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Pure Reason Revolution @ Magnet Club, Berlin | 22.03.2009

29. März 2009

Pure Reason Revolution: Mhm, ja, natürlich. Rein revolutionär wollen sie doch irgendwie alle sein, sei es voller Vernunft und guter Gründe oder nicht. Schaffen tun das ganz offensichtlich die wenigsten Bands; die wenigsten schaffen es, ein eigenes Genre zu definieren oder sogar ein neues musikalisches Zeitalter einzuläuten.

Ist dieser Bandname angesichts dessen nicht ein bisschen hoch gegriffen? Das Publikum im gut gefüllten Berliner Magnet Club dürfte jedenfalls voll und ganz überzeugt sein, Teil einer revolutionär fantastischen Darbietung geworden zu sein. Sphärisch ätherisch haben die vier Londoner gut 75 Minuten lang das Publikum begeistert – vom Teenie bis zum Best Ager, vom Progger bis zum Elektroniker. Schnörkellos war sie, die Performance, keine großen Gesten, keine epileptische Lightshow, kein überflüssiges Wort hat die Zeit zwischen zwei Songs verschmutzt, keine Vorband, und sogar die Klimaanlage hat sich vornehm zurückgehalten. Reduziert auf ein Maximum an musikalischen Experimenten. Und ein Maximum an Instrumenten pro Bandmitglied, so hat Frontsau Chloe Alper neben Gesang und Keyboard auch am Bass eine hinreißende Figur gemacht, und auch Jon Courtney und Jamie Willcox wechselten mehrmals die Instrumente. Nur Paul Glover hat seine Drumsticks den ganzen Gig über nicht aus der Hand gegeben, gut so, runde Sache!

In langen, trippigen Instrumentalteilen fast schon an die alten The Gathering erinnernd, klangen PRR an anderer Stelle, als sei Chris Corner von IAMX mal kurz im Proberaum zu Gast gewesen: Forschungsschwerpunkt Electro, ohne stumpfes Synthiegehämmer, sondern mitreißend melodisch. Die ausschweifenden, atmosphärischen Songs tragen ohne Probleme über die verhältnismäßig lange Dauer von zehn Minuten und mehr pro Titel. Schade nur, dass mitunter deswegen nicht besonders viele Songs gespielt wurden, und auch insgesamt hätte der Gig ruhig noch ein Viertelstündchen länger dauern können. Um klarzustellen, dass es nach der zweiten Zugabe endgültig vorbei ist mit der guten Musik, legten die Veranstalter zur allgemeinen Ernüchterung eine Swing-Version von Radiohead’s „Creep“ auf, gefolgt von der eigenwilligen Swing-Interpretation eines bekannten Slipknot-Klassikers. So macht man sich Freunde!

Ganz anders Pure Reason Revolution, die wohl um einige Fans reicher zum nächsten Gig nach Göteborg weiterziehen durften. Was bleibt von dem Abend ist ein wohliges Bassgewummer im Bauch, Chloes Stimme als Echo im Kopf und eben das gute Gefühl, gerade Teil einer Revolution geworden zu sein. Einer lauten, kleinen.

>> Zu allen Bildern von Pure Reason Revolution

PRR auf MySpace: myspace.com/purereasonrevolution

Text: Jana Volkmann
Fotos: Jana Legler

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