Suche

SERJ TANKIAN: „Elect the Dead“

15. November 2007

Nun gehen sie also erst einmal getrennte Wege: die amerikanisch-armenischen Chaoten von System of a Down, die allen Konventionen bisher den blanken Hintern gezeigt haben. Ein bisschen wurde das schon im Jahr 2003 deutlich: Wer die Kreativität eines Daron Malakian oder Serj Tankian besitzt, braucht einfach mehrere Baustellen, um sich auszutoben.

So bereits geschehen im Jahr 2003: Serj gründete Serart zusammen mit seinem türkischen Compagnon Arto Tunçboyaciyan, der schon seit Dekaden irgendwo zwischen Ethno und Jazz hausiert. So richtig mitbekommen hat das vor vier Jahren keiner… was der exzellenten Experimental-Qualität des bisher einzigen Albums mit gleichem Namen aber keinen Abbruch tut. Doch Serart war eindeutig zu verdreht für den Markt…

However, Wunderstimme Serj Tankian wirft also nun mit dem aktuell erschienenen „Elect the Dead“ den ersten wirklichen Solo-Stein. Und dieser wiegt schwer, trifft mit fettem Riffing in „Empty Walls“ den Hörenden mächtig unerwartet vor die Rübe, um dann in 12 individuelle Kieselsteine zu zerfallen, die folgende Namen tragen und sich allesamt sehr handlich aufsammeln lassen:

Elect the Dead – (19.10.2007)
SERJ TANKIAN: “Elect the Dead” (2007)
1. „Empty Walls“ – 3:49
2. „The Unthinking Majority“ – 3:46
3. „Money“ – 3:53
4. „Feed Us“ – 4:31
5. „Saving Us“ – 4:41
6. „Sky Is Over“ – 2:57
7. „Baby“ – 3:31
8. „Honking Antelope“ – 3:50
9. „Lie Lie Lie“ – 3:33
10. „Praise the Lord and Pass the Ammunition“ – 4:23
11. „Beethoven’s C***“ – 3:13
12. „Elect the Dead“ – 2:54

Das Solodebüt, welches logischerweise über Serjs eigenes Label Serjical Strike erscheint, gibt es auch als Special Edition mit Bonus-CD. Neben zwei zusätzlichen Tracks gibt es zwei Akustiksongs obendrein. Hiermit konzentriere ich mich aber auf die reguläre Albumversion, die der charismatische SOAD-Fronter fast komplett im Alleingang kreiert und aufgenommen hat. Übrigens stellt ein gewisses Serj-Interview ein wunderbares Zeugnis dieser Do-it-Yourself-Attitüde dar: Dieses führte das Genie ganz klar mit sich selbst, denn Mr. Tankian versteht seine eigenen Fragen sicher am besten… Wirklich sehens- und hörenswert, eine Parodie auf die Pressewelt, vielleicht auch auf sich selbst, dieser Mann ist der geborene Entertainer! Gucken! —>

Ganz allein (oder mit sich selbst multipliziert) war Serj dann aber doch nicht: Zwar hat er zu 85% alles selbst gemacht, doch Unterstützung holte er sich zum Beispiel vom System of a Down-Schlagwerker John Dolmayan, der hier einmal mehr hervorragende Rhythmusarbeit leistet, die Tankians Groove – den hat er egal bei welchem Timing – bestens untermauert. Neben seinem unverwechselbaren Gesang in all seinen Facetten – meckernd, wimmernd, grunzend, shoutend, sachte dahintrauernd – ist Tankian jedoch für alle Gitarren, Basslines, Synths und Klavierklamauk selbst verantwortlich. Das Ergebnis klingt, wie es klingen muss: Wie ein zeitloses, trendloses und vielseitiges Rockwerk eines Clowns mit Message.

Kann man ihn eigentlich ernst nehmen? Zum einen ist da ganz klar die politische Note, die bei Tankian und SOAD schon immer präsent war: Titel wie „The Unthinking Majority“ oder „Praise the Lord and pass the Ammunition“ sprechen eine ganz deutliche Sprache. Auch die erste Singleauskopplung „Empty Walls“ ist einer dieser anklagenden Rocker. Dann gibt es da eine handvoll „Lovesongs“ wie „Saving Us“ oder „Lie lie lie“. Ersterer klingt schon irgendwie sehr ehrlich, wohingegen man dem letztgenannten nur eine Mütze Spaß, jedoch kombiniert mit musikalischer Finesse, zuschreiben kann. Doch gerade dieses Spannungsfeld macht „Elect the Dead“ und seinen Schöpfer zu etwas ganz Einzigartigem.

Serj Tankian hat also sehr gelungen vorgelegt. Was werden John Dolmayan und Daron Malakian mit Scars on Broadway bieten können? …
Jedenfalls wird Serjs „Elect the Dead“ keinen System of a Down-Fan enttäuschen, im Gegenteil: Mit seiner eingängien Tanzbarkeit können sogar diejenigen Gefallen finden, die bisher von der halbrecherischen Unberechenbarkeit SOADs abgeschreckt wurden. „Elect the Dead“ ist nämlich deutlich einfacher gestrickt, wenn auch hin und wieder mit sehr feinen Pianopassagen oder weiblichen Gesängen verfeinert oder mit Chaoswerken wie „Praise the Lord and pass the Ammunition“ an seelige SOAD-Tage erinnernd. Hoffen wir, dass es sowohl mit solch grandiosen Solowerken, als auch mit System noch lange weiter geht.

Euer nächster Schritt werden nun ein paar mehr Videos sein, danach ist der Gang zum Recorddealer empfohlen…

Videos:
„Empty Walls“ (Videoclip @ YouTube)
„The Unthinking Majority“ (Videoclip @ YouTube)
„Saving Us“ (Videoclip @ YouTube)

Übrigens ist auch die offzielle Serj Tankian Homepage www.serjtankian.com einen Besuch wert. Hier gibt es neben einem schicken Design, Infos zum Album/zur Person Tankians und den Lyrics auch alle bisher erschienen Videos anzuschauen/anzuhören. Und wie es aussieht, werden mit der Zeit auch aus den bisherigen Standbildern der restlichen Tracks des Albums lohnenswerte Clips mit Audiostream in Volllänge…

But so far: Enjoy the Pizza, ye sofa-farting Serj producer!

Weitere Meinungen zur Scheibe:
„Empty Walls“ @ Sozlog.de,
Serjs Limited Edition @ Jeriko One,
ausgiebige Analyse @ Herm’s Farm

Keine Kommentare

  1. MGE

    das album rockt schon sehr!!…ich hab mir aber nur die normale album-version geholt…über nochmal fast 10euro drauf packen für ne bonus cd, hab ich dann doch nich eingesehn :))

    und danke für den tipp mit Serart…die kenne ich noch nicht…muss ich demnächst mal reinhörn.

    #666

Schreib einen Kommentar