Suche

Rivulets – I Remember Everything (Review)

22. September 2015
Rivulets - I Remember Everything

Rivulets – I Remember Everything

Wenn Nathan Amundson, der alleinige Kopf hinter Rivulets, die Saiten anschlägt; dann ist es Zeit die Gedanken auf ein notwendiges Minimum herunterzufahren. Amundson räumt auf seinem neuen Album „I Remember Everything“ genug Platz für die eigene schwere Fülle im Kopf ein. Dass Roadmovie-artige Klänge nicht immer in verwegener und mysteriöser Gestalt auftreten müssen, kommt hier einmal mehr zum Tragen. Amundson beschränkt sich trotz namhafter musikalischer Unterstützung (unter anderem Alan Sparhawk, Mimi Parker und Chris Brokaw) auf den spartanischen Kern seines eigens erschaffenen „Organic Shoegaze“. Und schon setzt sich seine zehn Titel lange Traumzeit in Bewegung.

Behutsam natürlich. Wer Rivulets Schaffen bereits in der Vergangheit verfolgt hat, weiß was ihn erwartet. Wunderbare Trägheit in ihrer schönsten Form. Überzeichnete Selbstdarstellung oder aufdringliche Wiedererkennungsmerkmale sind hier unnötig. „I Remember Everything“ lebt von einer Schwerelosigkeit, die alles um einen herum aufzulösen scheint. Es braucht nicht viel, um diese Platte und ihrer leicht tanzenden Melancholie ins Herz zu schließen. Das minimalistische Spiel zwischen akustischen Elementen, Lo-Fi-Fragmenten und Amundsons verhalltem Gesang entwickelt eine Tiefe, die in seelische Abgründe eintaucht und dennoch nie an Auftrieb verliert. „Reinforced, Delicate“ gibt den Weg des fünften Rivulets Werk frei, der mit traumwandlerischer Sicherheit über all jene Abgründe hinwegführt, dem zu früh verstorbenen Indiehelden Jason Molina angemessen, wie eindringlich Tribut zollt, bevor er mit „Wrong All The Time“ dezent und flüsternd vorerst sein Ende erreicht. „I Remember Everything“ ist durchaus eine Herbstplatte. Aber feinsinnige Schönheit wie diese darf man auch gerne immer um sich haben.

Rivulets im Internet:
Homepage
Twitter
Bandcamp

Schreib einen Kommentar