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OPETH: „Watershed“

13. Juli 2008

„Watershed“, bedeutet wortwörtlich so viel wie „Niederschlagsgebiet“, ist aber auch ein figuraler Begriff, der im Deutschen einen Wendepunkt bezeichnet. Das könnte im Falle Opeth, Schwedens Finest in Sachen progressiver Death Metal, gleich mehrere Bedeutungen und Gründe haben: Die Neuzugänge Axenrot und Åkesson versprechen neue musikalische Einflüsse wie es schon bei Per Wiberg beim letzten mal war? Chefdenker Mikael Åkerfeldt stellt im Vorfeld seine Lieblingsscheiben vor, die fast alle mit Metal herzlich wenig zu tun haben und benutzt den Retro-Anstrich des letzten Albums „Ghost Reveries“ nun als Fundament für die neue Platte? …
Werden wir hiermit Zeugen des Wendepunktes einer Band, die ohnehin schon viele Wandlungen und Windstärken im Verlaufe ihrer Geschichte erlebt hat?

Opeth: „Watershed“ (VÖ: 30.05.2008)
Opeth - Watershed (2008)
1. Coil
2. Heir Apparent
3. The Lotus Eater
4. Burden
5. Porcelain Heart
6. Hessian Peel
7. Hex Omega

Mit Spannung landet das Werk im Player, auf Booklet-Texte muss man diesmal verzichten und bekommt stattdessen kryptische Zeichen geboten. Die Musik aber spricht eine deutliche Sprache:

„Coil“ lautet der Titel der unglaublich schönen Akustik-Intro, bei der Sängergitarrist Mikael von einer wunderbar klingenden Dame unterstützt wird. Die feine Leitmelodie bleibt sogleich im Ohr… Einen kompromisslosen Übergang, nein, geradezu einen Fortriss von der anfänglichen Schönheit stellt „Heir Apparent“ dar. Sehr heftiger Song. Vielversprechend… und doch unverkennbar Opeth: Kehliges Death-Gegrowl trifft auf glockenklare harmonische Gesänge, groovige Riffs, Trommelinferno, düstere Akustikpassagen, sanfte Percussion und leichtfüßig dahergezauberte Hammondorgel-Begleitungen mit mehr als nur einem Touch 70er Jahre Prog/Art Rock. Von letzterem kann man sich vor allem im entspannt dahinfliegenden „Burden“ überzeugen: Rein klar gesungen kommt hier jeder auf seine Kosten, der relaxt-lange und harmonische Instrumentalpassagen frickeligen Soli vorzieht. Für solche waren Opeth sowieso noch nie bekannt. Eine angeschrägte Akustikgitarre revitalisiert das gruselige Ambiente, welches dem unberechenbaren „Ghost Reveries“ seinen Namen gab…

Es schließt sich „Porcelain Heart“ an, ein vielschichtiger und ebenso vielseitiger Ohrwurm, der im Vorfeld mit einem Videoclip bedacht wurde. Neben „The Lotus Eater“ ganz klar mein Favorit auf „Watershed“:

Die abschließenden komplexen Tracks „Hessian Peel“ und „Hex Omega“ sind da schon etwas schwieriger zugänglich. Gewohnt magische Passagen finden sich jedoch auch hier. Witzig, dass mich gerade der sinfonische Anfang des kryptisch titulierten Elfminüters an die Dark Suns erinnert; jene Leipziger Band, die sich ursprünglich an Opeth orientierte, sich nach ihrem Debütalbum jedoch schnell verselbstständigte. „Hex Omega“ ist mit Abstand das „schwächste“ Stück auf „Watershed“, es tönt irgendwo in der Ferne, nur nicht richtig beim Hörer, ein seltsamer Abschiedsgruß von einem ansonsten erstklassigen Album.

Für Opeth-Fans ist „Watershed“ jedoch ein klares Muss. „Neuankömmlinge“ in der Opeth’schen Welt, die immer schon mal wissen wollten wie King Crimson oder Camel auf laut und heftig klingen, sollten dann lieber doch zu den grandiosen „Blackwater Park“ oder „Ghost Reveries“ greifen, da sich „Watershed“ vor allem hintenraus als etwas sperrig herausstellt. Die große Wende ist hier nicht gelungen, solide Opeth-Qualität aber schon.

>> www.opeth.com

Keine Kommentare

  1. ich sollte endlich mal reinhören…auch in viele andere sachen…unfassbar wieviel an mir vorbeigeht und ich weiß nicht warum…oh man

    #984
  2. Eddie

    Schalut schuschammen
    „Watershed“ ist meiner Meinung nach ein weiteres Highlight
    in der History von Opeth.Weiter so.

    #983

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