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Sinead O’Connor @ Astra, Berlin | 19.04.2012

23. April 2012

Wenn man sich mit den Geschichten, die das Leben von Sinead O’Connor umgeben, tiefgründig beschäftigen würde, wäre man reif, einen Roman zu verfassen. Die Frau, die Ende der Achtziger berühmt wurde und 1990 mit „Nothing Compares 2 U“ einen der bewegendsten Songs der Musikgeschichte interpretierte, setzt seit jeher auch abseits des Musikbusiness ihre Stimme ein. Entsprechend gehört sie zur Sorte Musiker, über die viel geredet wird. Meistens stimmt davon höchstens die Hälfte. Menschen hören liebend gern nur halbherzig zu, am schlimmsten: Sie schnappen irgendwo etwas auf und klar, das berechtigt zur Meinungsbildung. Der Klassiker: Von der hat man ja auch schon ewig nichts mehr gehört, One-Hit-Wonder halt! Sinead O’Connor, die inzwischen 45 Jahre alt ist, veröffentlichte im Laufe ihrer Karriere bereits neun Alben. Erst seit kurzem steht das neue Werk „How About I Be Me (And You Be You)?“ in den Regalen. Fünf Jahre sind seit dem letzten Longplayer ins Land gezogen, und insbesondere Fans der ersten Stunde freuten sich über die bevorstehende Deutschland-Tour. In Berlin sollte Sinead O’Connor ursprünglich in der Passionskirche auftreten. Diese Show wurde kurzerhand ins Astra verlegt, „aufgrund der hohen Nachfrage“.

Da das Konzert bestuhlt war, hieß es, früh anwesend zu sein, um einen der begehrten Plätze in Bühnennähe zu ergattern. Als die irische Ikone barfüßig den Saal betrat und sich zu ihren sechs Mitmusikern gesellte, hagelte es Applaus, nichts als Applaus. Man erspähte alsbald die Geschenke, die die glühendsten Anhänger mitgebracht hatten, vereinzelt erblickte man Menschen, die ihre Hände gegeneinander pressten, weil sie ihr Glück kaum fassen konnten. Wir waren für solche Gefühlsausbrücke wohl zu spät geboren, dennoch machte sich auch bei uns freudige Anspannung breit.

Sinead O’Connor, mit kahlgeschorenem Kopf und lässig in Jeans und Leinenhemd gehüllt, wirkte irgendwie „rein“, sie verlor zunächst nicht viele Worte, sondern machte mit Ausklang des ersten Songs vielmehr mit einem warmherzigen Lächeln auf sich aufmerksam. Und generell wirkte sie zwischen ihren Liedern ausgesprochen freundlich, wenn auch ein wenig raubeinig, so haute sie ungeniert Sachen heraus wie „I must have been thinking about cock…“ und „You’re going to kick my butt later for forgetting the end of the song, aren’t you?“. Aus musikalischer Sicht bekam man Songs unterschiedlichster Stilrichtungen (von Pop bis Dub) geboten, eine logische Konsequenz: Sinead O’Connor war bereits vor 30 Jahren zum ersten Mal auf einer Platte zu hören. Die Qualität der Songs steigerte sich mit zunehmender Dauer und plötzlich sang sie die Nummer, mit der wir eigentlich nicht gerechnet hätten: „Nothing Compares 2 U“ a capella – und ja, wir haben geheult! Unglaublich, was ein Song mit einem so anstellen kann. Die beste Erkenntnis: Sinead O’Connor wirkte nicht wie ein billiger Abklatsch vergangener Tage. Nein, sie bewies, dass es im Leben im Endeffekt nicht um materiellen Erfolg geht, es geht darum, sich selbst treu zu bleiben, um Ehrlichkeit, um Gerechtigkeit. Und man kann von ihr halten, was man will, aber Sinead O’Connor steht eben für genau diese Werte, das macht sie zu einer großartigen Frau.

>> Zu allen Bildern von Sinead O’Connor im Astra

Sinead O’Connor im Internet:
Offizielle Homepage: www.sineadoconnor.com
Facebook: www.facebook.com/sineadoconnor

http://www.youtube.com/watch?v=Q1NhPb5HOpk

1 Kommentar

  1. Sharif

    Und ihr bekanntester Song ist dazu auch noch von Prince. 😉

    Mein Fall ist sie ja ganz und gar nicht. Schön aber, dass es euch gefallen hat.

    #3899

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