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Philip Selway @ Frannz, Berlin | 04.02.2015

12. Februar 2015

Philip Selway @ Frannz, Berlin | 04.02.2015Es war die erste Show überhaupt, die Philip Selway, seines Zeichens Drummer bei Radiohead vor wenigen Tagen in Deutschland absolvierte. Dabei hatte er bereits vor vier Jahren sein Debüt „Familial“ veröffentlicht. Wohlmöglich kollidierten seine Solo-Ambitionen mit den Verpflichtungen seiner Hauptband, die immerhin als eine der einflussreichsten Rockbands aller Zeiten durchgeht. Dass die Realisierung seines ersten Solo-Werkes für ihn nur ein Liebhaberprojekt sein sollte, lässt sich kaum glauben, zu stark sein Songwriting. 2014 erschien der Nachfolger „Weatherhouse“, mit dem er qualitativ noch eine Schippe drauflegte – im Gesamtkontext wirken die neuen Songs vielschichtiger arrangiert.

Es war eine Ehre, Philip Selway live erleben zu dürfen. Nicht nur aufgrund seiner berührenden Performance. Vor einem stand auch ein aufrichtig wirkender Mensch, der sich abseits des großen Musikbusiness seine eigene Nische geschaffen hat. Müsste man seine Musik beschreiben, könnte man sagen: eine Mischung aus den Beatles, Massive Attack und Radiohead. An manchen Stellen trifft dies wiederum so gar nicht zu. Genau das macht eben Künstler aus, die Großes vollbringen. Sie zerren den Zuhörer in eine bestimmte Spur, um kurze Zeit später aus ihr auszubrechen. Es ist schön zu sehen, dass jemand, der seit 20 Jahren auf ein Instrument reduziert wird, sich plötzlich auf der Bühne zum Multiinstrumentalisten verwandelt. Philip Selway überraschte mit harmonischem, wohlklingenden Gesang an Gitarre und Keyboard. Die für seine Verhältnisse kleine Bühne polierte er optisch auf – mit Hilfe von links und rechts positionierten Beamern, die lichtdurchflutete Formen auf seinen Körper projizierten.

>> Zu allen Bildern von Philip Selway @ Frannz in Berlin

Eine Vielzahl seiner älteren Stücke waren für das Konzert in Berlin umarrangiert – sie erschienen einem weitaus komplexer als vorher. Dass man für solch ein Vorhaben eine Band benötigt, versteht sich von selbst. Hierfür hatte Selway drei Musiker mitgebracht, die auf beeindruckende Weise von Singender Säge bis hin zum Schlagzeug eine unsagbare Anzahl an Instrumenten bedienten, die sie zunächst untereinander aufteilten, um sich später durch permanenten Positionswechsel auszuzeichnen. An diesem Abend war ganz sicher sehr viel Leidenschaft im Spiel. Philipp Selway verabschiedete sich mit den Worten „Dankeschön, you’re all far too kind.“ Keine zehn Minuten später sichtete man ihn am Merchandise-Stand. Von nun an folgte ein einstündiger verbaler Schlagabtausch mit seinen Fans.

Philip Selway im Internet:
Homepage: www.philipselway.com
Facebook: http://www.facebook.com/philipselway

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