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Review: Anna Calvi – One Breath

6. Oktober 2013

Anna Calvi - One Breath - das neue Album seit dem 4. Oktober in den LädenWenn „One Breath“ ein Ort wäre, den man aufsuchen könnte, würde er wahrscheinlich aussehen wie ein Boudoir. Eines der gehobenen Klasse. Die vorherrschende Farbe wäre Bordeaux, es wäre mit schweren Stoffen ausgestattet und auf keinen Fall zu hell. Ein Ort der Ver- und Enthüllung, der inszenierten Nacktheit. Niemals schamlos, aber ganz schön aufreizend. Nie gehetzt, aber ganz schön getrieben.

Auf ihrem neuen Album wirkt Anna Calvi wieder einmal wie eine etwas anrüchige, sanfte, starke Diva, die in dieses Setting passt. Der Titelsong etwa changiert zwischen verführerischem Hauchen, einer Eingängigkeit, die fast schon etwas Traumwandlerisches hat – und dann kommt ein Outro, das an die Soundtrackthemen vergangener Filme erinnert. Wie ein Kamerablick, der in die Ferne schweift, wenn die Story bereits zuende ist. Ob die Geschichten, die auf “One Breath” versammelt sind, ein gutes Ende nehmen? So viel sei verraten: Sie erzählen nicht von leichtem Glück. Unter dem souveränen, treibenden Songwriting liegt eine Dunkelheit verborgen, die niemals plakativ daherkommt, die aber dennoch deutlich spürbar ist.

Anna Calvi setzt sich in ihren neuen Songs mit Depressionen auseinander und mit dem vollkommenen Kontrollverlust, den man erfährt, wenn einen diese Finsternis packt. So aus der Bahn geworfen zu sein hat etwas zutiefst Beängstigendes – aber es verweist zugleich auf andere Grenzerfahrungen, die ganz elementar zum Leben gehören. Auf die Liebe etwa, auf den Rausch. Und auf den Tod. So jedenfalls erklärt Anna Calvi in einem Interview die treibende Kraft hinter ihrem Album, und sie verbirgt nicht, woher diese Kraft kommt. Sie schreibt über eigene Erfahrungen, über ihre eigene Finsternis, und sie tut das so, wie wohl nur eine große Künstlerin wie Anna Calvi das kann: ganz fern von Pathos, ungekünstelt, nah. „One Breath“ ist zum Glück weit davon entfernt, ein deprimierendes Album zu sein. Es erzählt vielmehr davon, wie es ist, sich dem dunklen Sog entgegenzustellen. Und so hat auch die Musik eine Sogkraft, die mitreißt, die pulsiert und lebt.

Es ist in jeder Hinsicht ein starkes und mutiges Album, das sich an seinem Vorgänger messen lassen kann. Mit ihrem Debutalbum hatte Anna Calvi im Frühjahr 2011 überrascht und begeistert. Der Balanceakt zwischen kommerziellem Erfolg und künstlerischer Anerkennung ist ihr gelungen, scheinbar ganz leicht: Sie hatte einen Platz in den Albumcharts und auf den Longlists der wichtigsten britischen Musikpreise. Entsprechend hoch waren und sind die Erwartungen an Album Nummer zwei. Das müsste eigentlich eine Bürde sein, aber Anna Calvi ist keine Künstlerin, die gefallen will. Und so ist das neue Album kein gefälliges, sondern glaubhaft, stark und einfach verdammt gut.

„One Breath“ ist in vieler Hinsicht der beste Nachfolger, den man sich wünschen kann: unverkennbar Calvi, mit Überraschungsmomenten und viel Wiedererkennbarem.

Zu unseren Bildern von Anna Calvi @ Heimathafen Berlin am 29.09.13

Anna Calvi im Internet:
Anna Calvis Homepage
Anna Calvi auf Facebook
Anna Calvi auf Twitter

Tourdaten 2014:
16.02.14 – Heidelberg, Karlstorbahnof
17.02.14 – Zürich, Kaufleuten
18.02.14 – Salzburg, Rockhouse
01.03.14 – München, Freiheiz
05.03.14 – Wien, Chaya Fuera
12.03.14 – Berlin, Huxleys
13.03.14 – Hamburg, Fabrik
25.03.14 – Köln, Kantine
26.03.14 – Frankfurt, St. Peter
28.03.14 – Lausanne, D! Club

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