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PJ Harvey @ Palladium, Köln | 15.10.2016

19. Oktober 2016

PJ Harvey @ Palladium, Köln | 15.10.2016Mit jedem neuen Album hebt sich PJ Harvey auf eine neue Stufe, erfindet sich neu. Sich zu wiederholen, käme für sie nicht in Frage. Wo auf ihrem mit dem Mercury Prize prämierten Werk „Let England Shake“ (2011) noch die Autoharp das augenscheinliche Instrument war, zieht auf „The Hope Six Demolotion Project“ nun triumphal das Saxofon ein. Auf ihrem Konzert im Palladium in Köln brachte sie dieses nebst neun (!) Livemusikern – unter ihnen ihr treuester Weggefährte John Parish – mit vollster Eleganz zum Einsatz.

PJ Harvey ist keine Musikerin, die sich dem Zeitgeist beugt. Sie gibt die Marschrichtung selbst vor – schon immer und immer mehr. Sie ist eigenwillig, und genau deshalb verblüfft, inspiriert, bewegt sie. PJ Harvey ist eine geheimnisvolle Königin, die keinen Thron benötigt. Sie schwingt ihr musikalisches Zepter und lässt einen verstummen und den Atem stocken. Man wird süchtig, will mehr, ist sich gleichermaßen bewusst, dass die nächste Live-Begegnung mit ihr wohl erst wieder in drei, vier Jahren ansteht – man konnte froh sein, dass auf die Berlin-Show im Juni doch noch ein zweiter Deutschland-Termin folgte – und genau deshalb studierte man wie besessen all die kleinen und großen Handgesten während ihres Konzertes und inhalierte jeden noch so winzigen Ton und schloss ihn ganz fest ein.

Wenige Fans schauten sich das Konzert in Köln durch ihr Smartphone an. Sie stand leibhaftig vor einem. Das war so viel mehr wert als verwackelte Videoaufnahmen. Das Zusammenspiel mit ihrer Band grenzte an Perfektion. So viele Multiinstrumentalisten auf einem Haufen. Selten hat man einen so überwältigenden, klaren, durchdringenden Live-Sound erlebt. Ganz besonders umwerfend wurde es immer, wenn sich die Live-Band zu einem Chor formierte und die tiefen Männerstimmen einen undurchdringbaren Wall errichteten.

Dass PJ Harvey bis auf ein dreimaliges „Thank you“ und ein „Goodnight“ nicht weiter interagierte, störte nullkommanull. Das spricht für ihre musikalische Klasse. Ihre Botschaften vermittelt sie eben in ihren Songs, dafür gestikulierte sie so eifrig wie nie zuvor. Sie ist eine Lieblingskünstlerin, wie manch andere, nur gelingt es ihr, die anderen auf der Zielgeraden noch zu übertrumpfen.

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