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Neil Young @ Messe Erfurt | 09.06.2009

10. Juni 2009

Er ist mal wieder da, und das in vollem Glanze, vorwiegend verchromt, macht er doch derzeit die meisten Schlagzeilen mit der Ankündigung seines umweltfreundlichen LincVolt-Oldtimers mit Hybridantrieb. Und so ein Pilotprojekt möchte natürlich finanziert sein. Am besten mit einem neuen Album, in dem es sich nur um Autos, das Fahren an sich und die Metaphorik des Fortbewegens dreht. Das im April veröffentlichte „Fork in the Road“ ist quasi der (zugegeben wieder sehr ordentlich rockende) 40-Minuten-Werbejingle zu Youngs ambitionierten Öko-Ofen. Doch Geld verdienen Künstler heutzutage bekanntlich nicht (mehr) mit Plattenverkäufen, sondern auf Tour…

Neil Young - 09.06.2009 #10 Gestern also kehrte Neil Young nach Erfurt zurück und gab damit seinen ersten der vier geplanten Deutschlandauftritte zum Besten. Die thüringische Hauptstadt ist dem 63-jährigen kein fremdes Pflaster, ließ er doch das letzte mal zusammen mit Crazy Horse im Jahr 2001 hier die Puppen tanzen. Anno 2009 gibt es ein leicht geändertes Aufgebot der musikalischen Mitstreiter: Ben Keith, Rick „The Bass Player“ Rosas, Chad Cromwell, Anthony Crawford und Pegi Young.

Eigentlich wie auf der Tour 2008 (Wir berichteten vom Konzert in Leipzig 2008.), nur ohne Larry Cragg, der im vorigen Jahr das Banjo, beispielweise in „Old Man“ übernahm.

Die Stimmung in Erfurt war von Anfang an super: Die Schafskälte ist Vergangenheit und man sonnte sich am Messegelände; es gab keine Probleme am Einlass; man musste nicht lange warten; das Bier war zwar teuer aber kalt und die Vorband auch nicht mehr als belangloser Liedermacherpop, aber pünktlich um 20:40 Uhr marschierte Mr. Young auf die Bühne um einen knapp 2-stündigen Supergig hinzulegen. Erlebte ich ihn voriges Jahr in Leipzig noch leicht kauzig und wortkarg, eher routiniert spielend, wirkte er in Erfurt fast schon ausgelassen: bedankte sich oft beim Publikum zu welchem er diesmal deutlich mehr Blickkontakt hielt, spielte mit den Bandgefährten, posierte was das Zeug hielt und als Krönung des Ganzen nagte er bei „Fuckin‘ Up“ mit den Zähnen an seiner Old Black-Gitarre herum.

Neil Young - 09.06.2009 #14 Ganz richtig gelesen: „Fuckin‘ Up“, diesen dreckigen Bluesrocker hätten wohl die wenigsten erwartet. Da hörte man auch mal schön, wie Chad Cromwell doch sein Schlagzeug bearbeiten kann. Zwar hätte „the Bass Player“ Rick Rosas auch gern noch einen zwerchfellerschütternderen Sound vertragen können, aber im Großen und Ganzen klang das alles professionell wie es eben sein musste. Ein weiterer Exot, der sich neben „Fuckin‘ Up“ in die Setliste schlich, war „Speakin‘ Out“; erwartungsgemäß gab es viele Songs von unserem Geburtstagskind „Everybody This Is Nowhere“-Scheibe zu hören. Neulich feierte dieser Meilenstein nämlich 40-Jähriges, auch wir gratulierten in einer Sonderrotation. Neil zelebrierte dieses Ereignis mit den obligatorischen Hits „Cinnamon Girl“ und dem Titelsong sowie einer verspielt-genialen 12-Minuten-Version des genialen „Down By The River“, definitiv eines der großen Highlights des Abends.


Was ein wenig verwunderlich ist: Es wurde nicht ein Song vom aktuellen Album gespielt. Und überhaupt war gar nichts der letzten Jahre dabei; die neuesten der gespielten Songs waren von 1990! Scheint mir eher nach einer „Archives“-Tour als eine Promotion des aktuellen Rundlings. Ja sicher, entgegen der ersten Ankündigungen (Mr. Young öffnet seinen Keller mit noch nie gehörtem Material…) ist das meiste dieser sagenumwobenen Archives dem geneigten Fan eh schon bekannt und wird seit neuestem zu unverschämten Preisen in CD-, DVD- und Bluray-Form verkauft… Doch das ist ein anderes Thema.

Neil Young - 09.06.2009 #12 Ich möchte euch natürlich nicht den krönenden Abschluss des Konzertes vorenthalten, den absoluten Höhepunkt „Rockin‘ In The Free World“. Das Publikum war wunderbar zum Mitsingen und Anfeuern aufgelegt und Neil und seine Band stachelten die Fans immer wieder zum Weitersingen an. Und wenn man schon ahnte, sie würden jetzt langsam ihre letzten Akkorde durchlärmen und zum Ende finden, schrie Neil nochmal den göttlichen Refrain in die Menge, der sofort intuitiv aufgegriffen wurde. In dieser Sache versteht man sich eben blind. Klar dass nach so einem fulminanten Schlusssong natürlich lautstark nach Zugabe gerufen wird. Die gab es dann auch, nachdem sich die Herren und die Dame (Mrs. Pegi Young) recht lange bitten ließen, um dann noch einmal für den Beatles-Song „A Day In The Life“ auf die Bühne zu kommen. Wie schon in Leipzig ganz und gar nicht meine Wunschzugabe, aber immerhin, alle Wunschkandidaten kann man in einem 2-stündigen Neil Young-Set eh nie haben.


Danke Neil, für diesen unvergesslich tollen Auftritt! Selten sowas erlebt.
Danke auch den Veranstaltern von Känguru Production, die es auch einem kleinen Zine wie uns ermöglichten, mal Fotograbenluft bei „den ganz Großen“ schnuppern zu dürfen.

NEIL YOUNG Setlist

1. Hey Hey, My My
2. Mansion On The Hill
3. Pocahontas
4. Everybody Knows This Is Nowhere
5. Words
6. Cinnamon Girl
7. Mother Earth
8. Don’t Let It Bring You Down
9. Comes A Time
10. Heart Of Gold
11. Speakin‘ Out
12. Down By The River
13. Fuckin‘ Up
14. Tonight’s The Night
15. Rockin‘ In The Free World

A Day In The Life (Beatles Cover)

>>> zu den Fotos…

Weitere Tourdaten in Deutschland:

# 16.06.2009 in Berlin
# 17.06.2009 in München
# 19.06.2009 in Köln

Zum Schluss noch ein kleiner Zaunpfahlwink in Richtung Thüringer Allgemeine Zeitung: Ich hoffe sie hatten diesmal den richtigen Neil Young vor der Linse, denn letzten Sonntag veräppelte man den Thüringer Leser mit einem ganz und gar miserablen Double: Nils Junge in der TA.

8 Kommentare

  1. ratze

    Wolfgang Michels „nicht mehr als belangloser Liedermacherpop“
    Das ist alles was Dir zu dieser deutschen Legende einfällt. Schwach.

    Song 3 war Pocahontas

    #1086
  2. Andreas Koch

    Vielen Dank für die Fotos! Schade das man sie nicht größer bekommt. Es war ein tolles Konzert mit einer geilen Setlist.
    Neil war wirklich gut drauf, wie er Anthony angespornt hat(bei TTN), einfach nur großartig zu sehen. Das letzte Mal in Erfurt spielte er ja diesen Titel mit Gitarre und Klavier allein. Da hatte er die Gitarre umhängen und spielte die Soli selbst.

    Die Vorband war nicht schlecht, du solltest mal in Wikipedia stöbern. Letztes Mal waren die Vorbands miserabel. Denk mal an die Black Crowes 2001. Der Klang war grausam und als Neil angefangen hat zu spielen, war ein glockenklarer Sound in der Messehalle. Es geht also doch. Die Soundboard-Männer machen es aus…

    #1088
  3. Die Vorband wird auch durch Wikipedia nicht besser, sorry. Bis dato war mir die „Legende“ Wolfgang Michels auch noch nicht bekannt. Wie legendär kann man mit poetischen Ergüssen wie (ich erinnire mich sinngemäß) „…ich habe Fernweh. Manchmal tut das sehr weh“ eigentlich sein? Auch die Musik hat mich echt nicht tangiert, weshalb ich da auch nicht mehr drüber schreibe. Das ist ein Blog und meine persönliche Meinung. Danke für Song 3!

    #1089
  4. Josef

    Nun, es war nicht recht viel anders, als letztes Jahr in Leipzig! nur, dass halt NY etwas zugenommen hat und das Konzert auch nicht so lang dauerte…Das Zerreissen der Gitarrensaiten war, glaub ich, (mit Verlaub): gestellt! und irgendwie kam es mir vor, wie runtergespult; klar wars ein tolles Konzert, aber auch ich hätte mir neueres Material gewünscht.

    #1085
  5. @Josef: Wie will man denn das Zerreißen von Gitarrensaiten stellen? Entweder man tut’s oder man lässt’s bleiben… 😀 Ich stand ab Song drei leider recht weit hinten, aber es sah mir doch alles sehr glaubhaft aus und wie Andreas schon anmerkte, eben auch so als hätte Neil gern noch etwas mehr Spielfreude aus seinen Mitstreitern herausgekitzelt. An vielen Stellen hat man aber deutlich gemerkt, dass der Auftritt gut vorbereitet war. Ich hab da aber auch nichts anderes erwartet.

    #1090
  6. Mrs. Actually

    Die Gitarre hat er doch beim letzten Song vor der Zugabe gecrasht, oder? Es klang noch nach als die schon von der Bühne runter waren. Und ja, es war alles sehr echt – die Zunge an den Seiten genauso wie das Loch im T-Shirt unter der Achselhöhle 😉
    Echt und genial.

    #1087
  7. Mrs. Actually

    Edit: Seiten = Saiten

    #1083
  8. Mrs. Actually

    Don’t drink and post 😉

    #1084

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