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NEIL YOUNG: „Fork in the Road“

3. April 2009

„It's all about my car...“

Fans wissen es schon lange und auf dem letzten Album „Chrome Dreams II“, Baujahr 2007, wurde es mit einem vielsagenden Artwork und dem Song „Boxcar“ nochmals richtig deutlich: Neil Young ist Autofreak; insbesondere Oldtimer haben es ihm angetan. Das mag im Angesicht seiner Ökoeinstellung – Stichwort „Be the Rain“ vom Konzeptalbum „Greendale“ („We got to save mother earth…“) – etwas paradox klingen, aber Young wäre nicht Young wenn seine auf den ersten Blick gegensätzlichen Einstellungen, die sich stets auch in der Musik widerspiegeln, mit seinen komplexen Launen am Ende doch irgendwie in Einklang gebracht werden können.

So feilt der Altrocker beispielsweise zusammen mit dem renommierten amerikanischen Autobauer Lincoln gerade am „Eco LincVolt“, der angeblich erheblich sparsamer im Verbrauch sein soll als sein spritschluckendes Vorbild. Auf seinem neuen, seit heute in den Läden stehenden neuen Album „Fork in the Road“ widmet er dem Continental LincVolt sogar einen eigenen Song, „Johnny Magic“, doch alles der Reihe nach, denn es beginnt mit „When Worlds Collide“, und bereits diese ersten Töne lassen dem Fan seiner ramponierten schwarzen Gibson Les Paul, die liebevoll Old Black genannt wird, das Herz höher schlagen und zaubern ihm garantiert ein fettes Grinsen ins Gesicht: satt, erdig, groovend, darüber thront herrlich schräg Youngs charakteristische Stimme. Neil Young: Fork in the Road (2009) Wer es noch dreckiger mag, kommt bei „Fuel Line“ ganz auf seine Kosten: Die Old Black klingt so derbe verzerrt und blechern, dass man meinen möchte, die alte 1953er Gitarre meckert unter der Motorhaube eines LincVolts um ihre Freilassung. „Fuel Line“ macht einfach Spaß! Und bereits beim zweiten Durchlauf ertappt man sich dabei, wie man freudig wippend in die Backgroundgesänge einsteigt.

Next one, „Just Singing a Song“, wo es heißt: „You can play my guitar, see where it goes…“ Ich will die Old Black nicht spielen, ich will sie HEIRATEN! Somit dürfte spätestens jetzt oder beim dreckigen Blues Rocker „Get behind the Wheel“ dürfte deutlich geworden sein, dass Neil Young vollends den Spaß an den härteren Tönen wiedererlangt hat. Klar, bisher ist die Musik recht einfach gestrikt und geht sofort in Ohr und Bein. Das gleiche könnte man natürlich auch von den Texten behaupten, die in Neils wunderbar krakeliger Handschrift in der simplen Papphülle der CD notiert sind. Man kann sich jedoch über die Auto-Metaphern auch wunderbar weitertragen lassen: über die (vorgetäuschte?) Freiheit des Fahrens philosophieren, an Flucht und Jagd denken, über das Verhältnis Mensch-Maschine sinnieren… oder es aber einfach bleiben lassen und nur Spaß an der Musik haben. Übrigens: „Fork in the Road“ ist somit natürlich prädestiniert zum Fahren oder gefahren werden, sogar in der Bahn. Da kann man selbst größeren Verspätungen – über solchen nichtigen Dingen schwebt man dann einfach, getragen von rotzigen Grooves und coolem sonnenbebrillten Gesang – mit einer angenehmen Scheißegal-Attitüde begegnen.

Apropos Gesang: Ich habe den Glauben an den Meister wiedererlangt. Ich fand die Alben der späten 90er, frühen 2000er zugegeben nicht schlecht, doch fehlte ihnen irgendwie der Biss und Neil klang stimmlich alles andere als fit, stellenweise gebrechlich, gezwungen, fragiler als sonst, irgendwie alt. Aber hier auf „Fork in the Road“ lässt er die Zügel los klingt irgendwie erfrischend und spritzig. Es mag die rebellische Ader sein, die in ihm im Zuge von 9/11, Bush Jr. und dem Irakkrieg und der abgefeierten CSNY-Tour wieder stärker pulsiert. Neuerdings widmet er sich auch der Finanzkrise, was in „Cough up the Bucks“ mehr als deutlich wird: Das Video dazu ist noch das „aufwändigste“ der insgesamt vier im Vorfeld des Albums erschienenen schrulligen Low-Budget-Clips der neuen „Fork in the Road“-Songs:

Neil Young – Cough Up The Bucks

Erstmals bei „Off the Road“ wird ein Gang herausgenommen, dem ein oder anderen sicher zu cheesy, aber immerhin ein guter Song um mal den Blick über die schöne vorbeiziehende Landschaft schweifen zu lassen, nur um wenig später bei „Hit the Road“ neu Fahrt aufzunehmen. Der rockende Blues steht Neil sehr gut. Man muss unweigerlich an seine späten 80er denken, als er mit den Bluenotes das Tanzbein schwang und wenig später auch die Ultrahymne „Rockin‘ in the Free World“ entstand, die jede wahre Rockerseele glauben macht fliegen zu können. Einziger Wermutstropfen ist, dass diesmal die verspielten, trippigen Longtracks fehlen. Aber die kann man nicht immer haben. Stattdessen gibt’s erstmal noch einen wunderbaren Moment in Form der minimalistischen Akustikballade „Light a Candle“. Und Young bleibt optimistisch:

„Instead of cursin‘ the darkness,
light a candle where we’re going.
There’s something ahead
worth looking for.

When the light of time is on us
we will see our moment come.
And the living soul inside
will carry on…“

So hätte das Album eigentlich enden können, doch der Titelsong, der ebenfalls mit einem Clip daherkommt wo ganz nett Apple und die Blogosphäre eins aufn Deckel bekommen, beschließt dieses fantastische Album, das meinen Glauben an den Altrocker nun vollends wiederhergestellt hat und sicher zu den besten Alben des noch jungen Jahres gezählt werden muss. Kaufen!

1 Kommentar

  1. kev

    I haven’t heard this yet and i don’t know if I want to Mr. Young is very hit and miss with me. That Greedale Album has scared me for life, but then I seen him again last year and it was brilliant with 17 minute solos, real early Zepplin/Purple stuff.

    #1067

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