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Review: Múm – Smilewound

15. September 2013
Múm - Smilewound

Múm – Smilewound

Etwas Gutes braucht eine gewisse Zeit um zu wachsen. Múm haben sich für „Smilewound“ genau diese Zeit genommen. Von der letztjährigen Veröffentlichung „Early Birds“ – einer Sammlung von B-Sides – mal abgesehen sind vier Jahre seit „Sing along to songs you don´t know“ vergangen. Das isländische Kollektiv wechselt seine Besetzung bekanntermaßen recht häufig. Für „Smilewound“ kehrte jedoch Gründungsmitglied Gyða Valtýsdóttir zurück. Ein Gewinn für die verbliebenen Gunnar und Örvar – nicht nur in musikalischer Hinsicht. Während der Vorgänger mehr Fragen aufwarf als er Antworten spendete und damit viele Hörer, sowie Kritiker etwas ratlos dastehen ließ, vollziehen Múm auf „Smilewound“ eine weitere Kehrtwende. Stillstand und zähes Verharren in alten Strukturen kann man ihnen zumindest nicht vorwerfen. Überraschen, das können Múm. Und zwar besser als je zuvor.

Der Sound ist insgesamt flüssiger geworden. Múm machen Pop-Musik. Und auch als Fan ihrer frühen Werke, die wie ein verzaubertes Kaleidoskop klangen, muss man eingestehen, dass sie ihre Sache auf Album Nummer sieben wirklich gut machen. Das geliebte Gefrickel ist nach wie vor fester Bestandteil, fügt sich jedoch harmonisch in die Melodien ein und steht nicht losgelöst für sich selbst. Und Melodien – jene, die einem schon nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Kopf gehen – gibt es auf „Smilewound“ genug. Die erste Single „Toothwheels“ kommt z.B. so groovy und R&B-lastig daher, dass man sie den Isländern anfangs gar nicht zuordnen würde. Analoge Klänge treffen auf elektronische Beats und werden von Elfenstimmen eingerahmt. So gestaltet sich die gesamte Platte, was ihr etwas kompaktes und gewaltiges verleiht. Múm schrauben das Tempo hoch – der verträumte Unterton anderer Titel bleibt. „Candlestick“ beginnt als Arcade – Spiel und entwickelt sich zu einem astreinen Popsong. Ohrwurmpotential inklusive. Die Vergangenheit lässt sich natürlich nicht ganz abschütteln; und so bietet „Smilewound“ auch Ur-Múm-Tracks wie „Underwater Snow“ oder „Time To Scream And Shout“. Mit seinen sorgsam selektiert – und angeordneten Songs bietet dieses Album eine musikalische Weiterentwicklung, die einen als Freund dieser Band nur zufrieden machen kann. Múm haben sich getraut neue Wege zu beschreiten; dabei vielleicht einige Anhänger verloren – aber gewiss auch neue Freunde gewonnen. Kylie Minogue beispielsweise. Die dann auch gleich am Titel „Whistle“ mitwirkte. Live kann man die Isländer sehr bald auf deutschen Bühnen bestaunen. Mit ihrem Support-Act Sin Fang hat man also gleich zwei gute Gründe eines der Konzerte zu besuchen.

Múm - Baldur Kristjansson

Múm im Internet:
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Tourdaten:
23.09. – Gebäude 9, Köln
24.09. – Zoom, Frankfurt
25.09. – Ampere, München
26.09. – UT Connewitz, Leipzig
27.09. – Heimathafen, Berlin
28.09. – Reeperbahn Festival, Hamburg
05.10. – Waves Festival, Wien

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