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Scarlett Johansson – Moment mal, die singt?!

22. Juni 2008

scarlettjohansson-01-big.jpgEs gibt kaum etwas überflüssigeres, peinlicheres und unästhetischeres als schauspielernde Popdiven. Man denke nur an den einen oder anderen Abstecher von Madonna in die schillernde Welt der B-Movies – da kann wahrscheinlich noch nicht mal Ehemann und B-Regisseur Guy Ritchie hinsehen.

Umso erstaunlicher, dass Schauspieler sich oft als verkappte Musicianship-Genies herausstellen: Joaquin Phoenix in „Walk the Line“ zum Beispiel hat auf ganzer Linie überzeugt, und auch Val Kilmers Performance als Jim Morrison in der Filmbiographie „The Doors“ gehört mit Sicherheit zu den Sternstunden des Musikfilms. Und während „House, M.D.“ Hugh Laurie zusammen mit ein paar Kollegen das weniger ernsthafte Projekt Band from TV am Leben erhält, ist Jared Leto mit seiner Band 30 Seconds to Mars, sagen wir mal, im größeren Stil erfolgreich.

Ob dieser Erfolg auch Scarlett Johansson, der Sängerin, vergönnt sein wird? Zumindest hat sie mit „Anywhere I Lay My Head“ vor kurzem ein Album veröffentlicht und besticht mit krude neu interpretierten Coverversionen von – anschnallen – Tom Waits. Das lässt bereits erahnen, dass wir es hier nicht gerade mit einem Crowd Pleaser tun haben. Und tatsächlich spaltet „Anywhere I Lay My Head“ Johanssons Hörer in zahllose Lager: Den einen ist die Platte zu uninspiriert, andere beschweren sich darüber, dass sie sich zu weit von den Original-Songs weg bewege – und gefühlte 90% der Zuhörer fragen sich, warum jemand, der nicht singen kann, es denn unbedingt trotzdem tun muss. Bleib bei deinen Rappen, Schusterin, und dreh lieber noch ein paar tolle Filme: Das scheint die überwiegende Mehrheit der Kommentareschreiber von Last.FM über youtube bis hin zu Amazon zu denken. Wenn Producer David Andrew Sitek im Booklet über einen der Songs sagt, „With ‚Falling Down’, our pursuit of making one song with both Kermit the frog and David Bowie on it became a success”, meint er jedoch nicht Scarlett, sondern den Herrn am Banjo mit Kermit. Immerhin.

Um all den vernichtenden Kritiken doch noch etwas Gutes abzugewinnen: Auf diese Art und Weise dürften viele mit nicht gerade hohen Erwartungen an das Album herangehen – und verdammt noch mal positiv überrascht sein! Denn, ja, das Album ist sperrig, und partytechnisch gesehen enthält es definitiv mehr Rausschmeißer als Abgeher. Aber trotzdem wohnt den Songs eine eigene Anziehungskraft inne, eine raue Schönheit, die nichts mit Glamour und hollywoodesker Perfektion zu tun hat und dadurch um so glaubhafter und ehrlicher daherkommt. Ohne Zweifel haben dazu alle anderen vertretenen Musiker mindestens genauso beigetragen wie Scarlett Johansson selbst. David Bowie gibt sich gleich bei mehreren Songs eindrucksvoll aus dem Hintergrund die Ehre. Und auch der Rest vom Schützenfest, sprich die Herren an den Instrumenten, verleihen Tom Waits’ Songs mit ihren Arrangements ein neues Gewand, das toll aussieht, ohne wirklich maßgeschneidert zu sein – eben eigenwillig. Schön. Ungewohnt und unerwartet.

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