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Review: Sigur Rós – Kveikur

23. Juni 2013
Sigur Rós - Kveikur

Sigur Rós – Kveikur

Der Sommer hält Einzug – und Sigur Rós entflammen mit „Kveikur“ wortwörtlich den Kerzendocht. Bereits im März zeichnete die EP „Brennisteinn“ den Grundriss der musikalischen Entwicklung des nunmehr siebten Albums einer Formation, die es schafft einen immer wieder sprachlos zurückzulassen, sobald die letzte Note verhallt. Der Vorgänger „Valtari“ sorgte für stark gespaltene Meinungen. Nicht jeder hatte die Geduld sich diesem verschwommenen, entrückt – formlosen Traumkoloss anzunehmen, der einem das Gefühl vermittelte auf dem Meeresgrund zu wandern. Nun folgt ein Jahr später – beinahe auf den Tag genau -„Kveikur“ und erhellt mit druckvoller Sanftheit selbst die entlegensten Ecken und Winkel. Für Jón „Jónsi“ Þór Birgisson, Georg „Goggi“ Hólm und Orri Páll Dýrason ist es die erste Platte als Trio. Und obwohl ein Großteil der Songs sicher schon vor dem Ausstieg ihres langjährigen Weggefährten Kjartan „Kjarri“ Sveinsson entstand, fließt diese Veränderung des Bandgefüges hör- und spürbar in „Kveikur“ ein.

Den wandelbaren Sound von Sigur Rós in wenige Worte zu fassen, stellt immer eine Hürde dar, die es mit geöffntem Herz und Gehör zu nehmen gilt. „Kveikur“ ist eindeutig offensiver und bemerkenswert groß geraten. Vom zeit – und raumlosen Traumkoloss zur gewaltigen Flutwelle, auf deren Schaumkrone abwechselnd Postrock und Ambient tanzen. Der Opener „Brennisteinn“ dröhnt ohne Umschweife in ein 8-minütiges Wechselbad von verstrickten Sounds und rockt dabei auch noch sehr. Im Laufe des Spielzeit wird dieses Wechselbad zum angenehmen Standard. „Hrafntinna“, das instrumentale „Var“ oder „Hryggjarsula“ bilden den versunkenen Ambientrahmen. Der Titelsong „Kveikur“ taucht dann gerne wieder in mystisch-knarzende Gefilde ab. Und da sind sie auch wieder – jene Tracks, die so schmerzlich vermisst wurden: mit „Ísjaki“, „Blapradur“ und „Rafstraumur“ erreicht die Flutwelle ihren Höhepunkt und zerberstet in alle Windrichtungen, anstatt dezent auszurollen. Mehr Bass, weniger ätherische Synth-Teppiche. Sigur Rós entwickeln sich zur Rockband, deren Einklang aus brachialer Ästhetik und diesem einzigartigen „Islands Glöckchen – Sound“ nur eins hinterlässt: Glücksgefühle.

Sigur Rós im Internet:
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Termine:
28.06.2013 – St. Gallen Open Air
23.11.2013 – Rockhal, Belval – Luxembourg
24.11.2013 – Jahrhunderthalle, Frankfurt
25.11.2013 – Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

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