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Review: Nine Inch Nails – Hesitation Marks

8. September 2013
Nine Inch Nails - Hesitation Marks

Nine Inch Nails – Hesitation Marks

Da hat uns der Trent aber ganz schön lange warten lassen. Diverse Seitenprojekte und einen oscarprämierten Filmsoundtrack später melden sich Nine Inch Nails mit „Hesitation Marks“ zurück. Das Spannende ist, dass man bei Trent Reznor nie weiß was einen erwartet. Zerstörerischer Industrial, eine instrumentale Mischung aus Electronica und Ambient – oder gar Pop? Die sich selbst zerfleischende Phase Ende der Achziger, Anfang der Neunziger, die Nine Inch Nails zu recht an die Spitze katapultierte, ist vorüber. Soviel kann man schon mal verraten. Die Zeit geht eben auch an Jemandem, der früher verdrogt durch die Stacheldrahtfelder seiner Seele zog nicht spurlos vorüber. Die Rasierklinge blitzt nur noch manchmal hervor, verpasst einem dann aber auch fiese unsichtbare Schnitte.

Zusammengefasst: die Nine Inch Nails haben Tempo rausgenommen, sind dabei aber bissig geblieben. Bereits der erste Track „Copy Of A“ tendiert anfangs ironisch – titelaufgreifend in Richtung Achziger, um dann in die NIN-typischen 8-bit-Sounds zu wechseln. Dazu singt Reznor geradezu sanft und schüchtern. Natürlich tauscht er den Samt spätestens bei der ersten Single „Came Back Haunted“ gegen den zornigen Mann ein. Das Video hierzu wurde von David Lynch gedreht. Eine perfekte verstörende Kombination. Es folgen weitere poppige und gar funkige Stücke („All Time Low“), bevor „Disappointed“ noch einmal tief in der Vergangenheit gräbt. Spätestens hier geht jedem NIN-Fan das Herz auf. Es ist faszinierend, wie gut sich das ein-Mann-Projekt über 25 Jahre gehalten hat, ohne jemals an Qualität einzubüßen. Wie sehr Trent Reznor immer noch überraschen kann – ohne dabei seine Wurzeln zu verwischen. „Hesitation Marks“ ist durch und durch ein gelungenes Nine Inch Nails-Album. Melodische Hits („Everything“) wechseln sich mit Ur-NIN-Tracks („Satellite“) ab. Und ja, die Dunkelheit lässt sich wohl nie ganz abstreifen, wenn man jahrelang in ihr gebadet hat. „I Would For You“ (!) und das brüchige „While I´m Still Here“ packen dann die musikalische Rasierklinge aus und gehen tief unter die Haut. Trent Reznor kann es immer noch. Ich habe nie daran gezweifelt.

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