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Neue Perlen des Post Rock

25. April 2009

From Monument to Masses: „On Little Known Frequencies“
(VÖ: 13.03.09)

From Monument to Masses: "On Little Known Frequencies" (2009)Das amerikanische Trio zeigt sich einmal mehr alles andere als politisch unbeteiligt und fordert die Massen zur denkerischen Revolution auf… Klar, auch „On Little Known Frequencies“ atmet wieder Luft aus dem linken Lager, in der Alternative-Szene nichts Ungewöhnliches, daher aber gleich von einer politischen Band mit großem Konzept zu sprechen, hält selbst die Band für übertrieben, wie mir auch From Monument to Masses-Gitarrist Matthew Solberg im November vorigen Jahres versicherte:

Ich würde sagen, dass unser allererstes Ziel ist, eine Band zu sein und gut zu funktionieren […] Wenn Bands sich mehr Gedanken über ihr “Konzept” statt über diesen Punkt machen, dann sind sie meiner Meinung nach verdammt. Über diesen Schlüsselpunkt hinaus beschreibe ich unser Konzept aber wie folgt: Musik kann Umgestaltung inspirieren und die Art und Weise umgestalten, wie wir inspiriert werden. Als Menschen schauen wir ständig nach kulturellen Phänomenen, die uns helfen, die Welt in neuem Licht zu sehen – seien das nun Filme, Tanz, visuelle Kunst oder Literatur – wir sehnen uns nach der Stimulation, die uns als Menschen weiter voranbringt – und nicht irgendwohin zurückbringt. Wir zusammen haben einen Weg gefunden, eine Form gefunden, um das Ganze größer zu machen als die Summe seiner einzelnen Teile. Dies füllt eine Leere, die wir in der Welt der Musik hören. Das macht uns glücklich und ist eine ständige Erinnerung an die Kraft der Organisation… oder “people power”. Wenn andere Leute zuhören und sich inspiriert fühlen, ihre eigene Kunst, Arbeit oder politische Analyse in neue Richtungen zu lenken, dann haben wir mehr erreicht als wir uns je vorgenommen haben und haben sogar noch ein größeres Geschenk dafür erhalten.

Ganz ohne Parolen und Phrasendrescherei bedient man sich wie in Vergangenheit auch an Zitaten in Form von Sprachsamples. Wer da die Ohren nicht ganz so gespitzt hat, kann die mal von der Band selbst, mal von mehr oder weniger bekannten Leuten stammenden Aussprüche nochmals im (zugebenermaßen leicht unästhetisch aussehenden und ebenso riechenden) Booklet nachlesen. Nett sind die umfangreichen Infos allemal aufbereitet.

In erster Linie dürfte die meisten jedoch die Musik des neuen Rundlings interessieren. Von sich selbst schreibt das Trio, dass es „complex and hypnotic post-punk“ spiele, den Punkanteil suche ich jedoch noch; zumindest ist er auf „On Little Known Frequencies“ nicht vorhanden. Die Single „Beyond God and Elvis“ – dem geneigten Leser wird das Nietzsche’sche Wortspiel nicht entgangen sein – ging dem Album voraus und steht repräsentativ für die verspielt-eingängige Instrumentalmusik mit den typisch hypnotischen Gitarrenloops des nun vorliegenden Full Length-Silberlings. Einfach mal reinhören via Myspace und abwarten bis die drei Herren mal wieder in Deutschland sind.

Einen ganz leckeren Tipp – der sich zufällig ab heute auf Tour in Deutschland befindet! – habe ich aber noch in Form von Neil on Impression für euch ausgegraben…

Neil on Impression: „L’Oceano Delle Onde Che Restano Onde Per Sempre“
(VÖ: Ende 2008)

Neil on Impression: "L'Oceano Delle Onde Che Restano Onde Per Sempre" (2008)„L’Oceano Delle Onde Che Restano Onde Per Sempre“. Dieser Titel passt auf keine Kuhhaut, beziehungsweise auf keinen CD-Rücken, und so erscheint dieser Tage das Werk auf Vinyl im schicken Gatefold – und ist auch schon wieder vergriffen bevor es überhaupt veröffentlicht wurde. Doch keine Sorge, die hübsche Platte wird nachgepresst und das schreibe ich, da sich so manch einer, der sich für wirklich gut gemachten, originellen Postrock mit erweitertem Instrumentarium interessiert, nach dem Lesen dieser Zeilen ganz bestimmt die Finger nach diesem Scheibchen lecken wird. Doch vorerst Antwort auf die Frage nach dem Bandnamen seitens der Band. Stand da gar ein gewisser Musiker-Neil – Young? Diamond, anybody? – Pate?

Nein, Neil Young ist keineswegs ein Idol für uns. Auch nicht Neil Diamond. :) In Wahrheit ist Neil über die Jahre hinweg der Name einer ganz bestimmten Person geworden, und diese Person sind wir. Stell dir vor, dass wir alle Teile eines Ganzen sind, und dieses Ganze heißt Neil, oder Nello, wie es im Italienischen heißt. Der wirkliche Ursprung dieses Namens entstammt aber einem Wortspiel. Wir waren vom Bild, vor einer Impression zu knien („kneeling on impression“), sehr fasziniert… als eine demütige Geste vor der Überraschung. Also hätte es heißen müssen: „kneeling on an impression“, was fürchterlich gewesen wäre. Also haben wir einiges weggestrichen und verändert und heraus kam dabei nun Neil on Impression.

Schon dem Opener „Irlanda“ des wunderbar aufgemachten Albums merkt man an, dass hier zwar die typisch hypnotisch-verspielten Postrock-Töne nicht fehlen, dass man als Hörer aber allein schon aufgrund des doch recht ungewöhnlichen Zusammenspiels von Saxophon, Cello und Piano schon viel Neues zu entdecken hat. Da werden zwar keine Erinnerungen an Irland, wohl aber an die subtileren Parts von The Oceans letztem Album wach, wo auch das Hinzustoßen der elektrischen Gitarren alles andere als gezwungen, sondern vielmehr schön homogen verwoben klingt.

Die verschiedenen Instrumente bei Neil on Impression werden jeweils benötigt, um einen ganz bestimmten Sound heraufzubeschwören. Es ist kein Geheimnis, dass Bands mit einem ähnlichen Genre wie dem unsrigen bereits Instrumente wie Cello, Violine oder Trompete eingesetzt haben, aber das war nur Inspiration. Bei uns klingen diese Instrumente aber äußerst verschieden auf jeden Album, je nachdem welche Stimmung wir benötigten. Um ehrlich zu sein war es aufgrund anderer Projekte der Bandmitglieder oft schwierig, dieses Instrumentarium für die Touren beizubehalten. Natürlich sind da Freunde am Werk, aber Neils „Mischung“ ist eben genau so gewollt.

Neil on ImpressionNeil on Impression sind, wie viele Bands der Denovali Records-Stube auch, der „Do it yourself“-Kultur sehr nahe. Der Professionalität der Musik tut das absolut keinen Abbruch, im Gegenteil: Die Musik klingt unbestechlich, unvergleichbar, und „L’Oceano…“ tönt klanglich perfekt aus den Boxen. Die Band weiß aus jedem der verwendeten Instrumente den besten Klang herauszuholen. Doch wo sehen sich Neil on Impression selbst in der DIY-Szene?

DIY ist nicht die Wiege von Neil on Impression, aber durchaus unser Spielplatz. Nur einige von uns waren dem unabhängigen Kreis des DIY sehr nahe, doch jeder von uns hatte im Sinn, dass dies die Methode sein würde, unserer Musik zu begegnen. Alsbald wir die Chance hatten, von der DIY-Szene umarmt zu werden, fühlten wir uns sofort wie zu Hause. Ohne DIY könnten Neil on Impression einfach nicht existieren: Es bedeutet Freunde, Labels, Konzerte, Touren, Support, Freundschaft, Motivation und die Sicherheit, dass wenn wir eine Idee haben, diese auch in die Tat umgesetzt werden kann.

Und so herrlich schrankenlos und völlig unprätentiös klingt auch „L’Oceano…“, dessen CD-Version übrigens auch erstmal auf nur 1000 Stück limitiert ist. Wer immer auf der Suche nach Kreativem, nach Unerwartetem ist, der ist mit dieser Scheibe bestens bedient. Mal zeigen sich die Italiener „klassisch post-rockig“ von verträumt zu krachig hochgespielt, danach todtraurig wie im langsamen Streicherarrangement von „Il faro e la balena“, dann aber wieder völlig frech und angejazzt mit entspannten Saxophon-Leads im schon fast naiv klingenden „Garontrlkla“. Wer des Italienischen nicht mächtig ist, der sollte nicht verzagen. Gesungen wird hier nicht, und auch wenn man keine Ahnung von den Songtiteln hat, egal, ist vielleicht sogar besser so. Da kann man die Gedanken unbeschwert streifen lassen. Denn dazu regt die malerische Landschaft dieser Töne ganz gewiss an. Kann man eigentlich für die kommenden Konzerte eine Untermalung dieser Musik, wie in Vergangenheit bereits in Form zahlreicher audiovisueller Unterfangen in Form von Theater- und Filmprojekten geschehen, erwarten? Vielleicht einen Video-Support wie bei der “A Perfect Tango”-Tour?

Das ist für diese Tour noch nicht geplant. Aber sicher wird es da etwas geben. Nicht für die „L’Oceano…“-Tour selbst, aber als eigenes Projekt, das wir nebenher entwickeln. Leider gibt es derzeit viel zu viele Dinge zu entscheiden, sodass es keinen Sinn machen würde, schon jetzt darüber zu reden. Bald wird es aber mehr News dazu geben!

Wir sind gespannt! Heute geht die einwöchige Kurztour los, nicht verpassen!
RockZOOM ist beim letzten Date in Leipzig mit dabei…

25.04.09 Freiburg – KTS
26.04.09 Frankfurt – 11er
27.04.09 Solingen – Waldmeister
28.04.09 Mol (BEL) – Jh Tydeeh
29.04.09 Siegen – Vortex
30.04.09 Giessen – AK44
01.05.09 Berlin – Lokal
02.05.09 Leipzig – Schuppen (Stö 16)

Websites:
www.neilonimpression.org
Neil on Impression @ Denovali Records: www.denovali.com/neilonimpression/

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