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NICK DRAKE: "Five Leaves Left" (1. Sept. 1969)

1. September 2009

Laut ertönt der Weltfriedenstag und der Erdball schießt Tauben gen Himmel und malt in Einklang japanische Schriftzeichen für eine bessere Welt… Weitaus stiller, wenn überhaupt, feiert man den 40-jährigen Geburtstag des Nick Drake-Debütalbums „Five Leaves Left“. Und ich bin mir sicher, der stille Mr. Drake hätte es nicht anders gewollt…

Nick Drake: "Five Leaves Left" (1969)


„Until one day Nick came into my room – and he’s a man of few words, my brother – and he said: ‚Here you are‘. And he threw down onto the bed the complete record of „Five Leaves Left“. I was absolutely astonished.“

(Nicks Schwester Gabrielle Drake im Film „A Skin Too Few“)

„Five Leaves Left“ ist dabei kein naturromantischer Titel vom Fall der Blätter, zumindest nicht der vom herbstlichen Baume; nein, die Rede war hier viel mehr vom Vorrat der Zigarettenpapers, der sich bei noch fünf übrigen Blatt langsam dem Ende neigte. Beide Bilder geben die Stimmung dennoch passend wieder. Das in Cambridge entstandene Debütalbum des Engländers ist ein melancholisches Herbstalbum, das trotz seiner Ruhe mit wunderbaren Melodien und Geborgenheit aufwartet, im Zentrum immer Nicks ruhige, behaglich-warme Stimme und sein klares, kräftiges und außergewöhnlich präzises Fingerpicking. Hinzu kommen, sich nicht aufdrängend aber vor allem in tieftraurigen Stücken wie „Way To Blue“ hochpräsent, süßliche Streicherarrangements seines guten Freundes Robert Kirby, die dem Ganzen noch einer einsamen Melodramatik verhalfen.

Nick Drake war ein sensibler Mann, der Touren abbrach, wenn sich Leute während dem Stimmen seiner Gitarren unterhielten und scheinbar nicht zuhören wollten. Von seinen Mitmenschen wurde er aufgrund seines Talents zwar hochgelobt, Erfolg und öffentliche Anerkennung fand er zu Lebzeiten jedoch nicht („Why leave me hanging on a star if you deem me so high?“). War er eine tragische Figur? Wer ihn nicht kennt und sein Leben im Schnelldurchlauf überblickt, wird dem vielleicht zustimmen, ihn vielleicht rasch als depressiven Faulenzer abtun, doch das würde suggerieren, dass sein Schaffen nutzlos gewesen wäre. Doch heutzutage, spätestens zu der Autowerbung mit „Pink Moon“ als musikalische Untermalung aus dem Jahr 2000, ist er insbesondere bei vielen Studenten 20+ wieder populär und so war sein Werk keineswegs umsonst.

Dieses Gesamtwerk, neben „Five Leaves Left“ sind das noch die Alben „Bryter Layter“ und „Pink Moon“, ist übrigens in der wunderbaren Box „Fruit Tree“ vereint. Die LP-Box enthält außerdem den so wunderbar gemachten Film „A Skin Too Few“ auf DVD, von dem wir bereits vor einiger Zeit schrieben und das getrost als würdige Gesamtschau dieses unvergleichlichen Musikers bezeichnet werden kann. Wieder mal genau das richtige für den nahenden Herbst, für den zuende gehenden Tag…

When the day is done
Down to earth then sinks the sun
Along with everything that was lost and won
When the day is done.

(Nick Drake, 1948 - 1974)
(Nick Drake, 1948 – 1974)

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