No Sky“ mehrere Durchläufe und die Songs sind weit davon entfernt, vom „Hit“-Pfeil getroffen zu werden, dafür entfalten sie sich herrlichst – mit jedem weiteren Hördurchlauf. Die Lieder auf dem neuen Werk, das übrigens am 6. April erscheint, wirken vielmehr wie eine Feder, die einen sanft mitschleudert, hoch und runter, mal stößt man sich an einer rauen Kante, mal landet man sanft, aber nie in der belanglosen Gefahrzone, die sich Kitsch nennt. Sie wirken nicht wie inspirationslose Mitläufer, sondern wie ideenreiche Anführer. Kein Song gleicht dem anderen. Der eine hypnotisiert, der andere lässt unendlich viel Raum zum Nachdenken. Und über allem thront Ibadet Ramadanis unverkennbare, charaktervolle Stimme.

Seit der letzten Veröffentlichung „Lovebites“ vor drei Jahren hat die Band aus Berlin die Hälfte ihrer Mitstreiter „an das wirkliche Leben“ verloren, wie sie selbst sagen. Man hat das Gefühl, dass ihnen genau das gut getan hat. Nicht immer, aber oft ist ein kleines Kollektiv produktiver. Super700 sind so stark wie nie zuvor. Traut unseren Worten, greift zu und erzählt es all euren Freunden!

Super700 im Internet:
Offizielle Homepage: www.super700.com
Facebook: www.facebook.com/pages/Super700/210581152935

Super700 live:
18.5. Lido @ Berlin
19.5. Luxor @ Cologne
20.5. Hafenklang @ Hamburg
23.5. Ampère @ Munich
24.5. Goldmann @ Stuttgart

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