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Red Hot Chili Peppers: „I’m with you live in concert” | 30.08.2011

2. September 2011

Photo by Ellen Von UnwerthTHE RED HOT CHILI PEPPERS ARE ALIVE AND WELL! Fünf Jahre nach „Stadium Arcadium“ wurde am 26.8.2011 nun das neue Album „I’m With You“ veröffentlicht. Was ist im Laufe dieser Jahre alles passiert? Die Peppers begaben sich auf eine ausgedehnte Welttournee, die die Mitglieder der Band regelrecht auspowerte. Eine selbstverordnete Pause war die Folge. Und diese hatte es in sich: John Frusciante verließ ein weiteres Mal die Red Hot Chili Peppers. Im Guten, wie die Band in diversen Interviews mehrmals betonte. Frusciante wollte sich anderweitig verwirklichen. Flea studierte Musiktheorie, Kiedis wurde 2007 zum ersten Mal Vater und Chad Smith trommelte unter anderem für eine Kinder-CD von Dick Van Dyke und forcierte seine Nebenprojekte Chickenfoot (mit den beiden ehemaligen Van Halen-Mitgliedern Sammy Hagar [Gesang, Gitarre] und Michael Anthony [Bass] sowie Joe Satriani [Gitarre] und Chad Smith’s Bombastic Meatballs. In der Gestalt des nunmehr 31-jährigen Multiinstrumentalisten Josh Klinghoffer wurde ein neuer Gitarrist gefunden. Er hat unter anderem schon mit Frusciante auf einigen Alben musiziert und ist im Umfeld der Peppers keinesfalls ein Neuling. Er verstärkte in den so genannten „Nullerjahren“ zudem auch die Tourneen von bekannten Namen wie Beck, den Butthole Surfers, Gnarls Barkley und PJ Harvey.

Konzertübertragung:
Schon am Freitag, dem 26. August, erschien „I’m With You“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Den darauffolgenden Dienstag spielten sie ein exklusives Konzert im Kölner E-Werk, das – leicht zeitversetzt – in Kinosäle auf der ganzen Welt übertragen wurde. So auch in Wien.

Das wirklich starke, neue Album konnte über das Wochenende mit jedem weiteren Durchlauf von seiner Qualität überzeugen. Die interessante Frage für diesen Kino- und Konzertabend war: Sind die Chili Peppers auch live noch eine Macht? Ja, sie sind es! Der ca. 90-minütigen Performance wurde quasi ein halbstündiger Werbeblock mit Interviews vorangestellt, in dem die Band Fragen über die Arbeiten zum neuen Album, das neue Bandmitglied und die letzten Minuten vor der Show beantwortete, um die Kinobesucher auf das neue Material einzustimmen.

Das Konzert bestand aus nahezu allen Titeln des neuen Albums. Einzig auf „Even You, Brutus“ wurde verzichtet. Nicht zum Nachteil, handelt es sich hierbei wohl auch – aus meiner Sicht – um den schwächsten der vierzehn neuen Songs.

Die Nervosität vor dem Konzert war der Band in den zur Einstimmung dargebrachten Interviewsequenzen aus dem Kölner E-Werk anzusehen. Wie sich schon bei den ersten Tönen des Openers „Monarchy Of Roses“ herausstellen sollte, waren jegliche Bedenken bezüglich des Gitarristenwechsels unbegründet. Schnell wurde klar, dass sich Klinghoffer erfolgreich in das pepper‘sche Bandgefüge hineingearbeitet hat. Fleas bemerkenswertes Trademark-Bassspiel klang frisch wie eh und je und Chad Smiths charakteristische Grooves wissen nach wie vor zu begeistern. Kiedis traf zudem auch die Töne, eine Eigenschaft, die ihm nicht immer eigen war. Klinghoffer brachte mit seinen einunddreißig Lenzen zusätzlich Schwung in die Performance.

Einige Songs drängten sich besonders für einen Verbleib in den Setlisten der kommenden Welttournee auf. Das oben bereits erwähnte „Monarchy Of Roses“ könnte weiterhin einen hervorragenden Einstieg abgeben. Beginnt es noch mit noisigen Gitarren und einem treibenden Drumbeat, um sich nach der ersten Strophe in einen glasklaren, bassgetriebenen und mit funkiger Gitarre garnierten Refrain zu verwandeln um in der Folge nach einem hervorragenden Mittelteil wieder in den Refrain zu münden. „Factory Of Faith“ weiß ebenfalls durch einen perfekten Groove und eine richtig klassische Bassline aus dem Hause Flea zu überzeugen. „Brendan’s Death Song“ ist als Hommage an den 2009 verstorbenen, ehemaligen Besitzer des L.A. Punkklubs „The Masque“, Brendan Mullen, der der Band in ihren Anfangszeiten Spielmöglichkeiten verschaffte und seit den frühen 80er Jahren zu einem Freund der Band wurde. Hier wird zwar vom Gas gegangen, jedoch entpuppt sich diese Ballade als wahrer Schatz an Melodien und weiß nachhaltig zu beeindrucken. Mit ziemlicher Sicherheit sollte „Look Around“ weiterhin im Programm bleiben, da er live besonders gut funktioniert, zum Springen animiert und einen Police-artigen Zwischenteil beinhaltet, nach dem die Band nochmal straight forward losrockte. „Did I Let You Know“ wusste mit einem entzückenden Beat und einer extraordinären Gesangsleistung von Anthony Kiedis sowie einem fast schon jazzigen Trompetensolo zu überzeugen. „Meet Me At The Corner“ ist eine weitere herzzerreißende Ballade mit einem letztendlich dennoch versöhnlichen Schluss: “I live and I learn/And I lose and I win/But it’s better than ever/Whenever I’m in/I thank you girl/For everywhere that we’ve been”. Eine Wucht von einem Song ist “Dance, Dance, Dance”, das “Betthupferl” des neuen Albums. Und dieser verfehlt seine Wirkung auch an diesem Abend nicht. Gefühlvoll, lebensbejahend, äußerst ohrwurmverdächtig, was sich die Herren aus Kalifornien da haben einfallen lassen. Da sind sogar die „Beverly Hills Cop“-Gedächtnishandclaps, die auf der Platte zu hören sind, erlaubt. Die wurden live jedoch ausgespart. Ich traue mich an dieser Stelle vorauszusagen, dass diese Komposition – womöglich nächsten Frühling oder Sommer – nochmal als Single ausgekoppelt werden wird.

Mit dem (G)oldie „Me & My Friends“ wurde klar, dass auch die Lieder des Backkataloges mit Klinghoffer an der Gitarre einwandfrei rüberkommen. Da es bei der Übertragung des neuen Stückes „Did I Let You Know“ scheinbar in einigen Kinos ein Übertragungsproblem gab, wurde dieser noch ein zweites Mal dargeboten. Abschließend wurde bei „Give It Away“ klar, dass sich Klinghoffer bei älteren Songs nicht damit begnügen wird, seinen Vorgänger zu kopieren. Vielmehr – und das ist an dieser Stelle äußerst positiv angemerkt – wird er ihnen seinen eigenen Stempel aufdrücken.

Eine durch und durch zufriedenstellende Darbietung, die nur einen Haken hatte: Ich hätte ihnen noch stundenlang zuhören können!

Die Red Hot Chili Peppers im Internet:
Offizielle Homepage: www.redhotchilipeppers.com
Facebook: www.facebook.com/ChiliPeppers

Foto zu diesem Artikel von Ellen Von Unwerth.

2 Kommentare

  1. Hoefig

    Habt ihr eigentlich auch einen kleinen Bericht über das Album selbst geschrieben oder geht es bei euch nur um das Konzert? Auf Rock-Musih.ch war nämlich ein relativ kritischer Beitrag über ihr neues Werk zu lesen.

    #3423
  2. Jana Legler

    Lieber Emil, bei uns geht es nur um das Konzert. Das neue Album rezensieren ja alle anderen schon 😉 Na klar, ertönen auch mal auch kritische Stimmen zu einem neuen Album einer Band. Im Endeffekt zählt, was du selbst denkst!

    #3424

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