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R.I.P. Ronnie James DIO (10.07.1942 – 16.05.2010)

17. Mai 2010

Erstmal sammeln, den Kopf schütteln, seine Platten rauf und runter hören, auch weinen, ja. Das darf man bei Musikern, die einem ans Herz wachsen, ins Herz wachsen, weil sie mit ihrem Schaffen eben aus dem Herzen sprechen. Für jeden auf die eigene, persönliche Weise. Und das macht ihren Verlust so unbeschreiblich schwer…

Ronnie James Dio starb am 16.05.2010 an einem Krebsleiden, welches im November letzten Jahres bekanntgegeben wurde. Seine Frau Wendy gab in regelmäßigen Abständen Statusmeldungen über den Gesundheitszustand ihres Mannes. Man konnte Mails schicken und gute Genesungswünsche auf Facebook hinterlassen. Er soll sie alle gelesen haben. Mein eigener halbfertiger Brief liegt unverschickt im „Entwürfe“-Ordner…

It’s not God, it’s not the Devil.
It is us – powerful, fighting beings.
Frightened yet curageous
We stand up and shout.

Er war auf dem Weg der Besserung, und alle zuversichtlich, dass die Mission „Killing the dragon“ mit Trotz und Liebe glücken würde, dem Magenkrebs ein Schnippchen geschlagen würde. Eine Tour war für diesen Sommer angekündigt. Jeder war vom Glauben an die Genesung überzeugt. Und für jeden der meint, dass 67 Jahre doch kein schlechtes Alter für einen Rockstar sind, habe ich nur meinen ausgestreckten Mittelfinger übrig. Der Mann war stimmlich fit. Bis zum Ende. Und wo wir gerade bei Fingern sind:
Dass er den „Hörnergruß“, die „Mano cornuto“, erfand, ist mir relativ wurscht. Spätestens auf der Bonus-DVD des im letzten Jahr erschienenen Heaven And Hell-Albums „The Devil You Know“ zeigte er sein unglaublich gutherziges Wesen, allein in der Art, ein Interview zu geben. Diese ganze Satanskacke ist doch nur Image – und Sinnbild für den Lebe- und Liebemensch, verkörpert in dieser unsterblichen Hymne:

The lover of life’s not a sinner
The ending is just a beginner
The closer you get to the meaning
The sooner you’ll know that you’re dreaming
So it’s on and on and on…

(Black Sabbath: Heaven and Hell, 1980)

Was mich selbst mit DIO verbindet? Ich weiß nicht mehr genau wie ich mit seiner Musik in Kontakt gekommen bin, das ist auch nicht weiter wichtig, denn früher oder später gelangt jeder, in dessen Herz der Rock’n’Roll schlägt, zu dem kleinen Mann mit der großen Stimme… „Holy Diver“ war jedenfalls vor etwa 10 Jahren eines meiner ersten Metalalben überhaupt und somit eines der meistgespielten. Hin und wieder lag es einige Monate halbvergessen im CD-Regal, nur um dann voller Demut, Entzücken bei Entdeckung neuer Details, Rührung bei Wiedererkennen der alten Stärken, zu neuer Blüte zu erwachen.
Ich bin fern davon, alle Dio-Alben zu haben: Elf, Black Sabbath, Rainbow, seine ganzen Soloalben… Man steht als junger Mensch vor einer riesigen Diskographie, die nach und nach erschlossen werden will… Aber ein Album hat es mir ganz besonders angetan: Black Sabbaths „Mob Rules“. Nicht nur dass hier mehr als deutlich wird, dass Tony Iommi und Dio das absolute Traumpaar sind. Hier findet sich alles wieder, was seinen unverwechselbaren Gesang ausmacht. Man nehme sich „Falling From the Edge of the World“: ein balladesker Beginn, unglaublich gefühlvoller Gesang, der einem die Gänsehaut schübeweise rauf und runter schickt, sirenenhafte Epik beim langgezogen intonierten Lamento, dieser typische Biss bei der Passage „Never, no, never again…“. Ja, für diese melodische Aggression, ist er wohl am bekanntesten geworden. Geliebt wird er für die Glaubhaftigkeit, die in jeder Note mitschwingt.

Dio war bis zum Ende der beste Rock- und Metalsänger dieses Planeten, hat nie geschwächelt. Nie.

Dio is dead. Long live DIO!

1 Kommentar

  1. Sven

    Das kam überraschend und ist unglaublich tragisch. Erst vor kurzem hieß es ja sogar noch, dass der Haupttumor sich verkleinert hätte …
    Ein einzigartiger Sänger, der aus meiner Sicht die absolut perfekte Stimme für traditionellen Metal hatte. So viel Kante, Beherrschung, Kraft und Gefühl gleichermaßen in einem Sänger vereint … Möge er in Frieden ruhen.

    #1791

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