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PRIMORDIAL Release Party @ Button Factory, Dublin IE | 19.01.2008

13. Februar 2008

Die Stimmung im Dubliner Ausgehviertel Temple Bar ist ausgelassen. Dabei ist’s noch nicht einmal 19 Uhr. Doch der Freitagabend beginnt mit dem Rugbyspiel Munster gegen die London Wasps. Sieg für die südirische Provinz. Es gibt nur einen Ort, der heute voller sein kann als einer dieser Rugby-Pubs, und das ist die Button Factory, wo am heutigen Abend Primordial ihre Releaseparty zum im November erschienenen(!) Album „To the Nameless Dead“ feiern werden.

Meine Ankunft ist kurz nach Einlass und schon scheint der Laden übervoll. Am Ende sollten es 720 Gäste sein, kaum mehr fasst die Button Factory. Eine erstaunlich große Zahl der Anwesenden ist aus Deutschland, skandinavischen Ländern, Holland und sogar den USA angereist! Graveyard Dirt - 19.01.2008 #3 Im Vorverkauf ging gut ein Drittel an Nicht-irische Besucher. Volles Haus in der Heimatstadt, das ist selbst bei der wohl bekanntesten irischen Metalcombo Primordial keine Selbstverständlichkeit. Und so können GRAVEYARD DIRT gleich voll motiviert zulegen: Jawohl, auch für unbarmherzigen Doom mit herbem Deatheinschlag kann man motiviert sein. Paul Leyden und seine schwerwalzenden Kollgen stellen für mich eine positive Überraschung dar, denn nicht nur das Songmaterial präsentiert sich absolut bedrohlich, sondern auch das Gebahren der fünf Iren zeigt sich als eins mit der Musik… und schon hier wird klar: Der Sound ist am heutigen Abend brachial! An dieser Stelle ein uneingeschränkter Graveyard Dirt-Reinhörbefehl für all jene, die wissen wollen wie sich der mordende Ehegatte von My Dying Bride anhört: www.myspace.com/graveyarddirt



Schon beim Winterfest in Cork habe ich mir vorgenommen, FOR RUIN genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch irgendwie schaffen sie es auch diesmal nicht, meine Aufmerksamkeit halten zu können.For Ruin - 19.01.2008 #1 Die Bühnenshow ist solide, die Musik eigentlich auch (siehe dazu www.myspace.com/forruinband), doch den Männern aus Cork fehlt (noch) klar das gewisse Etwas, das sie vom Rest der vielen Death mit Blackeinflüssen spielenden Bands abhebt. So wird die Zeit genutzt, um bei einem sündhaft teuren Stout (5 Euronen für 0,4l!) Bekanntschaften vom letzten Festival in Cork aufzufrischen…



…Eine lange Wartezeit mit Intro eins, zwei und drei geht ins Land. Umso größer der Jubelsturm – und ohrenbetäubend – als die PRIMORDIAL schließlich die Bühne betreten und wie schon in Cork mit dem „To the Nameless Dead“ Arschtrittopener „Empire Falls“ von 0 auf 100 durchstarten. Aber bevor ich hier große Reden schwinge, möchte ich ganz einfach auf das Livevideo von Bomber & Co. (Visons in Fear) verweisen: Jedesmal wenn ich mir dieses Video ansehe bekomm ich Gänsehaut auf feuchten Augen und bin einfach stolz bei diesem fantastischen Gig dabeigewesen zu sein.Ist schon eine coole Sache, dass man dieses Material der Öffentlichkeit bereitstellt, nun da es ja nicht für eine erste „richtige“ DVD verwendet wird, da Primordial-Bassist Paul kurzfristig durch Gerry (Mael Mordha) ersetzt werden musste. Man möchte halt das Original-Lineup für die erste DVD haben, fair play und nun Vorhang auf für eine geballte Ladung „Empire Falls“:





Es folgt das klagende „Gallow’s Hymn“ zur Abkühlung… doch was heißt Abkühlung? Nemtheanga untermauert hier seine stimmliche Fitness, die schon beim Opener (hörte man über hunderte von schreienden Kehlen hinweg) überragend war. Sicher spielt da eine tosende Meute eine ganz besondere, zu Höchstleistungen anstachelnde Rolle. Was die Gitarristen Ciaran und Michael angeht, so agieren diese wieder auf ihre typische, doch eher in sich gekehrt und hier und da mal mit den Haaren schunkelnd. Dafür hat der Frontmann seine Fanschar voll im Griff, und kann die Spannung locker über den gesamten Abend halten – ja sogar noch steigern beim immer wieder gern performten Bandklassiker „Sons of the Morrigan“, denn nachdem sich das hochverehrte Publikum bereits mit einem vielfachen „Sing sing sing to the slaves… that Rome burns“ selbst in ekstatische Zustände beschworen hat, wird nun ähnlich wie bei der neuen Bandhymne „Empire Falls“ jede Textzeile fleißig mitgesungen… und sowas erleben Primordial erst nach 17 Jahren Bandgeschichte… zumindest in diesem Umfang.

Primordial’s fighting men & women

>> zu allen Bildern von Primordial

Beim letzten Song des offiziellen Sets kocht die Stimmung dann vollends über… „This is your song!“… das ließen sich so manche Crowdsurfer nicht zwei mal sagen und die Fans mussten ziemlich die Köpfe einziehen, um während des in massiver Überlänge (aber geil!) gespielten „Song of the Tomb“ nicht in selbiger Gruft zu landen. Ganz logisch, dass man dann lauthals nach mehr verlangt, immerhin fehlen ja auch noch Übersongs wie „Heathen Tribes“, an diesem Abend angesichts der vielen ausländischen Besucher natürlich bestens passend, oder gar das stets ergreifende „The Coffin Ships“…Primordial - 19.01.2008 #12 Beide Stücke sollten als Zugaben noch kommen und frenetisch abgefeiert werden. Besonders bei den Sargschiffen läuft es einem wieder einmal eiskalt den Rücken hinunter. Auch keine Überraschung sind die beiden letzten Zugaben „Gods to the Godless“ und das uralte „To Enter Pagan“, welches dieser Tage live aber noch viel besser klingt als auf dem Primordial-Demo „Dark Romanticism“.



Ein einziger Wehrmutstropfen bleibt für mich: Gerade bei einer Releaseparty hätte ich mir den ein oder anderen alternativen, schon lange nicht mehr (oder noch nie!) gespielten Leckerbissen gewünscht. Man nehme dazu einen beliebigen der ausschließlich genialen Tracks auf „Storm Before Calm“ oder „The Burning Season“ vom dritten Full-Length… nur als Beispiele, denn ich denke dass man auf der anstehenden Heathen Tribes Festival Tour kaum Zeit finden wird, olle unbekannte Kamellen zu spielen, aber vielleicht bin ich auch allein mit diesem Wunsch?… Doch was mecker ich da eigentlich? Das war mit Abstand der beste Primordial-Gig, wohl auch einer der besten Gigs überhaupt, denen ich bis dato beiwohnen durfte!

Das DVD Shooting soll übrigens eines Tages in Dublin nachgeholt werden… Ob man dann diese fantastische Atmosphäre noch einmal so hinbekommen wird? Man sollte auf jeden Fall drüber nachdenken, sich dann in den Flieger nach Baile Átha Cliath zu setzen.

PRIMORDIAL Setlist

Primordial - 19.01.2008 #17

01. Empire Falls
02. Gallow’s Hymn
03. The Golden Spiral
04. Autumn’s Ablaze
05. As Rome Burns
06. Sons of the Morrigan
07. No Nation on this Earth
08. The Song of the Tomb
———
09. The Coffin Ships
10. Heathen Tribes
11. Gods to the Godless
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12. To Enter Pagan

3 Kommentare

  1. Jo

    Seit Jahren versuch ich jetzt schon, mich mit Primordial anzufreunden, weil ich schon immer wusste, dass mir das eigentlich gefallen muss. Und jetzt, beim Lesen des Berichts mit dem Video im Hintergrund – Zack! – hat’s mich auf ein mal voll erwischt. Vielen Dank dafür und auch ansonsten für die sehr interessanten Eindrücke aus Irland!

    #757
  2. Hey Jo, freut mich, dass es dir gefällt! Leg dir da als Einstiegsalbum am besten „To the Nameless Dead“ zu, ist sicher das zugänglichste Primordialalbum. Ich glaube dieses Jahr kann die Band auf ihrer Festivaltour und mit diesem Album im Gepäck etliche neue Fans hinzugewinnen.

    #758
  3. Rigorch Bury

    Hallo Jo, ich kann Dir da nur zustimmen. Die liebe Katrin hat mich hier schon zu so einigen Einkäufen im iTunes Store genötigt und es war immer gut investiertes Geld. – Der Echo geht daher an: Katrin !!! 😉

    #756

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