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Review: My Sister Grenadine – spare parts

17. März 2013

My Sister Grenadine - Spare Parts (2013)

My Sister Grenadine – Spare Parts (2013)

Von wegen Ersatzteillager! Der Titel des neuen Albums der Berliner „Free Folker“ MY SISTER GRENADINE mutet wie ein Understatement an: „spare parts“ (dt. Ersatzteile) kann man hier mit der Lupe suchen und findet höchstens frische und unverbrauchte Ideen hinter jeder Ecke. Diese Musik ist kein Ersatz für irgendetwas, sie ist auch nicht zusammengeschraubt aus vielen Einzelteilen, die originär eigentlich gar nicht zusammengehören. Wir sprechen hierbei eher von Komponenten, die in verspieltem Einklang den Weg zueinander finden: Geige, Ukulele, Gesang und Trompete im Vordergrund, im Hintergrund Perkussion mit Papiertüte, Schreibmaschine und ein bisschen Schauer-Atmosphäre bietet die singende Säge. Doch ja, manchmal klingen die Töne hier durchaus ein wenig mechanisch, was jedoch nicht negativ gemeint ist: Eine rhythmisch quietschende Geige, repetativer Gesang und dazu eine stakkato gezupfte Ukulele mit einfachen Melodien – bei solch einem Minimalismus kann schon mal eine Trancewirkung eintreten, die gewollt sein dürfte, verwischt „spare parts“ doch nach eigenen Angaben die Grenzen zwischen Realität und Fantasie und ist „full of sharp thoughts and nonsense“.

Ein paar Beispiele? Highlights vielleicht? Auf jeden Fall das frech-eingängige „rickety rackety“, das spannend-geheimnisvolle „noah you or me“, das melodisch-verträumte „plans“ und das wunderschöne a capella-Stückchen „birdwatcher’s wife“. Ja, wenn alle drei Musiker, Angelina Kartsaki, Felix Koch und das „Köpfchen“ der Band, Vincenz Kokot, zusammen singen dürfen, klingt die Musik von My Sister Grenadine sowohl am aufregendsten als auch am ausgeglichensten. Nicht sooo gelungen? Geschmackssache. Hin und wieder neigen die Berliner zu etwas anstrengend klingender Kopfmusik, „modern art“ wirkt beispielsweise nach dem sehr harmonischen „birdwatcher’s wife“ eher unpassend, die kurzen Ausflüge in den Falsettgesang muten etwas albern an. Das kann Absicht sein. Nötig, um sich abzugrenzen, ist das aber nicht, denn die Berliner klingen ohnehin recht unvergleichbar und schubladenlos. Aber hört euch das am besten mal selbst an, schließlich kann man sowohl die Songs von „spare parts“ als auch die des Vorgängerdoppelalbums auf der Bandcampseite des Trios vollständig streamen. Besser noch: Seht euch die Band live an, denn da kommt das ganze Instrumentarium sowie die Fähigkeit des spannenden Zusammenspiels sehr gut zur Geltung. Mal abgesehen davon bekommt ihr eine absolut sympathische junge Band geboten, also hingehen zu den nächsten Terminen:

17.03. DE – Darmstadt, Kaffeehaus Eberstadt
19.03. DE – Tübingen, Wilhelma / with doomenfels
20.03. DE – Stuttgart, Galao
21.03. DE – Fürth, Babylon
22.03. DE – Jena, Theatercafé / with canned applause
23.03. DE – Kassel, Das H*** / with tonflation
24.03. DE – Hildesheim, Haus der Braut ›› Ballsaal Trillke / with masha qrella & aus
26.03. DE – Osnabrück, Freiraum Petersburg
27.03. DE – Castrop-Rauxel, Bahia de Cochinos
28.03. DE – Weimar, Jenaer Straße / with canned applause
29.03. DE – Chemnitz, Wäscheboden
30.03. DE – Dresden, Nikkifaktur

MY SISTER GRENADINE im Internet:

www.mysistergrenadine.com

My Sister Grenadine @ Facebook
My Sister Grenadine @ Bandcamp

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