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„Seasons of tragedy“ von BENEDICTUM in der Track-by-Track-Attack

19. Januar 2008

Am 25. Januar ist es endlich soweit, dann erscheint das neue Album „Seasons of tragedy“ von BENEDICTUM, dem wohl heißesten Newcomer der letzten Jahre in der Sparte Heavy Metal. Das formidable Debüt-Album dieses Quintetts aus San Diego schlug vor zwei Jahren wie eine Bombe in der Szene ein. Optisches wie stimmliches Aushängeschild der Truppe ist die atemberaubende Veronica Freeman, die sich freundlicherweise bereit erklärte, das aktuelle Werk zusammen mit Katrin und dem Master of Disaster einer detaillierten Analyse zu unterziehen. Doch lest selbst…

„Seasons of tragedy“ – Track-by-Track-Attack

Benedictum - Seasons of Tragedy (2008)M.o.D.: Vorneweg muss ich gleich noch mal betonen, wie genial und großartig ich das BENEDICTUM-Debüt „Uncreation“ fand und immer noch finde. Knackige Härte, tonnenweise Feeling und Atmosphäre, tödlich geile Melodien und eine Eindringlichkeit, Unwiderstehlichkeit und Durchschlagskraft, wie man sie ganz selten hört. Und so eine Meisterleistung schon auf dem Erstling, da musste einem ja angst und bange werden, was diese grandiose Band uns wohl noch so alles auftischen würde. Mit bebender Ehrfurcht habe ich mich also auf den sehnsüchtig erwarteten Nachfolger „Seasons of tragedy“ gestürzt.

Dawn of seasons (Intro)

M.o.D.: Ich will ja eigentlich nicht gleich zu Anfang stänkern, aber Intros finde ich fast immer langweilig und überflüssig. Dieses hier auch….

Katrin: Was dieses hier angeht, muss ich dir recht geben. Eine im Großen und Ganzen straight forward spielende Combo wie BENEDICTUM braucht so ein „Bling-Bling“ nicht. Aber das hatte man auch schon bei deinem geliebten Erstalbum. Übrigens muss auch ich sagen, dass das Debüt verdammt stark war. Das hatte zwar mit ‚Misogyny‘ oder ‚Them‘ auch ein paar nicht ganz so krachende Nummern, aber trotzdem schaute ich diesem Zweitling ebenso mit Spannung entgegen. Und ehrlich gesagt kurbelte dieses ‚Dawn of seasons‘-Intro beim ersten Mal eben jene Spannung noch weiter an, doch mittlerweile finde ich es auch verzichtbar.

Shell shock

M.o.D.: Maschinengewehr-Drums zum Einstieg, ein Riff wie ein rohes Stück Fleisch, Fuß aufs Gaspedal, dann diese gleich wieder mächtig unter die Haut gehende Metal-Röhre von Veronica. Der Chorus ist dermaßen Old School, dass er sogar auf eine Anvil-Platte passen würde. Sehr geile , so was geht live immer ab wie ein geöltes Zäpfchen. Headbanger-Nummer

Katrin: Von mir aus hätte das Album auch gleich so los gehen können, das wäre der optimale „Hails, ihr Metal-Ärsche, wir sind zurück und haben wieder eine Menge zeitlosen Schwermetall mitgebracht!“-Opener gewesen. Der Old School-Einschlag ist ganz klar den Background-Shouts der Männerschaft zu verdanken, schön straight und ohne Schnörkel.

Burn it out

M.o.D.: Spätestens hier fällt auf, dass „Seasons of tragedy“ erdiger und rauer geworden ist als das Debüt. Dieser Song ist zu Beginn etwas unauffällig, doch der gewaltige, schnelle Mittelteil mit dem beschwörend lockenden Gesang von Veronica („I want it…FASTER…!“ – Da kriegt man ja Gänsehaut, zumindest als Mann…!) und den mitreißenden Soli reißt alles wieder raus. Drummer Paul hat unglaublichen Dampf auf den Kesseln, beeindruckend wie der seine Mannschaft immer wieder nach vorne peitscht.

Katrin: Haha, da weißt du ja wie es mir immer geht, wenn Burschen wie Jorn Lande oder Nils Patrik Johansson zum Gesang ansetzen…! Ich finde diese Entwicklung in Richtung mehr Eingängigkeit und Heaviness sehr begrüßenswert, ganz exquisit ist das Songwriting ja immer noch, ‚Burn it out‘ allein ist dafür schon Beweis genug. Trotzdem irgendwie ganz schön klischeehaft, diese Nummer: Metal-Babe auf einer fetten Harley. Stichwort Weiblichkeit, instrumentalisiert zu Promo-Zwecken: Es gab ja auch diesen mehr oder minder gelungenen BENEDICTUM-X-mas-Kalender, der immer noch auf der Homepage des Labels Locomotive Records zu bewundern ist. Bei einer Band mit männlichem Sänger hätte man so eine Aktion wohl nicht gestartet, oder!?

Veronica Freeman (Benedictum, 2007)Veronica: Ach, darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. Ich nehme an, die von Locomotive haben aus all am angesammelten Photo-Material die Bilder rausgesucht, die sie am interessantesten fanden. Die Idee dahinter war es, den Fans ein bisschen was von uns und unseren Hobbies zu zeigen. Ich mag nun mal auch schwere Maschinen und den Temporausch. Außerdem gehe ich übrigens sehr gerne tauchen, ich kann ehrlich gesagt gar nicht genug davon kriegen!

M.o.D.: Wirklich? Wie cool, ich und meine Frau sind auch begeisterte Taucher. Im Taucheranzug sieht man in der Tat deutlich weniger sexy aus als in Lederkluft auf dem Motorrad…

Bare bones

M.o.D.: Mordsmäßig fett groovendes Riff, herrlich schleppend stampfendes Metal-Monster mit toller Bridge und gigantischem Chorus – ich liebe diese Nummer, bis jetzt das absolute Highlight!! ‚Bare bones‘ hat alles, was ich schon an „Uncreation“ geliebt habe: diese ungebändigte Leidenschaft, dieses göttliche Songwriting-Händchen, dieser unverfälschte und doch gar nicht angestaubte Metal-Spirit. Auch hier sind die prächtigen Soli wieder unverzichtbarer, integraler Bestandteil des Songs und nicht nur eher beliebiges Beiwerk. Hach, ist das schön…!!

Katrin: Das geniale Solo im Mittelpart, leider etwas kurz geraten, hat übrigens George Lynch (ex-Dokken) beigesteuert. Das ist schon ein cooler Typ und wird von BENEDICTUM-Gitarrist Pete Wells als ganz besonderes Vorbild genannt. Aber wenn Pete selbst so weitermacht – ein Klassikerriff nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelt und weiterhin so eine präzise Rhythmusarbeit verrichtet wie hier bisher auf „Seasons of tragedy“ – dann braucht er sich hinter solchen Namen nicht mehr zu verstecken. Bis hierher hätte man schon noch irgendwie denken können, dass hier ein Kerl singt, aber man höre dann nur einmal diese verlockende Bridge: BENEDICTUM können auch hochmelodisch sein, wenn sie wollen… ganz klar ohne Kindergartenmelodien!

Within the solace

M.o.D.: Ganz klar Doom-beeinflusster Song, sehr intensiv und majestätisch und mit einer ganz außergewöhnlichen Gesangsleistung, selbst für Veronicas Verhältnisse. Man sieht förmlich vor seinem inneren Auge wie sie sich in den düsteren Tiefen dieses Songs windet, wie sie leidet, schreit, kämpft und siegt. Außerdem ist die Langzeitwirkung dieses bemerkenswerten, tollen Tracks enorm, er wächst mit jedem Hören noch mehr und will bald gar nicht mehr raus aus dem Kopf.

Katrin: Ja doch, das hier ist ein verdammt geiler, doomiger Gitarren-Groover, der gut und gerne auch auf einem frühen Black Sabbath-Album hätte stehen können. Im nächsten Augenblick, oder gerade am Anfang des Songs, geht es aber so locker-flockig zu, dass man sich wundert, so viel Abwechslung in einem doch sehr klassischen Heavy-Song zu finden. Und das alles nahtlos verbunden. ‚Within the Solace‘ ist definitiv auch einer meiner Favoriten. Es frisst sich förmlich in Gehirnwindungen hinein, dieses „VENGEANCE IS MINE!!!“ oder „There’s a dark cloud coming…“ und der darauf folgende Vokalwahnsinn. Ich würde es ja glatt mitbrüllen, aber ich glaube das klänge einfach nur lachhaft im Vergleich zu dieser Powerfrau. Eigentlich ein guter Zeitpunkt, die Dame mal zu befragen, wo sie denn dieses famose Organ aufgegabelt hat und wie es schließlich zu BENEDICTUM gekommen ist…

Veronica: Oh, ich habe sehr früh mit dem Singen angefangen, das war noch zu den Zeiten, wo Dinosaurier die Welt beherrschten, hahaha! Mein Aha-Erlebnis mit dem Heavy Metal verdanke ich Dio-Gitarrist Craig Goldy, der mich auch dazu ermutigt hat, es mal mit dem Singen zu versuchen. Ich war dann bei verschiedenen Bands hier in San Diego, aber das war alles nichts Ernstes, nichts Erwähnenswertes. Danach habe ich eine längere Pause gemacht, bis ich schließlich Pete begegnete. Wir haben angefangen, Songs zusammen zu schreiben und zu jammen. Wir waren zunächst in einer Band namens Malady, die zwar ganz gut war, aber nicht sehr ambitioniert, über lokale Berühmtheit sind die nicht hinaus gekommen. Pete und ich beschlossen irgendwann, eine eigene Band zu gründen und das Ding richtig groß aufzuziehen. Wir wollten unbedingt einen Plattenvertrag haben und auf Tour gehen. So sind BENEDICTUM entstanden. Craig Goldy hat uns sehr unterstützt am Anfang, er hat uns auch mit Jeff Pilson (ex-Dokken) in Kontakt gebracht, der unsere ersten Songs produziert hat.

Katrin: Und was tut man als Frau, vor allem bei den sehr aggressiven Parts, die gerade bei ‚Within the Solace‘ so gelungen sind, um die Stimme fit zu halten?

Veronica: Gesangsunterricht oder so hatte ich nie, wenn du darauf hinaus willst. Ich passe aber sehr gut auf meine Stimme auf. Das Wichtigste ist, nicht zu dehydrieren, ich trinke immer jede Menge Wasser während der Proben und Aufnahmen, das ich zuvor ein bisschen angewärmt habe, nicht zu viel, nur ganz wenig. Ich muss aber auch zugeben, dass ich immer noch sehr viel dazu lerne über meine Stimme, über ihre Stärken und Schwächen.

Beast in the field

M.o.D.: ‚Beast in the field‘ schlägt in eine ähnliche Kerbe wie ‚Shellshock‘, sehr traditionell und gradlinig, exzellente Gitarrenarbeit, schlicht und ergreifend 100% Pure Heavy Fuckin‘ Metal! Ebenfalls wie geschaffen für die Bühne, das Teil. Der Flüsterpart in der Mitte erinnert mich total an einen Song vom Metal Church-Debüt, ich glaube in ‚Beyond the black‘ kommt die entsprechende Passage vor. Der Übergang von diesem Part zurück zum Chorus ist perfekt gelöst und lässt die Hookline noch mal in besonderem Glanz erstrahlen. Außerdem mag ich es, wenn Songs in einem apokalyptischen Baller-Gewitter enden, hört man viel zu selten heute…!

Benedictum 2007Katrin: Dieser Track hier ist für mich die absolute Offenbarung! Fängt ruhig an und dann wird die Bestie frei gelassen: Wird immer melodramatischer, und dieser nach vorn peitschende Gitarrendrive ist einfach wunderbar. „Children ruuuun!“, kann man da nur sagen… Genau, und dieses apokalyptische Geknatter am Ende ist einfach nur der Wahnsinn!

Veronica: Hey, das freut mich sehr, dass ihr diesen Song so sehr mögt, ist auch einer meiner Lieblingstitel. Am meisten mag ich aber den Titelsong ‚Seasons of tragedy‘, der ist so episch und vielseitig, hat uns sehr viel Mühe gekostet das Ding zusammen zu schrauben…

Katrin: Der Song kommt auch noch dran… immer schön der Reihe nach, hehehe!

Legacy

M.o.D.: Dieser Song macht mich etwas ratlos. Eine wirklich schlechte Nummer können BENEDICTUM glaube ich gar nicht schreiben, aber ‚Legacy‘ fehlt doch das gewisse Etwas, zumal der Refrain auch nicht richtig explodiert. Recht schlicht das Ganze und berechenbar, kann das bisherige Niveau jedenfalls für mich nicht halten.

Katrin: Zum Atemholen finde ich diesen Track gar nicht schlecht. Aber stimmt schon, ein echter Brüller liegt uns hier nicht vor. Da gibt es auch nicht viel mehr zu sagen, gehen wir lieber über zum nächsten Highlight…

Nobodies victim

M.o.D.: ‚Nobodies victim‘ – ein gutes Motto! Die Strophen rocken wie die Hölle, die bedrohlich grollende Bridge leitet über in einen erneut unbeschreiblich eindringlichen und emotionalen Chorus, den ich mit jeder Faser des Körpers aufsauge, mich ihm sozusagen willig hingebe. Die markerschütternden Schreie am Ende können es definitiv mit den ekstatischsten Momenten eines Jon Oliva aufnehmen. Fantastischer Song!

Katrin: Auf jeden Fall wieder besser als ‚Legacy‘. Man bemerke auch die deutschen Zeilen der Backgroundsänger-Belegschaft innerhalb des Refrains. Klingt cool, aber warum gerade was Deutsches?

Veronica: Haha, der Hauptgrund ist eigentlich, dass ich mit einem deutschen Mann verheiratet bin. Ich fand es eine lustige Idee, extra für ihn ein paar deutsche Zeilen hier einzubauen.

Balls to the wall

M.o.D.: Frage an Radio Eriwan: Brauchen wir wirklich eine Cover-Version von ‚Balls to the wall‘? – Antwort: Im Prinzip nein, kommt aber drauf an, wer sie einspielt. BENEDICTUM treffen das Feeling der Nummer ganz hervorragend, einen solchen Überklassiker kann man gar nicht anders covern als möglichst nah am Original zu bleiben. Veronica hat mit Udo röchelnd raunender Phrasierung jedenfalls keine Probleme und auch die legendäre Gitarrensprache von Wolf Hoffmann und Hermann Frank wird erstaunlich authentisch wieder gegeben. Somit macht es dann auch mächtig Spaß, diesen Gassenhauer der heißesten Solinger Stahlschmiede mal wieder zu hören.

Katrin: Fand ich schon beim Debüt-Album klasse: Damals hatte man ja auch so ziemlich eine 1:1-Kopie von ‚Heaven and Hell‘ abgelegt, aber eine verdammt noch mal richtig geile! Auch ‚Mob rules‘ hat da am Ende gepasst. Ich bin eigentlich froh, dass Veronica dann doch nicht gar so sehr dem Udo nacheifert, ich kann seine Stimme nämlich absolut nicht leiden. Accept mit Mrs. Freeman am Gesang, das wäre perfekt gewesen!

Veronica: Diese Cover-Version war meine Idee. Ich fand die Vorstellung sehr lustig, als Frau gerade diesen Song zu singen, den ich übrigens sehr liebe. Daher habe ich mich mal dran versucht. Jeff Pilson fand den Einfall auch super, aber ich habe zwischendurch ehrlich gesagt mal ziemlich kalte Füße gekriegt, und war mir nicht sicher, ob ich das hinbekomme. Aber schlussendlich hatten wir doch jede Menge Spaß beim Aufnehmen.

Katrin: Neben Sabbath und Accept, welche musikalischen Helden hast du sonst noch?

Veronica: Vor allem Queen und Rush.

M.o.D.: Oh, dann kriegen wir auf dem nächsten Album ‚Another one bites the dust‘ und ‚Tom Sawyer’… oder doch lieber ‚Fly by night‘!?

Katrin: Kann ich mir aber jetzt nur ganz schwer in BENEDICTUM-Versionen vorstellen…

Steel rain

M.o.D.: Bis hierher bin ich von „Seasons of tragedy“ schwer begeistert, der Rest soll wohl für Abwechslung sorgen und Vielseitigkeit demonstrieren. Wie sonst lässt sich zum Beispiel eine leicht kitschige und etwas flügellahme Halbballade wie diese hier erklären. Nach ‚Legacy‘ der zweite kleine Durchhänger. Klingt für meine Ohren eher nach den unsäglichen Schmalzkrachern von Doro als nach BENEDICTUM.

Veronica Freeman<Veronica: Mir gefällt zunächst mal, dass du von einer Halbballade sprichst. Ich habe lange überlegt, ob wir den Song aufs Album nehmen sollten. Im Hinterkopf hatte ich in der Tat zu zeigen, dass wir auch noch was anderes können als straighte, aggressive Nummern. Gegen Ende nimmt das Lied ja noch mal richtig Fahrt auf.

Katrin: Erinnert mich stark an die Ballade auf dem letzten Album von Vainglory, wohl DIE andere nennenswerte Band der “New Wave of Female-Fronted Heavy Metal”… wenn man bei zwei herausragenden Bands denn von einer Welle sprechen kann, hahaha. Jedoch fand ich deren „Undying Love“ wesentlich besser als ‚Steel rain‘ hier. Ehrlich gesagt mag ich auch ganz gern mal einen Schmalzkracher. Dann muss er aber wirklich von vorn bis hinten packen.

Veronica: Ich kenne Vainglory und ich finde diese Band fantastisch! Ein Journalist, mit dem ich ein Interview hatte, machte mich auf Vainglory und deren Album aufmerksam. Er war total begeistert von der Platte und meinte, sie würde ihn sehr an BENEDICTUM erinnern. Da musste ich mir die CD natürlich unbedingt besorgen. Über Doro könnte ich stundenlang reden und hätte immer noch lange nicht alles aufgezählt, war ich großartig an ihr finde. Sie hat mich definitiv beeinflusst, in den letzten Jahren sogar noch mehr als am Anfang. Es war ein tolles Erlebnis mit ihr zu touren, mit ihr zu reden und zu schauen, wie sie mit sich und dem ganzen Musik-Zirkus umgeht. Ich habe eine Menge von ihr gelernt.

Seasons of tragedy

M.o.D.: Der Titeltrack zum Schluss – ein Song, der erst nach 11 Minuten und 37 Sekunden die Ziellinie erreicht. Der indisch anmutende Singsang am Anfang ist schon ziemlich schräg…

Katrin: Ich find den ziemlich scheiße, das klingt als wäre jemandem beim Mix ein kleiner Unfall mit BENEDICTUM und der unsäglich dummen Electronica-Scheibe aus dem Nachbarstudio passiert… oder was war da die Intention?

Veronica: Weiss nicht genau, was du meinst… jedenfalls hat dieser meditative Gesang eine tiefere Bedeutung. Es werden die hinduistischen Chakras, die Energiezentren des Körpers, besungen, der Song insgesamt handelt vom Weg zu Erleuchtung.

M.o.D.: Danach geht es sehr gut los, zwar etwas sanfter und hardrockiger als gewohnt, aber absolut packend und spannend. Doch mit der Zeit kommt ein bisschen ein Problem auf, denn ‚Seasons of tragedy‘ ist eigentlich nicht als Longtrack konzipiert. Nach etwas mehr als vier Minuten ist der Song eigentlich zu Hause, auf seine Länge kommt er lediglich durch einen ziemlich in die Länge gezogenen Instrumentalpart, der nicht zu den inspiriertesten Momenten der Platte gehört, und das häufigere Wiederholen des Hauptthemas. Meiner Meinung nach hätte diese Nummer mit halber Spielzeit deutlich kompakter und besser geklungen.

Katrin: Da muss ich dir recht geben: Das Hauptthema ist wirklich sehr gelungen, aber hier wollten BENEDICTUM irgendwas beweisen, wozu sie wohl nicht geeignet sind – dramatische, lange Songs schreiben halt andere Bands. Muss zugeben, dass ich schon nach ein paar Minuten auf die Stop-Taste drücke. Schade, dass ein so starkes Album auf diese Weise enden muss.

„Seasons of tragedy“ – Das Fazit

M.o.D.:
Mein Fazit lautet: BENEDICTUM legen mit „Seasons of tragedy“ unterm Strich einen würdigen Nachfolger für „Uncreation“ vor, auch wenn die Magie, Kreativität und Genialität des überirdischen Debüts nicht ganz erreicht wird. Pflichtprogramm für Metalheads ist das neue Album trotzdem zweifelsfrei. Allein die galaktisch geilen zwanzig Minuten von ‚Burn it out‘ bis ‚Beast in the field‘ zwingen förmlich zum Erwerb dieser Scheibe. Zwei weniger gelungene und einen künstlich in die Länge gezogenen Song kann man da schon verschmerzen. BENEDICTUM bestätigen ihre Ausnahmestellung im metallischen Paralleluniversum, denn mit soviel Hingabe, Kunstfertigkeit und Energie wird zur Zeit kaum irgendwo dem Gott des Edelstahls gehuldigt. Auch wenn die begnadete Veronica Freeman das Aushängeschild der Truppe bleiben mag, der erneute Triumph mit „Seasons of tragedy“ ist vor allem das Ergebnis einer geschlossenen, bärenstarken Mannschaftsleistung.

Katrin:
Und an dieser Stelle muss ich erstmal deutlich hervor heben, welch großen Schritt nach vorn Petes Gitarrenarbeit gemacht hat: Die war ja schon auf dem Debut sehr amtlich, aber hier geht es noch deutlich straighter und druckvoller zur Sache. Ich kann und will mich nicht festlegen, ich halte beide Alben für gleich gut: „Uncreation“ ist, wie du schon heraus gestellt hast, die etwas abwechslungsreichere Platte, während „Seasons of tragedy“ noch einen Tacken mehr Zunder hat. Kurzum, es ist sicherlich kein Fehler, sich beide BENEDICTUM-Scheiben zu krallen.

Veronica:
Ich bin immer noch glücklich und erleichtert, dass wir das zweite Album geschafft haben und es bald erscheint. Wir haben während der Aufnahmen sehr viel gelernt und hatte eine sehr intensive Zeit im Studio. Leider haben wir noch nichts Konkretes in Sachen Tournee gehört, ich würde für mein Leben gern mit dieser Platte im Gepäck in Europa und den Staaten spielen. Wir haben mit BENEDICTUM einen sehr guten Start hingelegt und hoffen, dass die ganze Sache langsam aber sicher weiter wächst und gedeiht. Ich möchte mich noch ganz herzlich bei euch bedanken für euer Interesse an uns und für eure Unterstützung. Leute wie ihr, die uns helfen, der Namen BENEDICTUM bekannter zu machen sind sehr wichtig für uns!

Surftipps:
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