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Phillip Boa & The Voodooclub – Bleach House (Review)

31. August 2014
Phillip Boa And The Voodooclub - Bleach House

Phillip Boa And The Voodooclub – Bleach House

Neues vom Indie-Avantgardist Phillip Boa. Es scheint zu einer Tradition zu werden, dass der Voodooclub den Herbst einläutet. Vor ziemlich genau zwei Jahren brachte er mit „Loyalty“ ein beachtliches Album heraus, das nach einigen Durststrecken mal wieder das lebte, wofür man Boa so sehr liebt: verschrobene Songs und verschachtelt schöne Melodien. Da Boa seit 30 Jahren ohne große Pause seinen ganz eigenen Musikzirkus atmet, steht nun mit „Bleach House“ das mittlerweile 18. (!) Werk bereit. Ganze sechzehn Titel hält es bereit – und die Hauptfrage sei bereits zu Beginn beantwortet: nein, sie erschlagen einen nicht. Gefangen im Voodooclub und seinen dadaistischen Wirrungen, klingt Boa dennoch ziemlich eingängig. Dieser Umstand ist vielleicht dem recht internationalen Reigen an Personen geschuldet, die dem „Bleach House“ seinen finalen Anstrich verpassten. Produziert von David Vella auf Malta, abgemischt von Dougal Lott (Marina and the Diamonds, Bombay Bicycle Club) in London und abschließend gemastert von Fred Kevorkian (The White Stripes und The National) in New York.

Viel Wirbel um den deutschen Morrissey, dem Indie-Poeten, der im Gegensatz zu seinem britischen Pendant jedoch lieber allein seine Musik für sich sprechen lässt. Was erwartet man von Phillip Boa eigentlich? Recht simpel; eigentlich nicht mehr, als dass er sich noch einmal steigert. Schließlich ist er ein Perfektionist, der es nach wie vor versteht Rotzigkeit und Romantik auf eine Art zu vereinen, dass jedes Album an Vielschichtigkeit kaum zu überbieten ist. Irgendwie ist man überrascht, dass er es tatsächlich geschafft hat und mit „Bleach House“ nochmal einen draufsetzt. Und dann auch wieder nicht. Weil man weiß, dass der ruppige Feingeist immer für eine kleine Sensation gut ist. Pia Lund hat sich erneut vom Voodooclub verabschiedet. An ihre Stelle tritt die geheimnisvolle Pris, über deren bisheriges Wirken so gar nichts bekannt ist. Sie fügt sich mit kindlich-süßer Stimme jedoch derart nahtlos in das gesangliche Wechselspiel ein, dass man Frau Lund in keinem Moment vermisst. Schließlich geht es bei Phillip Boa immer um das Ganze, auch wenn er natürlich das Zentrum seiner klang-gewordenen Geschichten darstellt. Mit Charisma und geerdetem Avantgarde auf der Überholspur. Neben den gar heiß begehrten punkigen Nörgel-Rock-Klängen („Kill The Future“, „Snake Plissken“, „Icons Of Anarchy“ oder „Capping“) finden ebenso Indie-Pop-Hymnen („The One Who Howls At The Moon“, „Bleach House“, „Baby Please Go Home“) und spröde Romantik („Standing Blinded On The Rooftops“, „Are You The One From Heaven“, „Chronicles Of The Heartbroken“) ihren Platz in den Räumlichkeiten des Bleach House. Boa ist noch sehr weit davon entfernt auch nur kleinste Anzeichen von Müdigkeit oder ausufernder Schrulligkeit durchblitzen zu lassen. Er wird mit zunehmendem Alter eher noch brillianter was Arrangements und Songwriting betrifft. Über seine Live-Qualitäten muss man ohnehin keine Worte mehr verlieren. Boa-Phorie ist im Herbst angesagt. Und das ist noch untertrieben.

Phillip Boa & The Voodooclub im Internet:
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Tourdaten:
05.11.14 – Marburg, Kulturladen KFZ
06.11.14 – Mainz, KUZ
07.11.14 – Magdeburg, Factory
08.11.14 – Dresden, Alter Schlachthof
13.11.14 – Nürnberg, Hirsch
14.11.14 – Karlsruhe, Substage
15.11.14 – Köln, Essigfabrik
28.11.14 – Bremen, Kulturzentrum Lagerhaus
29.11.14 – Hamburg, Markthalle
04.12.14 – Göttingen, Musa-Saal
05.12.14 – Erfurt, HsD Gewerkschaftshaus
06.12.14 – Berlin, Huxleys Neue Welt
07.03.15 – München, Strom

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