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„Road of bones“, ein True Metal-Leckerbissen von IGNITOR

3. Dezember 2007

Freunde des klassischen US Power Metal hatten 2007 mehr als einmal Grund zum Jubeln und Feiern. Für so manchen Freudentanz rund um den heimischen True Metal-Altar wird auch „Road of bones“, das erste abendfüllende Werk der Texaner(innen) IGNITOR sorgen. Die Truppe um den ex-Agony Column-Gitarristen Stewart Lawrence, alias Batlord, erschien vor etwa drei Jahren mit einer exzellenten, selbstproduzierten EP namens „Take to the sky“ auf der Bildfläche. Dieses kleine Underground-Juwel enthielt famosen Power Metal irgendwo zwischen Judas Priest, Metal Church, Anvil und frühen Jag Panzer und verhalf IGNITOR zu einem Plattenvertrag beim kleinen, aber sehr feinen italienischen Label Cruz Del Sur. „Road of bones“ setzt nun den auf „Take to the sky“ angefangenen Weg konsequent fort: Messerscharfe Riffs und eindringlicher Sirenengesang tragen herrlich altmodische und dabei sehr lebendige und engagierte Songs, die im Lager der Traditionalisten für Begeisterung sorgen dürften. Besonders beeindruckend finde ich die energischen, mitreißenden Vocals von Erika Swinnich, die zuvor im Line-Up der experimentellen Dark Metaller Autumn Tears zu finden war. Ihre Stimme ruft bei mir Erinnerungen an Ann Boleyn und ihre Band Hellion wach, von der IGNITOR auch musikalisch nicht allzu weit entfernt sind.

Road of bonesSicherlich werden hier vom Outfit, über das Cover bis hin zu den Texten allen gängigen Klischees bedient, doch wenn das so ehrlich, spielfreudig und leidenschaftlich geschieht, tut das meiner Wertschätzung in der Regel kaum Abbruch. Vielmehr ist es sogar so, dass der leicht rumpelige, liebenswert perfektionsferne Charme von „Road to bones“ zum positiven Gesamteindruck durchaus beiträgt. Der großartige Titelsong zum Beispiel zieht gleich alle Register und lässt das Underground-Metal-Herz vor Freude hüpfen. ‚March to the guillotine‘ beginnt mit tollen melodischen Gitarren und entwickelt sich zu einem mächtigen, eingängigen Midtempo-Brecher. In dieselbe Kerbe schlägt das hymnische ‚Wings of the bladeheart‘, dessen Chorus das Gesetz ist, wenn ihr versteht, was ich meine. Das schnelle ‚Broken glass‘ bringt die Nackenmuskeln in Schwung und avanciert zudem noch schnell zum Ohrwurm. ‚God of vengeance‘ stößt in Epic Metal-Gefilde vor und macht dort eine sympathische Figur. Und zum Schluss gibt es dann sogar noch einen deutsch gesungenen Song namens ‚Reinheitsgebot‘ – eine ziemlich lustige Angelegenheit!

Da es halt auch den einen oder anderen schwächeren Song auf „Road of bones“ gibt, und die Performance insgesamt eher roh und ungeschliffen wirkt, dürften IGNITOR den Mainstream-Metal-Hörer wohl eher nicht erreichen. Wahre Maniacs und Puristen werden diese Band aber gerade für ihre Authentizität und Kompromisslosigkeit lieben. Darum sollten besonders diejenigen, die ihre zwanzig Jahre alten Demo-Tapes noch immer für das größte seit Erfindung der Currywurst halten, „Road of bones“ unbedingt haben. Vor allem Fans der bereits genannten Anvil und Hellion werden IGNITOR in ihr Herz schließen. Geheimtipp!!!

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