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NEIL YOUNG: „Fork in the Road“ (Videoclip)

19. Januar 2009

„Fork in the road“, die Gabel auf dem Weg. Sie hat drei Zacken und zwischen zweien musst du durch. Neil Young macht einem diese Entscheidung nicht leicht. Vor ein paar Monaten hieß es noch eindeutig „No Hidden Path“, eine 14-minütige erleuchtende Wegbeschreibung vom letzten Album „Chrome Dreams II“; nun stehe ich aber noch etwas unentschlossen vor einer Weggabelung zwischen „Verdammt, wie ist das peinlich…“ und „Dieser Mann ist sowas von cool…“.

Die Rede ist dieser Tage vom aktuellen Videoclip zum neuen Neil Young-Song „Fork in the Road“, gesehen auf der offiziellen Neil Young-Webseite und YouTube. Neil Young ist den audiovisuellen Medien kein Fremder. Als Bernhard Shakey legte er bereits mit dem Experimentalfilm „Human Highway“ und der Visualisierung seines „Greendale“-Konzeptalbums stilistisch recht eigenwillige Filme vor, im Falle Greendales sogar mit ganz ansehnlichem Ergebnis: keine Effekte, ein antiquierter Schleier, ein Hang zur Schrulligkeit und makelhaften Alltagspersönlichkeiten. Liedtexte und Musik in Echtzeit statt Dialoge. Ganz anders und wesentlich professioneller unter seiner Regie: die äußerst gelungene CSNY-Doku „Déjà Vu“ aus dem vergangenen Jahr. Die Clips zu „Rockin‘ in the Free World“ oder „Harvest Moon“ sind zwar als repräsentante Zeitzeugen der entsprechenden Neil Young-Epochen zu bezeichnen, aber irgendwie auch nichts Besonderes, wie das eigentlich bei den meisten Videoclips der Fall ist…

„Fork in the Road“ ist da ganz anders. Da macht sich ein absoluter Star der Rockgeschichte ganz gehörig zum Obst. Geld hat er für spektakuläre Explosionen, aufwändige Animationen und tolle Schauspieler, doch was tut der Kerl? Er postiert sich mit einem Apfel vor eine Scheune und synchronisiert seinen eigenen neuen Song mit reichlich blödem Gegrinse in schrottigster Homevideo-Manier… und das alles ohne jeglichen Schnitt, aufgenommen in garantiert nur einem Take! Nach 5 Minuten steht er auf und legt ein 1A-Luftgitarrensolo aufs Parkett. Irgendwie liebenswürdig, dieses in die Jahre gekommene Unikum. Den Apfel und die Kopfhörer hat hoffentlich auch jeder bemerkt? Doch wie deutet man’s? Schleichwerbung oder Persiflage unser aller Lieblings-Alternativfirma? Das bleibt zunächst offen… Doch spätestens beim zweiten Anschauen wird mir klar, dass dieser Low-Budget-Clip einfach nur ist was er ist: vielleicht ein bisschen peinlich für den Star – doch das hat ihn ja noch nie gekümmert! – aber immerhin amüsante, augenzwinkernde fünfeinhalb Minuten und zudem auch akustisch gesehen Young’sche Frischkost!

Ich bin jedenfalls gespannt auf den Nachfolger von „Chrome Dreams II“, welches Ende 2007 endlich mal wieder ein rundum geglücktes Album nach dem plakativen „Living with War“ und den handzahmen Vorgängern darstellte. Ich freue mich ob der rumpeligen Gitarren in „Fork in the Road“, ob der Simplizität und Trashigkeit, des unverblümten Lausbubentums und der lässigen Selbstironie des Neil Young.

Keep on rockin‘ in the free world.

„Fork in the Road“ Lyrics:



“Got a pot belly. 
It’s not too big. 
Gets in my way 
when I’m driving my rig.
 Driving this country
 in a big old rig, 
things I see
 mean a lot.



My friend has a pickup.
 Drives his kid to school.
 Then he takes his wife
to beauty school.

 Now she’s doin‘ nails.
 Gonna get a job.
 Got a good teacher.


There’s a fork in the road ahead.
 I don’t know which way I’m gonna turn.
 There’s a fork in the road ahead.

Forgot this year, 
to salute the troops. 
They’re all still there
 in a fucking war. It’s no good.
 Whose idea was that?



I’ve got hope,
 but you can’t eat hope. 
I’m not done. 
Not giving up. 
Not cashing in.
 Too late.

There’s a bailout coming but it’s not for me. 
It’s for all those creeps watching tickers on TV. 
There’s a bailout coming but it’s not for me.

I’m a big rock star.
 My sales have tanked,
 but I still got you.
 Thanks!
 Download this.
 Sounds like shit.



Keep on bloggin‘ ‚til the power goes out,
 and your battery’s dead.

Twist and Shout. 
On the radio.
 Those were the days.
 Bring ‚em back.

There’s a bailout coming but it’s not for you.
 It’s for all those creeps hiding what they do.
 There’s a bailout coming but it’s not for you.
 Bailout coming but it’s not for you.

Got my new flat-screen.
 Got it repo’d now. 
They picked it up.
 Left a hole in the wall.
 Last Saturday.
 Missed the Raiders game.

There’s a bailout coming but it’s not for you.
 There’s a bailout coming but it’s not for you.
 It’s for all those creeps hiding what they do.“

1 Kommentar

  1. Thomas

    Hallo Katrin,

    bin beim googeln zu Neil Young auf deine Artikel gestoßen, die ich sehr informativ und auch unterhaltsam finde.

    Als Neil-Young-Fan der 2. Stunde (etwa ab 1970) freut es mich immer wieder, wieviel junge und sehr junge Leute sich mit ihm auseinandersetzen (war auch bei seinem Coburger Konzert vorigen August so).

    Liegt sichern an der Qualität eines guten Teils seiner Songs.

    Also weiter so, Neil und du.

    Gruß Thomas

    #1035

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