Suche

Princess Chelsea – The Great Cybernetic Depression (Review)

7. Juli 2015

a0052303388_16Zweite Alben sind dafür da, die Versprechen einzulösen, die das erste gemacht hat, und damit eine Zitterpartie für alle Beteiligten. Chelsea Nikkel, besser bekannt unter ihrem Bühnen-Adelstitel Princess Chelsea, hat mit The Great Cybernetic Depression nun einen Nachfolger für ihr 2011 erschienenes Debüt herausgebracht. Ein Smash Hit wie das „Cigarette Duet“, mit dem die Prinzessin und ihre Gefolgschaft das Internet erobert haben, fehlt auf dem neuen Album. Stattdessen gibt es eingängige Popsongs, die zum entspannten Shoegazen einladen. „Caution Repetitive“ hieß ein Song auf jenem Vorgänger, und die Neuseeländerin beweist auf dem aktuellen Album tatsächlich viel Mut zur Schleife, zur Wiederholung und durchaus auch zu ein wenig gut platzierter Redundanz. Textlich richtet sich The Great Cybernetic Depression vor allem an Menschen, denen das Lebensgefühl aus Spike Jonzes SciFi-Romanze „Her“ nicht fremd ist: eine eher diffuse Entfremdung von allem Wirklichen, eine ebenso diffuse Flucht ins Digitale, beides durchzogen von einem großen Hauch Einsamkeit und einem kleinen Hauch Ennui. „We are Strangers“ lautet einer der Titel. Ein anderer: „We’re lost“. Botschaft verstanden! Zum Glück ist das Album abwechslungsreicher, als man beim ersten Hören denken könnte. Wer Freude an seltsam-wundersamer Popmusik hat, kommt hier wieder einmal voll auf seine oder ihre Kosten.

Wer eine Postmoderne-Checkliste zur Hand hat, kann beim Hören einiges abhaken: selbstreflexiv, check. Depressiv, check. Repetitiv, check. In vollem Bewusstsein über die digitale Isolation von Social-Media-affinen Leuten, die gemeinsam allein in Großstädten ihre Gesichter ins Monitorlicht halten und nicht wissen, ob das jetzt schon pathologisch ist oder noch Spaß macht: doppel-check. Und natürlich kann man das Ganze wunderbar gegen den Strich lesen und viel Ironie entdecken. Check.
Man kann das Konzept hinter The Great Cybernetic Depression aber auch ruhig für einen Moment Konzept sein lassen. Denn das Album eignet sich mindestens genauso gut als Soundtrack, um im Partyrausch auf dem Fahrrad durch die Sommernacht zu fahren, in diesen Momenten, in denen Alleinsein vollkommen okay ist.

>> Zu allen Bildern von Princess Chelsea @ Privatclub in Berlin

Princess Chelsea im Internet:
Homepage
Facebook
Twitter

Schreib einen Kommentar