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Schwere Neukost bei Denovali Records…

24. September 2011

…wobei Neukost nur bedingt stimmt. Während die Instrumental-Gebirgskettenmetaller OMEGA MASSIF tatsächlich mit „Karpatia“ schwerwiegenden neuen Stoff auftischen, haben die Labelkollegen KODIAK ihr Schaffen der letzten zwei Jahre auf einer Doppel-CD zusammengefasst, an der man noch lange zu kauen haben soll, bekommt man hier doch satte 2x 60 Minuten dronige Urgewalt zum normalen Albumpreis geboten.

Kodiak – s/t

Für all jene, die Kodiak also noch nicht kennen und klischeefreie Brachialmusik für die kommenden düstereren Tage suchen, ist der gleichnamige CD-Doppelschlag eine richtig gute Investition. Zwar gibt es die beiden 20-Minüter „Beginning“ und „End“ von der ebenfalls „Kodiak“ betitelten LP mittlerweile zum kostenlosen Download, aber die Anschaffung dieser neuen Doppel-CD lohnt dennoch, weil alle hier bisherigen Kodiak-Stücke, einschließlich der Tracks, die auf den Splitscheiben mit Black Shape of Nexus und Nadja erschienen sind, vereint zutage treten. Nach dem fulminant-hypnotischen Monotonfinale von „End“ als Highlgiht gibt es auf der ersten CD dann noch das B.SON-Gegenstück von 2009 und ein bisher unveröffentlichtes Stück der gleichen Ära: „By the Sea“. Beide Tracks knüpfen nahtlos an den etablierten Stil an: Zwar noisiger und etwas fieser gestrickt, aber trotz dieser sehr mächtigen Urwüchsigkeit langsam weitwandernder Gitarrenwände schaffen es die Herren aus Gelsenkirchen ein ums andere mal, filigranere Details in ihre klirrekalte arktische Landschaft zu weben, sei es nun mit elektronischen „Störgeräuschen“ oder einem zaghaft dahingemalten Cello.

Die zweite Scheibe wird durch die Pestepidemie-Vertonung „MCCCXLIX the rising end“ (ursprünglich enthalten auf der Split-EP mit Nadja) und die Kollaborationen mit N würdig komplettiert. Erneut überzeugt der gelungene Spannungsaufbau: Weite und Dynamik werden voll ausgereizt, lullen den Hörer ein, lassen ihn zusammenschrecken und frösteln. Während ersteres Stück mit dem beklemmenden Klavier, ganz spartanisch eingesetzt, sowie den zerrenden Gitarrendehnübungen gehörig auf die Psyche drückt und das wohl finsterste darstellt, was Kodiak bisher zu Platte gebracht haben, widmen sich die anderen beiden Stücke den chemischen Stoffen „Radon“ und „Xenon“, ähja, nagut, hab jetzt nicht so den Bezug dazu, aber immerhin wirken die beiden Gase auch musikalisch etwas luftiger und geheimnisvoller als der Einstieg in CD 2. „Xenon“ wirkt sogar geradezu melodisch und hätte auch auf einem Wüstenstaub-Album von Earth sehr gut Platz gefunden. Das Stück und somit die CD enden nur leider sehr abrupt. Alles in allem aber ist das „Kodiak“-Doppelpack eine sehr kaufenswerte Veröffentlichung, besitzt man als Fan nicht eh schon alle Einzelreleases.

Omega Massif – Karpatia

Beinahe zeitgleich wurde das zweite Album der mittlerweile recht angesagten Omega Massif veröffentlicht. Auch ihr Debütalbum sowie die kalt-EP sind über Denovali als Mp3s kostenlos zu bekommen. Mit diesen beiden Veröffentlichungen konnten die Franken bereits beweisen, dass sie auch ohne Gesang ihre eigene, ganz unverwechselbare Note haben. Hin und wieder meint man ein paar Referenzen zu hören: Der stampfende Sound und die bergriesigen Riffs und Shreds erinnern mich ein ums andere mal an die französischen Ökometaller Gojira oder gar an Mastodon, in luftigeren Passagen könnte man aber auch gut und gerne ein bisschen Long Distance Calling erahnen.

„Karpatia“ braucht gar nicht mal so lange, um sich in den Gehörwindungen festzusetzen. Das neue Material ist zwingend und verleitet ab und an sogar zum freudigen Mosh durchs heimische Wohnzimmer. Auf eine bestimmte Geschwindigkeit lässt sich die Band da nicht festnageln. Bereits in „Aura“ werden alle Register der Vielfalt gezogen und eine eben solche dichte Aura aufgebaut, die einen gekonnt mit einem lang ausatmenden e-Bow aus dem Alltag zerrt, hinein in die Karpaten, hinein ins groovende Vergnügen von „Wölfe“, in den maliziösen Sog von „Ursus Arctos“, versumpfen „Im Karst“ bevor es noch im gleichen Stück in schwindelerregende Höhen der Rage geht, episch groß und erhaben, nur noch überragt vom Titeltrack selbst, der doomig-dräuend eine Kamerafahrt entlang zerklüfteter Felszinnen wagt und nahtlos in ein zunächst sogar etwas verträumtes „Steinernes Meer“ mündet. Man merkt schon, so richtig kann man hier gar keinen Song hervorheben. Omega Massif ist hier eine untrennbare Einheit gelungen, die noch lange richtig unter die Haut geht und massig Wiedererkennungswert hat. Und gerade deshalb legt man „Karpatia“ trotz seiner Brachialität immer wieder gern in den Player… oder eben auf den Teller, denn „Karpatia“ ist ab sofort bei Denovali als Digi-CD und auch als 180g LP erhältlich für faire 13 bzw. 14 Euro erhältlich.

Beide Bands sind übrigens nächstes Wochenende auf dem Denovali Swingfest vertreten, eine Labelschau, die es erneut in sich hat, denn das Line-up ist wirklich vom Feinsten. Und dann touren Kodiak auch bald wieder und wir versuchen in Dresden dabei zu sein:

+ KODIAK + N
02.10.2011 Essen (ger) – Weststadthalle (Denovali Swingfest)
03.10.2011 Brussels (bel) – magasin 4
04.10.2011 Hamburg (ger) – Frappant
05.10.2011 Kassel (ger) – arm aber okay
06.10.2011 Freiburg (ger) – my way
07.10.2011 Karlsruhe (ger) – Jubez
08.10.2011 Dresden (ger) – AZ Conni
09.10.2011 Prague (cz) – 007
10.10.2011 Wien (au) – Rhiz
11.10.2011 Cluj-Napoca (romania) – tba
12.10.2011 Novi Sad (serbia) – cK13
13.10.2011 Triest (italy) – Tetris palace
14.10.2011 Velenje (slovenia) – Klub eMCe plac
15.10.2011 Nürnberg (ger) – Zentralcafe im Künstlerhaus

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