Suche

Review: David Lynch – The Big Dream

14. Juli 2013
David Lynch - The Big Dream

David Lynch – The Big Dream

David Lynch macht momentan lieber Musik als Filme. „The Big Dream“ nennt sich sein zweites Album. Und es gleitet in derselben Fahrrinne, wie das Debüt „Crazy Clown Time“. Nachdem sein letzter Film „Inland Empire“ 2006 in wenige ausgewählte Kinos kam, richtete Lynch seinen Fokus auf die Musik. Von einigen Kooperationen – u.a. mit Angelo Badalamenti (Soundtrack zu „Twin Peaks“) mal abgesehen, betrat er damit Neuland. „Crazy Clown Time“ wurde zwiespältig aufgenommen. So ist das eben, wenn ein schrulliger Surrealist seine Gedanken vertont. Auf dem Nachfolger „The Big Dream“ erwartet einen demnach auch keine soundtechnische Kehrtwende. Die von Lynch als „Modern Blues“ kategorisierten Klänge verkörpern alles was man einem Künstler seiner Größe zuschreibt. Hier steht ganz klar Lynchs Drang zur Selbstverwirklichung im Vordergrund. Und wenn die dabei entstandene Musik beiläufig auch noch Jemandem gefällt: umso besser.

„The Big Dream“ ist eine Sammlung an klassischen Outsidergeschichten mit einem rauchigen Hauch Film Noir. Das „Star Dream Girl“ geistert genauso durch das nächtliche Los Angeles, wie der sachte Psychopath („Say It“) oder der „The Big Dream“ – Dandy. Bei David Lynch enden all ihre Geschichten in einer Mischung aus Blues, schweren – dezent eingesetzten Gitarren, schleppendem Schlagzeug und einer Nebelwand aus (alp-) traumhaften Beatsequenzen. Der nasale Gesang, verzerrt, Vocoder-umhüllt trägt uns spröde eben jene angesprochenen Antihelden-Episoden vor. Wer bereits die „Twin Peaks“ – Soundtracks kennt und liebt, findet auf „The Big Dream“ die perfekte Fortsetzung aus bedrohlich – düsterem Blues und träumendem Pop. Lykke Li unterstützte Lynch auf dem Bonustrack „I´m Waiting“ – und schließt das Album damit auf eine bizarr-schöne Weise ab, die lebendige Erinnerungen an Julee Cruise wecken. David Lynch ist wie immer vor allem eins: er selbst. In einer Welt, die einen die Realität kaum abschütteln lässt, geht er weiterhin seinen Weg auf dem Pfad der ewigen Dämmerung – gepflastert mit Dunkelheit, Verzweiflung, bizarrer Anmut und Träumen, die zwischen angenehmer Fiktion und beängstigenden Visionen balancieren. Für Lynch-Fans ein schönes Geschenk, für alle anderen eine Gelegenheit sich in einen reizvollen Sog ziehen zu lassen.

David Lynch im Internet:
Facebook
Homepage
Twitter

Schreib einen Kommentar