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NEIL YOUNG: „Everybody Knows This Is Nowhere“ (14. Mai 1969)

14. Mai 2009

"I think I'd like to go back home and take it easy..."

Heute vor 40 Jahren und ein paar Wochen, irgendwo im Nirgendwo, ließ eine Band namens The Rockets ihre astralen Startversuche bleiben und sattelte auf bodenständigeres Terrain um, das den Herren Whitten, Molina und Talbot bald schon den Namen Crazy Horse einbringen sollte… Doch der verrückte Gaul in seinem einsamen Ritt dürfte nur den wenigsten bekannt sein. Sein späterer Reiter ist zu dieser Zeit schon ein Star: Neil Percival Young packt seine Koffer und stolperte nach seinem 1968er Weggang von Buffalo Springfield glücklicherweise über das junge Genie Danny Whitten… ja, eben jenen Whitten, der für das großartige „I Don’t Want To Talk About It“ verantwortlich war, bevor es von einem gewissen Rotz Stewart zerschmachtfetzt wurde.

Wie auch immer, heute vor 40 Jahren und ein paar Wochen später komponierte Neil Young bei 40°C Fieber drei seiner genialsten Stücke, die es bis heute regelmäßig noch in die Livesets des rockenden Urgesteins schaffen: die beiden hypnotisch in sich selbst verlorenen Kult-Longtracks „Down by the River“ und „Cowgirl in the Sand“ sowie den schwer-schmatzenden Kurzweiler „Cinnamon Girl“ mit seinen charmanten Hippie-Harmonien. Und wieder einmal ganz nah an Youngs Seite, mit der zweiten Gitarre und dem leicht verraucht-verbrauchten Gesang: Danny Whitten, der nur wenige Jahre später im weißen Pulver untergehen sollte…

NEIL YOUNG: Everybody Knows This Is Nowhere (1969)Doch zuvor, ja, heute vor GENAU 40 Jahren erschien „Everybody Knows This Is Nowhere“, eines der, wenn nicht DAS Highlight des Young’schen Schaffens, welches neben „After the Goldrush“, „Harvest“, „Zuma“ und „Rust Never Sleeps“ ein Muss für jeden Rock-Plattenschrank der Spätsechziger/Siebziger darstellt.

Zwar zählt der Rundling in der Summe beider Seiten gerade mal 40 Minuten und auch die teilweise doch recht schwülstigen Balladen „Round & Round (It Won’t Be Long)“, „The Losing End (When You’re On)“ und „Running Dry (Requiem for the Rockets)“ sind nicht jedermanns Sache, doch allein aufgrund der drei genannten Songs mit ihrem prägnant-zeitlosen Songwriting, der alles überragenden, überfliegenden Coolness und Leichtigkeit und diesem unglaublichen Tiefgang – „Down by the River“ zieht, nimmt gefangen und spuckt einen unvermittelt wieder aus – ist dieses Album die Anschaffung wert. Aber was schreib ich, die balladesken Töne gehören einfach dazu und sind hier einfach nicht mehr wegzudenken. Das ehrliche, sehr gemäßigt klingende „Running Dry“ ist da wohl mein Favorit; könnte schon beinahe vom kongenialen Nick Drake stammen, der wenig später übrigens auch sein Debütalbum veröffentlichen sollte. Dass sich beide gekannt haben, ist aber eher unwahrscheinlich. Ebenso unwahrscheinlich, dass diese beiden sonderbaren Kauze überhaupt gut miteinander ausgekommen wären, man erinnere sich zum Beispiel an die Begegnung Young-Dylan…

Was noch zu sagen bleibt: Legt euch „Everybody Knows This Is Nowhere“ zu! Nebenher bemerkt kann man auch mit den oben genannten Young-Veröffentlichungen nicht viel falsch machen… Und zwar auf Vinyl, denn genau so waren sie damals gemeint und so werden sie auch in 50 Jahren noch laufen, wenn ihr nett zu ihnen seid. Und lasst diese bald erscheinenden Neil Young-Archives ruhig Archives sein: Über 50% der Songs dieser überteuerten Mogelpackung sind dem geneigten Fan eh schon bekannt… Apropos Archives und neuerlich-teuerliche Sachen wie die Low-Budget-Aufmachung des aktuellen Albums zum alles andere als niedrig budgetierten Verkaufspreis: Ich frage mich, warum Young diesem Label nicht langsam mal den Rücken kehrt und seine DIY-Schiene, die er mit den Videos zum letzten Album „Fork in the Road“ zu fahren begann, ganz allein weiterverfolgt… Spart euch lieber die Kohle für eins der kommenden Konzerte:

09.06.2009: Erfurt, Messehalle
16.06.2009: Berlin, O2 World
17.06.2009: München, Olympiahalle
19.06.2009: Köln, Tanzbrunnen

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