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Phillip Boa and the Voodooclub @ Essigfabrik, Köln | 15.11.2014

17. November 2014

Phillip Boa and the Voodooclub @ Essigfabrik, Köln | 15.11.2014Dieser kleine feine Konzertbericht ist alles andere als objektiv. Das liegt größtenteils daran, dass die Verfasserin Phillip Boa heiß und innig verehrt. Soviel vorab. Eben benannter Herr Boa veröffentlichte erst vor wenigen Monaten das vielleicht beste Album seiner knapp dreißigjährigen Laufbahn. „Bleach House“ umfasst im Bonusformat 16 fantastisch abwechslungsreiche Titel, die verschiedene Fehltritte der Vergangenheit weit in den Hintergrund rücken lassen und vor allem eins zum Ausdruck bringen: dass Phillip Boa noch lange nicht seinen Zenith erreicht hat, weiterhin hungrig und noch lange nicht mit dem Kampf gegen seine Dämonen und Neurosen fertig ist. Kompakt zusammengefasst also ein weiteres Seelenleben-Portrait des vielleicht besten deutschen Musikers, Künstlers und unfreiwilligen Ikone der Independent-Szene. Seit jeher eher scheu und unwirsch dem ganzen Medienrummel gegenüber, lässt Phillip Boa lieber seine Musik für sich selbst sprechen, als dass er sie im Detail jenen erklärt, die damit ohnehin nichts anfangen können. Schon fast traditionell ist ein neuer Release mit einer ausgedehnten Tour verbunden, bei der auch Köln mit einem Termin bedacht wurde.

Die Essigfabrik ist an diesem Abend gut gefüllt, allerdings nicht ausverkauft. Gegen 21:00 Uhr betritt der letzte und wahrscheinlich einzige deutsche Dandy die Bühne und entfacht mit „Kill The Future“ eine knapp zweistündige Rundreise durch sein bisheriges Schaffen und das des Voodooclubs. Wie bereits bei einigen Touren zuvor wurde vorab durch die Fans eine Lieblings-Setlist abgestimmt. Die Regel ist folgende: ein neuer Song wird von einem alten abgelöst. Ein Wechselspiel, das so simpel und doch perfekt ist. Boa ist heute guter Laune. Und so lässt er sich zwischen den einzelnen Songs recht verfrüht dazu hinreißen, seinen Rotwein direkt aus der Flasche zu genießen. Das Publikum feiert ausgelassen, Boa feiert mit. Auf seine Weise, versteht sich.

Phillip Boa and the Voodooclub @ Essigfabrik, Köln | 15.11.2014Die Ansagen sind wie immer knapp und treffend. Emotionale Liebeserklärungen darf man nicht erwarten. Das tut allerdings auch Niemand, der Boa kennt und mag. Sparsames aber aufrichtiges Miteinander ist eher nach seinem Geschmack. Auf  „Annie Flies The Love Bomber“ folgt „The One Who Howls At The Moon“, „Chronicles Of The Heartbroken“ auf „This Is Michael“. Die Essigfabrik tanzt, singt und hat eine ziemlich gute Zeit. Neben einem ganz wunderbaren, für seine Verhältnisse fast schon kuscheligen Phillip Boa, sorgt auch sein perfekt eingespielter Voodooclub dafür, dass die Menge von Beginn an auf einer nie endenden Welle der Euphorie balanciert. Auch Pris, der geheimnisvolle Neuzugang in der Rolle des weiblichen Pendants, überzeugt vom ersten Moment an mit feenhaft zartem Gesang und lässt – wer hätte es jemals gedacht – Pia Lund recht austauschbar erscheinen. Phillip Boa mag nach wie vor die Gemüter spalten. Man liebt oder hasst ihn. Was sich jedoch jeder Zweifler anerkennend eingestehen muss: Er ist ein begnadeter Livemusiker. Also sage ich ja zu Phillip Boa. Und das immer wieder.

Setlist:
Kill the Future
Annie Flies the Love Bomber
The One Who Howls at the Moon
Fine Art in Silver
I Dedicate My Soul to You
Ueberblendung
Deep in Velvet
Til the Day We Are Both Forgotten
Bleach House
Love on Sale
Icons of Anarchy
This Is Michael
Chronicles of the Heartbroken
Atlantic Claire
Diana
Are You the One From Heaven
Container Love

Baby Please Go Home
Albert is a headbanger
When the Wall of Voodoo Breaks
And Then She Kissed Her

Molly’s Lips
Standing Blinded on the Rooftops
Kill Your Ideals

Weitere Tourdaten:
28.11.14 – Bremen, Kulturzentrum Lagerhaus
29.11.14 – Hamburg, Markthalle
04.12.14 – Göttingen, Musa-Saal
05.12.14 – Erfurt, HsD Gewerkschaftshaus
06.12.14 – Berlin, Huxleys Neue Welt
05.03.15 – Weinheim, Cafe Central
06.03.15 – Aschaffenburg, Colos-Saal
07.03.15 – München, Strom
13.03.15 – Alter Gasometer, Zwickau
14.03.15 – Glad-House, Cottbus
08.05.15 – Sumpfblume, Hameln
09.05.15 – Pumpe, Kiel

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