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Other Lives – Rituals (Review)

21. Mai 2015
Other Lives - Rituals

Other Lives – Rituals

Es gibt Bands, denen es gelingt die Grenzen zwischen Realität und Traumwelt so sanft zu verwischen, dass die eigene Wahrnehmung keinen Unterschied mehr auszumachen weiß. Other Lives sind so eine Band. Ihr drittes Studioalbum „Rituals“ erschien erst vor kurzem, avanciert jedoch schon jetzt zu einem kleinen Meilenstein und markiert ebenfalls einen neuen Abschnitt für das Trio aus Oklahoma. Eine Kostprobe gab es bereits bei den [PIAS] Nites im April, und auch hier wurden Other Lives ihrem Ruf als vielleicht beste Liveband der Welt mehr als gerecht. Anderthalb Jahre feilten Jesse Tabish, Josh Onstott und Jonathon Mooney am Nachfolger von „Tamer Animals“; Umzug nach Portland inbegriffen. Noch mehr Vielschichtigkeit, mehr Leichtigkeit, mehr Helligkeit und mehr Farbenspiel wollte Tabish der Platte einhauchen. Den eigenen Sound variieren, sich selbst dabei aber treu bleiben.

„Rituals“ vereint all das. Ein wenig gespenstisch, wie Tabish die Essenz des Albums in wenigen Worten auf den Punkt bringt. Anspruchslos und leicht vor Leere ist das neue Werk natürlich dennoch nicht. Es läuft förmlich über vor epischen Klangarrangements, orchestralen Einsätzen und verschlungenen Rhythmen. Was „Rituals“ so besonders macht, ist der Schwebezustand, den es beim Hörer auslöst. Jeder Song steht als eigenes Kapitel für sich, fügt sich dann aber kaum spürbar zu einem Wort- und Sound-Epos zusammen. Es lässt Fantasie-, wie reale Landschaften gleichermaßen vor dem inneren Auge heranwachsen und streut Wärme in die entlegensten Winkel. Parallelen zu Bon Iver oder den Fleet Foxes kann man natürlich ziehen, sollte man aber nicht. Denn Other Lives leben einen ganz eigenen Zauber, der keinem Vergleich je gerecht werden würde. Prog-Elemente („Fair Weather“) wechseln sich mit Kammerpop („Pattern“, „Easy Way Out“, „2 Pyramids“), folkigen Americanaeinflüssen („Reconfiguration“) und weitläufigen Ambientkompositionen („Ritual“) ab. Zusammen verbindet sich ihre Mixtur zu einem hypnotisch-schönen Tanz zwischen den Welten. Und diese Fähigkeit kann man bei weitem sehr wenigen Formationen zusprechen.

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