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Goldfrapp – Tales Of Us (Review)

9. Oktober 2013
Goldfrapp - Tales Of Us

Goldfrapp – Tales Of Us

Nach über einer Dekade in unserem Klangkosmos ist es wieder Zeit. Alison Goldfrapp entsteigt mithilfe ihrer anderen musikalischen Hälfte Will Gregory dem Nebel des Mysteriums, das diese Formation umhüllt. Gebannt lauscht man den ersten Tönen. Ist man bei Goldfrapp doch nie sicher wohin die Reise geht. Drei Jahre nach dem recht umstrittenen Album „Head First“, das eher wie eine glitzernde Italo-Disco-Zuckerstange daher kam, greift „Tales Of Us“ nach den losen Enden, die ihr Debüt „Felt Mountain“ umranken. Bei allen Misstönen muss man jedoch eines mal hervorheben: Kunst bedeutet auch immer Weiterentwicklung. Wer auf der Stelle tritt, um Niemanden zu vergrätzen – oder weil die Bedenken den erreichten Status dadurch nicht halten zu können zu groß sind, der wird nie über das verfügen, was einen Künstler ausmacht: Mut und Hingabe. Und so gruben Goldfrapp – auch auf die Gefahr hin anzuecken – seit jeher beständig in alle Richtungen. Vielmehr um Dinge zu probieren, ihnen ihr Gewand zu verpassen – um kurz darauf alles wieder zu verwerfen. Nach der Zuckerstange nun die Fastenzeit.

„Tales Of Us“ kehrt tatsächlich zurück zu den Anfangstagen. Allerdings nur oberflächlich. Keine aufgewärmte Version von „Felt Mountain“, sondern eine konsequente Weiterentwicklung, aus deren Winkeln langsam die Dunkelheit schleicht, bis alles von ihr bedeckt ist. Album Nummer sechs lässt ab von verspielten Melodien und lüftet den Vorhang für ein musikalisches Drama, das einem Film Noir entsprungen sein könnte. Streicher, Klavier, Bläser, Akustikgitarre – und Alison Goldfrapp als zerbrechliche Diva, die sich zwischen feenhaften Träumen und melancholischen Regenwolken wiegt. „Jo“ beginnt mit zarten Pianoanschlägen, die eben angesprochenen Streicher legen sich darüber – und sacht, ganz sacht schwebt Frau Goldfrapp über die gesamte Szenerie. Klanglich ist das Konzeptalbum durch alle zehn Titel hindurch ein kleines Meisterwerk der Reduktion. Qualität, statt überladener Samples. „Tales Of Us“ bricht bis auf eine Ausnahme („Thea“) nie aus seiner Form. Intensität, statt Geschwindigkeit. Lenkt man seine Aufmerksamkeit auf die Texte, rundet sich das Bild der düsteren Soundmalerei ab. So klingt „Annabel“ nicht weniger umhüllend, birgt jedoch starke Verbindungen zu Kathleen Winters gleichnamiger Novelle über einen Hermaphroditen, dem als Kind das weibliche Geschlechtsorgan zugenäht wurde. Dies nur als Beispiel für das bizarre Zusammenspiel von Text und Klang. Oder – um „Tales Of Us“ in drei Worten zu beschreiben: verstörend und betörend.

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Tourdaten:
23.10. – Heimathafen, Berlin
26.10. – Kaufleuten, Zürich

 

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